Band 
Erster Band. A bis Bl.
Seite
700
JPEG-Download
 

700

Battuecas

Bauart

setzt und es nur in eine andre Sphäre, nämlich in die von der Kunst geschiedeneNatur, verlegt, in welcher der Künstler es suchen soll. Der Künstler aber wird dasSchöne nie ergreifen, der es außer sich sucht, ja er täuscht sich in dem Dränge sei-nes künstlerischen, Alles veräußernden Triebes , wenn er es äußerlich zu schauenund von Außen erhalten zu haben glaubt. Diese Täuschung ist es eigentlich, welchein jenem Grundsätze als psychologische Thatsache ausgesagt wird; wer aber alsKünstler denselben mit Strenge befolgen wollte, würde nur sklavischer Nachahmer,kein freier Künstler sein. Der Werth des Aristotelischen Grundsatzes beruht also,richtig verstanden, bloß auf einer Dergleichung der Natur nach ihrem Wesen (nichtnach ihren einzelnen Erscheinungen) und des lebendig gcstalteflden Künstlergeistes(als einer Hähern Natur). Übrigens war B. der Erste, der in die aufgehäufteSumme der Kunstregeln, welche man nach und nach gewonnen hatte, Einheit undAnordnung durch jenen Grundsatz zu bringen suchte, wodurch der tiefern Kritikdie Prüfung derselben und ein weiteres Fortschreiten erleichtert werden mußte; auchhat er eine Anwendung dieses Grundsatzes auf die einzelnen Künste, die er wie Ari-stoteles nach Verschiedenheit der Darstellungsmittel unterschied, gemacht. Von derandern Seite aber blieb er, wie andre seiner Zeitgenossen, welche die Theorie der Kunstvor der Ästhetik bearbeiteten, bei einem unbefriedigenden Empirismus stehen, derüber das Gebiet des Technischen hinaus keine Wahrheit hat, vielmehr »ach ernemHähern, oder tiefer liegenden Grundsätze stets begierig macht; ja er stellte so Man-ches, was aus Aristoteles '!? Abstraction von denWerken der griechischen Bühne na-türlich folgte, als nothwendige und allgemeingültige Regel für alle Zeit auf, worinihn das Gräcismen der stanz. Dichter und das stolze Ansehen, welches die Dramenderselben bei der stanz. Nation wie bei den gallisirenden Deutschen erhielten, mitallgemeinem Beifall unterstützte. Seine Hauptwerke: „l.cs benux u,is reclniisü un mäme Principe" (Paris 1746, deutsch von AdolfLdchlegel, 2 Bde., Leipz.1769 fg., und in einem Auszuge von Gottsched ), der „täou.s ,lc lxüles l» tt,<s ouPrincipes clc la litternture" (Paris 1740 — 50 und mehrmals), eine erweiterteBearbeitung des erster» (deutsch von Ramler, 4 Bde., 5. Ausl. 1802). 1.

Battuecas (LaS), 2 von hohen Gebirgen eingeschlossene Thäler in derspanischen Provinz Leon , 14 Stunden von >Lalamanca, ungefähr eine spanischeMeile lang und so unzugänglich, daß behauptet wird, das übrige Spanien habeJahrhunderte lang von den Bewohnern desselben gar Nichts gewußt. Doch wurdeschon 1559 in den Battuecasthälern ein Carmeliterkloster erbaut. Sie liegen sotief, daß sie in den längsten Tagen von der Sonne nur 4 stundenlang beschienenwerden. Die bekannte Sage, daß dieses Thal im 16. Jahrh, von 2 Liebenden,die sich vor der Veisolgung ihrer Familie dahin geflüchtet, entdeckt worden sei,hat schon Pater Feyjoo für eine Lächerlichkeit erklärt. Frau v. Genlis hat sie ih-ren! Romane: „fcs Luttucc.is" (Paris 1816, 2 Bde.) jum Grunde gelegt;allein sie irrt sich, wenn sie behauptet, daß H. v. Dourgoing in seiner „Reisedurch Spanien " Dasjenige, was sie von den Battuecas erzählt, als eine historischeThatsache angeführt habe.

Bauart, der eigenthümliche Geschmack in der Anordnung und Verzierungder äußern und innern Theile der Gebäude. Die ägyptische Bauart zeigt eineaußerordentliche Festigkeit und Stärke, welche jedoch zum Theil noch in Rohhcitbesteht. Die griechische hat Geschmack und -Lchönheit, vorzüglich Regelmä-ßigkeit; sie hat 3 Hauptzweige, die dorische (welche sich durch edle Einfalt underhabene Größe), die ionische (welche sich durch ein gefälligeres Ansehen) und diekorinthische (die sich durch alle mit der Haupreigenscbaft der griechischen Gebäudeverträgliche Pracht auszeichnet). Die römische Bauart, eine Schülerin dergriechischen, wich von dieser oft durch zu große Pracht ab. später herrschte neben .hcp gothischen Bauart die arabische, welche nach der griechischen, und die