Band 
Erster Band. A bis Bl.
Seite
614
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01t Buhl recht Bähung

hebräischen Alterthümer erhielt. 1769 erwarb er die theologische Doctorwürdezu Erlangen . Zu Eisurr schrieb er seinen „Versuch eines Systems der biblischenDogmatik" und (anonvm) „Wunsche eines stummen Patrioten", zwei Werke,deren hererodoxe Lätze ihn in heftige Ltreirigkeiten verwickelten. Die theologischeFaeuliär zuWitkcnberg verurkbeilte seine Lehre als ketzerisch; dagegen die gbttingertheologische Faiculrät ein minder ungünstiges Urtheil fällte und eine Vereinigungbeider Parteien zu vermitteln suchte. Mancherlei Unannehmlichkeiten, verbundenMtk senior natürlichen Unruhe, machten ihm seinen Aufenthalt in Erfurt unerträg-lich. Er ging 1771 nachwiesen, woer kheologischeBorlesungcn hielt und mitBei-fall predigte. Aber seine heterodoren Meinungen und derHaß derGcistlichkeit, dieer zu wenig schonte, zogen ihm neue Händel zu. Sei» persönliches Betragen, dasnie regelmäßig gewesen, brachte ihn inKurzem um die öffentliche Achtung. 1775ward er nach MarschlinS in Wraubundten berufen, um die dort unter dem Nameneines Philanthrop»! bestehende Erziehungsanstalt zu leite». Er blieb daselbst nur1 Jahr. Unzufrieden mit dem Vorsteher der'Anstalt, ergriff er die erste Gelegen-heit, sich von ihm loszumachen, und ging als Generalsuperintendent nach Türk-heim im Fürstenthum Leinineen-Dachsburg. Aber auch hier war sein Aufenthaltnur von kurzerDauer. Er ließ sich 1777 das unbewohnte Schloß zu He,teshei,nbei WormS einräumen, um eine dem Philanthrop», ähnliche Anstalt zu errichten,die aber, übel organisier und geleitet, nicht bestehen konnte. Vergeblich machte ereine Reift nach Holland und England, »m Zöglinge dahin z» fuhren. Ein Ur-theilsspruch des Reichshofraths erklärte ihn für unfähig, irgend ein geistliches Amtzu verwalten, und verbot ihm, im ganzen Reiche Etwas >m Druck herauszugeben,lvvor er nicht die in seinen frühern Schriften ausgesprochenen religiösen Meinun-gen widerrufen habe. Zur Base dieses Unheils diente die 2. Ausg. seiner ÜbersetzungdeS.N.Test., deren erste bereits angefochten worden. Aller'Aussichten beraubt, fander eine Zuflucht in denLändern desKönigS von Preußen. 1779 ging er nach Halle,wo er sein Glaubensbekenntnis herausgab, in welchem er weniaer als je die Ortho-doxie und die Geistlichkeit schonte. Seine Lehre war ein reiner Deismiv, derbaupt-sächlich die Wunder verwarf. Auch gehörte die Unsterblichkeit der Seele nicht zuseinen positiven Sätzen. Au Halle las er über Philosophie, Rhetorik und alteSprachen und sehte zugleich seine theologischen Arbeiten fort. Sein Ruf verschaffteihm Zuhörer; aber sein unruhiger, streitsüchtiger Geist zog ihm neue Widerwär-tigkeiten von ebenen derGeistlichen zu. Er verließ dieSkadt, um vor den Thorenderselben einenWeinberg zu beziehen, wo er die Rolle eines Gastwirths übernahmund bald ehemalige Zuhörer, so wie Neugierige durch seinen Ruf herbeizog. Zwei«Lchristen aber, „Das Religionsedict", ein Pasquill auf das k. preuß. ReligionS-cdicc, und „Die deutsche Union", worin der Vorschlag zu einer religiösen Verbindunggemacht wurde, der sowol die Theologen als die Regierung beunruhigte, verwickelteihn in eine Untersuchung, in deren Folge er zu 2jähriger Festungshaft in Magde-burg verurrheilt wurde. DerKönig sehte die Zeit auf die Hälfte herab. B. benutztedieses Jahr, dieGeschichte seines Lebens und seiner Meinungen zu schreiben, lebtenach wiedererlangten Freiheit aus die vorige Weise inHalle und starb 1792. Unre-gelmäßigkeit, selbst bereitetes Unglück und häuslicher Kummer kürzten sein Lebenab. — B. sprach und schrieb mir einnehmender Leichtigkeit; es fehlte ihm, wen» esdaraufankam, nicht an Feuer und Nachdruck. Lein Ltyl war zierlich und seinmündlicher Vertrag angenehm. Seine Werke, selbst seine gelehrtesten, verrathennur unvollständige Kenntniffe; es fehlte ihm an der Muse und Geistesruhe, ohnedie keinEtudillM mit Nutzen betrieben werden kann; aber durchübuiig imDispu-tiren hatte er sich mit gewissen Seiten der Theologie und Kritik vertraut gemacht.

Bahrrecht, s. Ordalren.

Bähung. 1) Warme Bähungen werden gemacht von Kleie, Asche, Salz,