Baroirius
Baron (Michel)
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Baron (Michel), eigentlich Bovron, geb. zu Paris 1653, Sohn einesSchauspielers, wurde der Zögling und Freund Moliäre'S. So sehr er seinen Lehrerals Schauspieler übertraf, so sehr stand er ihm als Schriftsteller nach. Er warvon der Natur mit den herrlichsten Gaben ausgestattet und bemühte sich, dieselbendurch Kunst auszubilden. Doch fühlte er, daß das Genie sich den Regeln der Kunstnicht sklavisch unterwerfen könne. „Die Regel will", sagt er, „daß der Scham-spieler in der Action die Arme nicht über den Kopf erhebe; bringt jedoch die Leiden-schaft eine solche Bewegung von selbst mit sich, so ist sie dennoch gut, denn die Lei-denschaft gilt mehr als dieKunst". Man nennt ihn einstimmig denRosciuS seinesIaln Hunderts. 1691 verließ er das Theater mit einer Pension von 3000 Livres,betrat aber dasselbe 1720 als ein Greis von 68 I. aufs neue und fand seinen ehe-maligen Beifall wieder. B. hatte eine sehr hohe Idee von seinem Stande; erpflegte zu sagen, die tragischen Schauspieler sollten an den Brüsten von Königinnengesaugt werden. Nicht weniger groß war seine Eitelkeit; nach ihm sieht die Weltalle Jahrhunderte einen Cäsar, aber es werden Jahrtausende erfodert, einen Baronhervorzubringen. Er starb 1729, 77 I. alt. 1760 erschienen 3Bdchn. Theater-stücke unter seinem Namen, die jedoch, vielleicht mit Unrecht, nicht alle für echtgehalten werden. Seine vorzüglichsten Lustspiele, die noch jetzt zu dem Reper-lorium des ckbeätre srunesiz gehören, sind: „Obomme ü buimes lortunes",„l,„ i-,«,nette et l-> l-imiso >>,ucke" und „Ocknck, ieniie", nach TerenZ.
Baron, ursprünglich auch Varo, ein aus der romanischen Sprache stam-mendes Wort, einen Mann, auch zuweilen Diener bedeutend; in der Lehnsver-sassung des Mittelalters der Besitzer eines entweder allodialen oder eines lehn-baren Gutes, von welchem wieder andre Dienstleute abhängig sein konnten; auchdas freie Mitglied einer Gemeinde (dlaelnlmiimes, die Abgeordneten der 5 engli-schen Seestädte oder oliigue poi lz), das Mitglied eines Mannengerichts; einfreier und edler Herr. In Frankreich nannten sich die Monlmorcncy znemiei.,l,.» x»s ilv 1a (.->>, kliente. Nach England kam der Name mit Wilhelm von derNormandie und bezeichnete einen unmittelbaren Kronvasallen, welcher im königl.Hof- und Gerichtstage für seine Person Sitz und >Ltimme hatte, also auch späterin der Pairskammer des Parlaments erschien. Es war dort die zweite Stufe deshohen'Adels, bis die Herzoge und Marguis vor den Grafen, und die Discountsvor den Baronen eingeschoben wurden. InDeutschland waren die alten Freiherrendes Reichs Besitzer unmittelbarer Guter oderDynastcn; sie erschienen gleichfallsauf den kaiserl. Hof- und Reichstagen und gehörten zum hohen Adel. Allein diesealten Dynasten gingen schon früh zum Grafen- und Furstenstande über; dieneuen Freiherren bilden nur eine Stufe des niedern Adels, nach den Gro.se». InEngland erschufJakob I., um sich Geld zu schaffen, eine neue Classe, kleine Baroneoder BaronetS vonXova 8>otin und Ulster in England. Er nöthigte wohlhabendeGentlemen dazu, diesen Titel mit 1000 Kronen zu erkaufen, oder 30 Mann 3 I.lang gegen die rebellischen Inländer zu stellen und zu unterhalten. 57.
Baronius, Baron io (Cäsar ), geb. zu e^ora im Neapolitanischen den30. Ocr. 1538, in Neapel und seit 1557 in Rom gebildet, einer der ersten Schülerdes h. Philipp von Neri und Mitglied der von ihm gestift.Congregation der Priesterdes Oratoriums, wurde 1593 Superior derselben, bald daraus auch Beichtvater desPapstes, apostolischer Proronorar und Cardinal , dazu endlich noch Bibliothekar dervaticanischen Bibliothek. DieseWürdcn verdankte er der päpstlichen Anerkennungdes großen Verdienstes um die karh.Kirche, das er sich durch seine von 1580 an bisan seinen Tod (d. 30. Juni 1607) mit unverdrossenem Fleiße ausgearbeiteten kirch-lichen Annalen erwarb. Sie entstanden durch s. Theilnahme an Neri's Congrega-iion, in der er Vorlesungen über die Kirchengcschichre zu halten hatte, und gehörennoch jetzt wegen ihres Reichthums an echten Urkunden aus den päpstlichen Archiven