Bäder
60 !)
Luxus der Römer erbaute in der Folge eigne Leitungen, um das Meerwasser indie Bader zu fuhren, bediente sich des Schnees von den Gebirgen, und erweiter-te diese Anstalten auf eine Weise, daß sie uns noch in ihren Überresten Erstaunenund Bewunderung abnöthigen. (S. Wichelhausen, „Über die Bäder des Alter-thums", Manheiin 1807.)
Unter den Europäern haben nur die Russen eigenthümliche Badeanstalten, dievon allen Volksclassen das ganze Jahr hindurch besucht werden. Das russische Badbesteht in einem einzigen Saale, aus Holz gebaut; in demselben erblickt man einenmächtigen metallenen Ofen, mit Flnßkicseln bedeckt, welche die Hitze des Ofensglühend macht. Ringsumher sind breite Bänke befindlich. Beim Eintritt fühltman sich dergestalt von Glut befallen, daß, wer nicht daran gewöhnt ist, diesen Zu-stand nur wenige Augenblicke ertragen kann. Diejenigen aber, die im Stande sind,einige Zeit darin zu dauern, entkleiden sich und strecke» sich auf einer der Bänke odervielmehr auf einer darauf gelegten MatraHe aus. Nunmehr wird kaltes Wasserauf die glühenden Kiesel gegossen, ein dicker heißer Dampf erhebt sich, der den Ba-denden einschließt, auch ihn dergestalt erhitzt, daß der Schweiß über seinen ganzenKörper ausbrichr. Bon 5 zu 5 Minuten wird neuesWaffer auf die Kiesel gegossen.Das Thermometer steigt in diesen erhitzten Dämpfen gewöhnlich auf 40—50"Rüaum. Hat der Russe auf diese Weise sein Bad genossen, so läßt er sich noch miteingeweichten Birkenruthen peitschen, zur Verminderung des Echweißeü mit Seifereiben und daraufmit lauem und endlich mit kaltem Wasser waschen, von welchemletzter» ihm einige Eimer voll über den Kopf gegossen werden. In Ermangelungdes kalten Wassers springt er auch wol unmittelbar nach diesem Schwitzbade in ei-nen Fluß oder Teich, oder streckt sich in den Schnee. Der vornehme Russe genießtnachher ein Getränk aus englischem Biere, weißem Weine, geröstetem Brore, Zuckerund Citronen, und ruht auf einem Bette aus; der gemeine hingegen trinkt, nach-dem er sich im Schnee abgekühlt hat, einige Gläser Branntwein und geht wiederan seine Arbeit. Diese Bäder sind ein Bedürfniß des Volks, und man trifft sie injedem Dorfe. Auch in Finnland nndet man sie.— Bei den Asiaten sind die Bäderebenfalls in allgemeinem Gebrauche. Die Türken sind vermöge ihrer Religionzu wiederholten täglichen Waschungen verpflichtet; außerdem müssen sich Männerund Weiber unter gewissen Umständen und zu gewissen Zeiten besonders baden. Zudiesem Ende findet sich in jede, Stadt mit einer Moschee auch ein öffentliches Bad,und reiche Privatpersonen besitzen eigne Badeanstalten, die mit allen Gegenständenasiatischer Üppigkeit ausgeschmückt sind. Außer diesen Bädern haben die Türkennoch das trockene Bad der Alken. Die Gebäude, deren sie sich dazu bedienen, sindaus -Llein erbaut und enthalten gewöhnlich niehre Zimmer, deren Fußboden ausMarmorplatten besteht. Diese Zimmer werden mittelst Röhren geheizt, welchedurch die Wände gehen und die Wärme allenthalben Hinleiten. Nachdem man sichentkleidet hat, wickelt man sich in eine baumwollene Decke, zieht hölzerne Pan-toffeln an, um die Füße gegen die Hitze des Fußbodens zu schuhen, und geht indas Badezimmer. Die heiße Luft erzeugt bald einen allgemeinen Schweiß; manwird hieraus gewaschen, abgetrocknet, gekämmt und mit einem wollenen Tuche ge-rieben; zuletzt wird der ganze Körper mit einer Seife oder einer andern der Hautzuträglichen Salbe bestricke». Nach diesem Bade rubr man auf einem Bette undtrinkt Caffee , Lorbet oder Limonade. Die türkischen Frauen baden auf diese Weisetäglich; d.e Männer nicht so oft. — Von eigenthümlicher Art sind die Bader derI nd ier, von denen Anguetil folgende Beschreibung macht. Der Badewärterstreckt den Badenden auf einer Tafel aus, begicßt ihn mit warmem Wasser undbeginnt darauf den ganzen Körper desselben mit einer bewundernswürdigen Ge-schicklichkeit zu drücken, zu pressen und zu renken. Alle Glieder werden gedehnt undausgereckt; ist er mit einer Seite fertig, so fängt er bei der andern an: bald knietCo»versattons-Lcricon. Bd. I. 39