Band 
Erster Band. A bis Bl.
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Baukunst

so läßt sich doch stink Zweckmäßigkeit auf zwei Eigenschaften zurückführen: aufFestigkeit und Bequemlichkeit. Die Festigkeit geht aufDauer und Sicherheit desGebäudes. Zur Erreichung dieses Zwecks hat der Baumeister aufeine feste Grund-lage des Baues, auf die Wahl guter Materialien, die verhältnismäßige Vertheillung und tüchtige Verbindung derselben, und endlich auf das Verhältniß zwischenKraft tind Last zu sehen. Die Bequemlichkeit geht auf den Gebrauch des Gebäudes.Ein Wohnhaus muß, außer den allgemeinen Ersoderniffen, daß es sich sicher, gesundund bequem bewohnen lasse, für die besondernZwecke des Besitzers, für sein häusl.Leben unk für sem Gewerbe eingerichtet sein, wodurch Lage, Größe, Gestalt und Ein-theilung des Gebäudes bestimmt werden. Festigkeit und Bequemlichkeit aber bezie-hen sich nur aufdie Nützlichkeit; erst wo zugleich dem Zwecke eines allgemeinen Wohl-gefallens Einfluß auf den Ban verstattet wird, hebt das Gebiet ästhetischer Zweck-mäßigkeit an. Wie kann nun Schönheit in einem Gebäude, als einem regelmäßigen,in verschiedene Raume geometrisch abgetheilten Körper, stattfinden? In dem geo-metrisch abgetheilten Plane liegt die Schönheit eines Gebäudes nicht, wohl aber indem architektonischen Aufriß; der Plan kann nur zweckmäßig, nie an sich schönsein, aber in dem wohl geordneten Plane ist eine Grundlage zur Schönbeit enthal-ten, wodurch ihm schöne Verhältnisse möglich werden. Die gefällige Zusammen-siimmunz der durch zweckmäßige Einrheilung entstehenden Verhältniise der Theilezu einander und zum Ganze» macht die an sich bloß regelmäßige Figur eines Gebäu-des der Schönheit fähig, denn die bloße Anschauung des Werks erregt Wohlge-fallen, ohne daß wir nöthig haben, an den Zweck desselben zu denken; und jenesgefallende Etwas könnte mangeln, obne daß die sonstige Zweckmäßigkeit des Ge-bäudes darunter litte, wiewol ein völlig unzweckmäßiges Gebäude nie scbön seinkönnte, da die architektonische Schönheit an den Zweck gebunden, durch ihn be-dingt und bestimmt ist; wie denn überhaupt jedes Kunsiurtkeil sich aus objectiveZweckmäßigkeit des Werks gründet, ohne daß darum Zweckmäßigkeit und Schön-heit einerlei wären. -Oben ist gesagt worden, die Schönheit der Baukunst liege inden richtigen, übereinstimmenden Verhältnissen. Dazu berechtigt uns der Grund,daß die Richtigkeit und Übereinstimmung der Verhältnisse gefällt. Allein, wasgefällt, ist darum noch nicht schön. Wir unterscheiden demnach und sagen: dasWohlgefallen an jenen Verhältnissen geht auf die Form, das Wohlgefallen amSchonen auf den diese Form beseelenden Geist. Forschen wir aber Dem gemäß nachdem Ausdruck ästhetischer Ideen in der Baukunst, wodurch allem sie in die Reiheder schonen Künste tritt, so ist nicht zu leugnen, daß sich manches Gegründete ge-gen sie sagen l-ßt. Zwar hat jede schöne Kunst ihren technischen und ihren ästheti-schen Theil, aber bei derMalerei, Bildhauerei, Musik, Poesie ist jener diesemuntergeordnet, er ist nur Mittel zum Zweck. Anders ist es mir der Baukunst,welche den Nutzen im Auge hat, und das ästhetische Wohlgefallen nur infoferndamit verbindet, als dieses mit dem Gebrauche verträglich ist. Der Begriff desGebrauchs ist so wesentlich mir ihren Werken verknüpft, daß sie selbst da, wo sieniest nützen, sondern nur zieren will, den Schein des Gebrauchs annehmen muß.Dbne ihn würde ihren Werken der Gehalt, die Bedeutung fehlen, sie würdenwillkürlich, leer und zwecklos erscheinen. Soll aber die Baukunst sich als schöneKunst erweisen, insofern sie ihre dem Zwecke des Gebrauchs gemäß erfundenenund nach mechanischen Gesetzen auSgefübrtcn Werke, zugleich mit Rücksicht aufWoblgefallen, durch den bloßen Anblick bildet: so har sie das Nützliche Mit demWohlgefälligen zu verbinden. Die Werke der Baukunst haben einen verschiedenenAusdruck und eigenthümlichen Charakter. Diesen Charakter enthält ein Gebäude,wenn seine Gestalt und Verhältnisse genau den Zweck ausdrucken, wozu es da ist.Durch c'ne dem Zwecke gemäße Ausführung entsteht er von selbst, kann aber auchgeflissentlich von dem Künstler, um der ästhetischen W.rkung willen, stärke' aus-