Band 
Erster Band. A bis Bl.
Seite
652
JPEG-Download
 

652

Barbaresken (Völker)

tianische Flotte besuchte alle Städte der afrikanischen Küste. Seit 3 Jahrhun-derten ist dies Alles nicht mehr. Das Land wurde die Werksiätte des Verbrechensund des Elends, — die Beute von 13 —14,000 Abenteurern, die, in einem an-,dern Welttheile zusammengerafft, hier von den Einwohnern verabscheut werden.Die Bewohner des Landes theilen sich in Kabylen, Araber und Mauren, Neger,ssuden und Türken. Erstere, die Ureinwohner, auch Barabra oder Berber (daherBerberei) genannt, wohnen in den Gebirgen in kleinen Dörfern. Die Guanchenauf den Canarien waren ebenfalls Berbern. Die Berbern sind wilde, kräftige,wohlgebildete Menschen von großer Muskelstärke, die Hunger und Beschwerdenaller Art leicht ertragen. Alle Stämme derselben zeichnen sich durch dünnesBarthaar aus. Sie sind meistens Räuber, dabei unmenschlich und treulos; dochüben sie Gastfreundschaft, und man reist unter ihrem schuhe sicher. AufihreFrei-heit eifersüchtig, gehorchen sie ihrem Oberherrn nur dem Namen nach und fuhrengewöhnlich Krieg mit den Truppen, welche die Steuern eintreiben. Sie verferti-gen ihr Feuergewehr selbst und sind gute Schützen. Die Hirten auf den höhernGebirgen wohnen in Hohlen wie die alten Troglodvten. Unter allen sind dieSchilluh-Berbern in Marocco die unversöhnlichsten und rachsüchtigsten Feinde.—Das zahlreichste von den Völkern NordafrikaS sind die Araber. Die, welche inStädten wohnen, heißen vorzugsweise Mauren; die auf dem Lande, welche inZelten wohnen und Nomaden sind, heißen Beduinen. Letztere stammen von denSaracenen, den ersten Eroberer» des Landes, ab. Sie sind groß, muskelkräftig,mit geistvollen, schönen Gesichtszügen, großen, schwarzen, durchdringenden Augen,etwas gebogener Nase, regelmäßigen Zähnen, weiß wie Elfenbein, vollem, starkemBart und schwarzem Haupthaar. Die Hautfarbe in den nördlichen Gegenden isthellbraun und wird südwärts immer dunkler, endlich ganz schwarz; doch ohne dieNegcrphysiognomie, welche erst in Sudan sich zeigt. Sie wohnen 10,12 —100Familien stark, patriarchalisch in wandernden Zeltlagern, jeder Ltannn unter sei-nem Scheich, welcher den Koran erklärt, Recht spricht und ^Wenigkeiten schlichtet.Auch sie führen auf die wildeste Art beständig Krieg, entweder mit den Derbernoder mir den Steuereinnehmern des Oberherrn. Ihr Geschäft ist Krieg, ihr Ein-kommen Plünderung; wenn sie keinen Krieg mit ihren Nachbarn fuhren, vermie-then sie sich als HülfStruppcn an die Deys. Allgemein hassen sie die Christen;doch sind sie weniger verstellt und betrügerisch als die Mauren und Berbern. DasRecht der Gastfreundschaft gilt bloß innerhalb ihres kleinen Lagers. — Die Mau-ren oder Mohren sind ein Gemisch von allen Nationen, die sich in Nordaftika nie-dergelassen haben, doch dem Hauptcharakter nach Araber. Sie nennen sich selbstMoslimin, d. i. Gläubige, oder Medainin, d. i. Sradtvolk. Als eifrige Beken-ner von Mohammed's Lehre verachten und hassen sie Christen und Zudem Siesind eifersüchtig, argwöhnisch, ungesellig, verstellt, grausam, der Liebe und Freund-schaft unfähig, dabei so träge und unthätig, daß sie ganze Tage mit kreuzweis un-tergeschlagenen Beinen an die Mauer gelehnt sitzen und, ohne ein Wort zu spre-chen, die Vorübergehenden betrachten. Keine Spur mehr von jener geistigenBildung, zu der sie im Mittelalter unter einer bessern Regierung in Spanien sicherhoben hatten. Sie sind im höchsten Grade abergläubig, und in ihren Augen istes ein Verbrechen, ein gedrucktes Buch auch nur zu besitzen. Der Maure lachtnie; ernst und, wie es scheint, in sich vertieft, den Bart sich streichend, gibt erkein Zeichen von Wißbegier oder geistigem Leben. Sein größtes Vergnügen ist,inS Bad zu gehen, Caffee zu schlürfen und Märchen zu hören. Die gewöhnlicheSpeise ist Kuskussu, eine Art Maccaroni. Auch trinken die Maroccaner viel Lhee.Allgemein herrscht unter den Mauren der Glaube, daß sie einst an einem Frütagezur Lttunde des Gebets von einem rothgekleideten Volke werden überfallen und un-terjocht werden. Bei ihrem blinden Fatalismus erwägen sie jeden Wechsil des