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Erster Band. A bis Bl.
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704
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704 Bauersiand

Bauern gegen den Bischof und die Geistlichkeit arif. Indeß kamen die Unnihenerst 1525 zum völligen Ausbruch. Damals schickten die Bauern ihre in 12 Arti-keln abgefaßten Beschwerden schriftlich nach Würzburg und baten um schleunigeAbstellung derselben, indem sie sich in Ansehung der Rechtmäßigkeit ihrer Federungbesonders auf die Bibel gründeten. Vorzüglich wollten sie 1)ihrcPfarrherren selbstwählen; 2) der Zehend sollte nur zur Unterhaltung der Pfarrer eingesammelt; 3)Leibeigenschaft aufgehoben werden; 4) Jagd und Fischerei keine ausschließende Ge-rechtsame des Fürsten und Adels sein; 5) die Frohndienste billiger bestimmt wer-den und ein Lehnsherr von seinem Lehnsmann nicht willkürliche Dienste fodern u.s. w. Mit Unrecht ward der Prediger Zoh. Heuglin von Lindau beschuldigt, die12 Artikel aufgesetzt zu haben. Dieser Märtyrer der Reformation wurde ver-brannt. — Der Bischof versprach diese Federungen zu erfüllen; allein die Bauern,die ihm nur halb glaubten, ergriffen die Waffen, und selbst die Bürger, dre er zuHülfe rief, traten auf ihre Seite. Vergebens schrieb der Bischof einen Landtagaus, um die Unruhen zu stillen, vergebens ließ er einen Anführer hinrichten; dieBauern fingen nach Ostern 1525 an, mit Waffen gegen Würzburg zu ziehen, so-daß der Bischof sich genöthigt sah, nach Heidelberg zu flüchten. Nun durchzogendie Aufrührer ganz Franken; in den Klöstern, Rittergütern und an den Orten, woman ihnen Widerstand leistete, wurde Alles ausgeplündert, zerschlagen, gemiß-handelt, und die Orte selbst in Brand gesteckt. Auch die Stadt Würzburg ergab sichihnen; dieFestung Marienberg aber konnten sie nicht erobern, ungeachtet sie solchemit schwerem Geschütz beschossen.. Sie zogen darauf weiter und wurden von dengegen sie ausgesantten Truppen bei Königshöfen und bei Lulzdorf geschlagen.Beide Schlachten kosteten ihnen 9000 Mann, und weil man ihnen Schuld gab,daß sie geschworen hätten, keinen Gefangenen leben zu lassen, wurden ihre Gefan-genen niedergehauen. Würzburg mußte sich an die Sieger ergeben, und der Bi-schof kehrte am 8. Zuni 1525 dahin zurück. 189 Schlösser und Burgen nebst 26Klöstern waren in diesen Unruhen theils zerstört, theils verbrannt worden, und gegen12,000 Menschen hatten ihr Leben dabei verloren. Auch in Lothringen , amOberrhein und im Breisgau hatten die Bauern die Waffen ergriffen; in denbeiden ersten Ländern wurden sie in mehren Treffen geschlagen, und im Breis-gau legten sie bald von selbst die Waffen nieder. So war dieser Bauernkriegin Franken und Schwaben gestillt, nachdem er über 50,000 Bauern das Lebengekostet hatte, ohne daß sie ihren Zweck, Verminderung ihrer Lasten, erreichten,die vielmehr hier und da noch vermehrt wurden. Auf die Unruhen in Franken undSchwaben folgte der Bauernkrieg in Lachsen und Thüringen, den besonders Tho-mas Munzer veranlaßte. (S. d. und „Die Geschichte des Bauernkriegs", vonSartorius.)

Bauerstand, die zahlreichste und nützlichste Classe von Staatsbürgern,welche alle Diejenigen begreift, deren unmittelbare Beschäftigung in Landwirlh-schaft besteht, sofern sie nicht durch adelige Geburt, Amt oder besondere Rechtedavon ausgenommen sind. Taglöhner und Handwerker auf dem Lande gehören,jene zu deni Bauer-, diese zu dem Bürgerstande. Auch nach der Geschichte ist dasdeutsche Wort Bauer, sonst Bawr, Bar (Nach-Bar, d. i. naher Bauer, ein all-gemeiner Ausdruck, mit dem jeder freie Landmann, dem der Besitz und die Nutzungeines Grundstücks zustand, bezeichnet ward. Freie Bauern gab es in Deutschland vor und nach Karls des Gr. Eroberungen; durch diese und durcb die Unterjochungder Slawen, die indeß nicht sofort Leibeigene wurden, wucbs tu Zahl der Leibeig-nen außerordentlich. Eigentlich reichsunmittelbare Bauern gab es nicht. De ein-zelnen Bauern in den ehemaligen Reichsdörfern (z. B. die freien Leute auf der leuk-kircherHtide in Schwabe») waren Unterthanen der unmittelbaren Dorfgemeinde.S. Runde's „Deutsches Privairechr". (Vgl. Leibeigenschaft und Stande.)