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Barbaresken (Geschichte)
sie verloren sogar Oran 1708. Ebenso vergeblich waren die Angriffe der Eng-,länder, Niederländer und Franzosen , doch schloffen zuerst die Engländer seit 1662Verträge mit Algier , und züchtigten zuletzt, i» Verbindung mit den Niederländern,den Trotz der Algierer 1816. (W. Sklavenhandel und Sklaverei derWeißen.) Allein die Beschränktheit der Mittel, die man zur Bändigung derfanatischen Algierer anwandte, die Eifersucht der europäischen Staaten, Alles trugdazu bei, daß Algier bloß augenblickliche Demüthigungen erfuhr. Die Nordküstevon Afrcka kann nur, nach völliger Ausrottung der türkischen Miliz, durch einverständiges Colonialsystem gerettet werden. Der Übermuth der Barbaresken isttrotziger als je. 1817 wagten sich algierische Seeräuber bis in die Nordsee undnahinen alle Schiffe weg, die nicht einer Macht gehörten, welche ihnen beschenkeschickt, wie Schweden, Dänemark, Portugal , oder mit denen sie Verträge abge-schlossen, wie England, Nordamerika, die Niederlande, Sardinien, Neapel undFrankreich. Zwar haben die Regierungen von Marocco, Algier, Tunis und Tri-polis die christlichen Gefangenen nicht mehr als Sklaven, sondern mehr als Kriegs-gefangene zu behandeln versprochen (s. Sklavenhandel), allein dadurch istdas Loos der Unglücklichen, die in ihre Hände fallen, nicht besser geworden, dieMißhandlung vielmehr ärger. Auch die Flagge der minder mächtigen Staatenwird ungeachtet der Vertrage selten geachtet, und noch 1826 liefen aus Algier Raubflocren aus, um spanische, päpstliche u. a. Schiffe wegzunehmen. Auch gegendie deutsche ^chiffsahrt kehrte sich oft ihre Wuth. Deßhalb ward in Hamburg einamipirarischer Verein gebildet und auf dem Bundestage ein Ausschuß ernannt, derzweckdienliche Maßregeln vorschlagen sollte. Die meisten Mächte scheinen Eng-lands Schutz zu suchen; nur Baden hat es als eine Nationalsache des deutschenBundes angesehen, selbstthätig schiffe zum Schutze des deutschen Hantels aus-zurüsten, wie schon die Hanse es vermochte. Großbritannien und Frankreich feder-ten daher, im Namen aller europäischen Mächte, die Barbaresken 1819 auf, daseuropäische Völkerrecht als verbindlich zu beobachten. Allein der Kreuzzug, wel-chen Sir Sidney Smith , als Präsident des nun aufgelösten antipirarischen Ver-eins in Paris , den christliche» Mächten vorschlug, kam nicht zu Stande.
Unter den 3 Seeräuberstaaten, Algier, Tunis und Tripolis, ist Algier derSitz des wildesten Soldatenpöbels. Die willkürlichen Erpressungen des ehemali-gen Pascha machten seine Herrschaft so verhaßt, daß dieEinw. 1628 Abgeordnetenach Konstantinopel sandten, welche Achmed I. bewogen, in die Beschränkung derMacht des Pascha einzuwilligen. Man ernannte daher einen Dey als Oberhauptder Finanzen und ließ dem Pascha nur Gehalt und Rang. Als hierauf die Pa-schen ihr voriges Ansehen wiederzuerlangen suchten, ließ der Dey, Babu Ali,1710 den Pascha auf ein Schiff werfen und sandte ihn mit der Erklärung nachStambul , daß die Algierer keinen Pascha mehr von der Pforte annehmen, sondernsich durch selbstgewählke DeyS regieren würden. Achmed I II. ernannte jetzt denjedesmaligen Dey zu seinem Pascha, und entsagte dadurch aller Einwirkung in dieStaatsgewalt dieser Soltatenrepublik. Tendern schickt der Großherr nur vonZeit zu Zeit einen Ehiaup oder Bevollmächtigten nach Algier , den man mit großerEhre empfängt, bewirthet, bewacht und baldigst wieder fortschickt. Aber auch daspersönliche Schicksal der DeyS war nicht gesicherter als das ihrer Vorgänger.Selten ist einer so glücklich wie Mohammed >11., welcher 1791, nach einer 23jahr.Regierung, in einem Alter von 93 fahren starb. Den letzten, Omar Pascha , derdem Lord Ecmouth einen so entschlossenen Widerstand entgegensetzte und ebensotapser als klug und thätig war, ermordeten die Soldaten 1817. Sein Nachfol-ger, Ali Hcdja, ein geb. Türke, begab sich daber in der Nacht vom 2.Nov. 1817mit seiner ssamilie, seinen Schätzen und den Ministern in das feste Schloß KiaSkaoder Eharba, bis in die Mitte des 16. Jahrh, die Residenz feiner Vorfahren, auf