Bauernkrieg 703
gen in freie Bauerhöfe verwandelt worden. — Eine große Anzahl freier Ackerbauernist aber die erste Bedingung zu einer starken und freien Staatsverfassung. I!x.
Bauernkrieg, in der deutschen Geschichte, jener Zeitraum innerer Zer«rüttung, in welchem die Landleute in Franken und Schwaben und später auch inSachsen und Thüringen die Waffen ergriffen, anfänglich um sich einer traurigenLage zu entreißen, nach und nach aber, um eine eingebildete Freiheit zu erkämpfen.Mehre katholische Schriftsteller suchen den Grund dieser Unruhen, welche sich be-reits gegen das Ende des 15. und zu Anfang des 16. Jahrh, äußerten, vorzüglichaber derjenigen, welche im drittenZahrzehend des 16. Jahrh. wütheten, in Luther'SReformation. Allein die ersten Spuren derselben zeigten sich weit früher, als Luther auftrat. Die wahren Ursachen dieses „gräßlichenNcthschreis der gedrückten Mensch-heit" (wie Zschokke den Bauernkrieg nennt) waren die Bedrückungen, denen die Bau-ern fast unterlagen, ungeachtet sich nicht läugnen läßt, daßLuther's mißverstandeneLehren späterhin einigen, wiewol geringen und zufälligen Einfluß daraufgehabt haben.Viele Bauern waren leibeigen, oder mußten wenigstens so viele Zinsen, Zölle, Steuernund Frohnen entrichten, daß ihnen dieselben nach und nach unerschwinglich wurden;es war daher natürlich, daß sie sich nach Befreiung sehnten. Da jedoch weder derAdel noch die Geistlichkeitvon ihren GerechtsamenErwasnachlassenwollten, und dieLandesherren selbst nicht im Stande waren, die zum Theil auf altem Herkommenberuhenden Entrichtungen geradezu aufzuheben, so wurden dieBedrückten voneinigenSchwärmern leicht hingerissen, sich eigenmächtig Hülfe zu schaffen. Das Beispiel derSchweiz reizte zuerst die sehr bedrückten Landleute im Elsaß zum Aufstand. EinBundschuh (s. d.) war ihre Fahne. Ähnliche Unruhen fanden statt 1513 und 1514im Dreisgau und in Wünemberg. (-L. Heinrich Schreiber : „Der Bundschuh zuLehen", Freiburg 1824.) Die Unruhen brachen zuerst im Würzburgischen aus, woZohann Böhme, ein junger Mensch, der sich durch Liedersingen in den Herbergensein Brot verdiente, als FreiheilSprediger auftrat und, wie er sagte, auf Einge-bung der Mutter Gottes bekanntmachte, daß nun bald unter den Menschen gänz-liche Freiheit und Gleichheit hergestellt werden, Papst, Kaiser, Fürsten und Obrig-keiten nicht mehr bestehen, sondern das ganze Menschengeschlecht durch gemeinschaft-lichen Fleiß sein Brot, Einer wie der Andre, gewinnen, und Wälder, Weiden und Gewässer zu Jedermanns Nutzen und Vergnügen dienen würden. Durch der-gleichen verführerische Vorspiegelungen, denen man den Namen Predigten gab,machte er sich weit und breit bekannt, und aus Franken, Schwaben , Baiern undan dem Rheine herauf strömten ihm Zuhörer in solcher Menge herbei, daß einmalan 40,000 Menschen um ihn versammelt gewesen sein sollen. Er beschied dieseauf einen bestimmten Abend, und gebot ihnen, bewaffnet zu erscheinen, Weiberund Kinder aber zu Hause zu lassen: eine Verfügung, die über seine Absichten,einen Auffuhr zu erregen, keinen Zweifel übrig ließ. Zwar ließ der Bischof vonWürzburg , Rudolf, der diesen Vorfall erfuhr, den Schwärmer gesanglich einziehen;allein seine Zuhörer fanden sich zur bestimmten Zeit ein, und als sie seine Gefangen-schaft erfuhren, rückten 46,000 Mann vor das Schloß zu Würzburg . Vergebensließ sie der Bischof durch seinen Marschall zur Ruhe verweisen; dieser mußte, umnicht gesteinigt zu werden, sich schnell entfernen. Der Bischof ließ darauf Geschützgegen die Rebellen aufführen und sie nochmals aussotern, sich zu entfernen, wel-ches sie auch thaten. Bei chremAbzuge wurden die Rädelsführer*) ergriffen, ge«fänglich eingezogen und zugleich mit dem Freiheirsprediger Böhme zu Würz-burg hingerichtet. Auch in Lpeier traten 1502 ähnliche Aufrührer unter den
*) Diese Benennung soll ihren Ursprung dem Bauernkriege zu danken haben, in-dem die Bauer» in ihren Hahnen und Siegeln ein Pßugrad, als das Sinnbild ihresGewerbes, führten, und einander zugeschworcn halten, ungekrcnnk zu bleiben, wie dieSpeichen eines Rades.