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Erster Band. A bis Bl.
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Baukunst (Geschichte der)

diese mich räumlich sind, hat sie unmittelbare Anschauung und Beschränkung aufeinen Augenblick gemein. Was sie gegen die Malerei an Linnenschem verliert, ge-winnt sie an Sinnenwahrheü, die sie mit der Plastik gemein hat; und geht ihr ge-gen diese Bestimmtheit ab, sb gewinnt sie dagegen wieder an Freiheit. Übrigenskann sie nach Art der Malerei Farben und Licht mitwirken lassen, und selbst bisauf einen gewissen Grad, entweder durch Hinzuziehung der Optik oder durch Er-wägung der Verhältnisse, mit Linnenwahrheit Sinuenschein zu desto größererWirkung verbinden. Im Ausdruck des Geistigen ist sie übrigens auch an die Zeitgebunden. Daher ihre Ähnlichkeit mit Poesie und Musik als Künsten der Zeit,wiewol jene mit ihren Mitteln nicht zu wirken vermag, was diese mir den ihrigenhervorbringen.

Was die Theorie der Baukunst betrifft, so sind für ihren wissenschaftlichenund technischen Theil eine Menge Regeln von den vorhandenen Werken abgezogenund in vielen trefflichen Lehrbüchern zusammengestellt worden. Der ästhetische Theilkann sich nicht eines gleiche» Vorzugs rühmen. Ohne die Idee dieser Kunst gefaßtzu haben, ging man nicht über das Vorhandene hinaus, und verfuhr auch dabeihöchst einseitig. Die großen Verschiedenheiten, die man in verschiedenen Zeitenund bei verschiedenen Völkern in der Baukunst wahrnahm, machte», daß manbeim Mangel an architektonischer Eigenthümlichkeit sich für die Baukunst frühererZeiten entschied. So in der neuesten Zeit ziemlich allgemein für die griechische Archi-tektur. Aber wenn wir dies inS Auge gefaßt und uns überzeugt haben, daß keineNation die Kunst allein und ganz besessen habe, daß die griechische Baukunst alsschöne im engern Sinne, die ägyptische in ihrer Düsterheit und Größe, die gothi-sche in ihrer Erhabenheit und Feierlichkeit, die maurische in ihrer phantastischenLeichtigkeit, die Französische in ihrer Zierlichkeit und Niedlichkeit u. s. w. zu schätzen,sei, und bei vorurtheilsfreierVergleichung aller dieser Bauarten unter einander, wer-den wir zu einer Theorie der ästhetischen Architektur gelangen und einen Schatz be-währter Regeln erhalte». In allen Fälle» aber wird sich folgende allgemeine Regelbewährt siutcu: Nie darfder Künstler seinen Zweck unter willkürlichen Formen undZicrralheu verbergen, noch weniger um der Zierlichkeit willen die Zweckmäßigkeitaufopfern. Der Zweck muß rein und bestimmt vor Augen liegen, und Alles bisauf die geringste Verzierung in Bezug aus denselben als nothwendig erscheinen.

Baukunst (Geschichte der). Die frühesten Wohnungen waren, nachMaßgabe der von der Natur dargebotenen Hülfsmittel und der Bedürfnisse ihrerErbauer, Hütten, Höhlen und Zelte. Als aber die Menschen aus dem ersten Zu-stande der Robheit heraustraten, sich gesellschaftlich vereinigten und den Boden,den sie bewohmen, zu bauen ansingen, dachten sie auch daraus, sich dauerhaftereund bequemere Wohnungen zu erbauen. Man bearbeitete das Holz sorgfältigerund verband die einzelnen Stämme mir einander, bereitete Ziegel aus Lehm undErde, die man anfangs nur au der Luft trocknete, nachher aber am Feuer brannte,glättete die m der Natur vorhandenen Lteinmassen und fügte sie, anfänglich ohneein Bindungsniiitcl, zusammen. Nachdem der Mensch Häuser zu bauen gelernthatte, errichtete er auch seinen Göttern, die früher mit ihm in Höhlen, Hüttenund Zelten gewohnt hatten, zur würdigern Verehrung, Tempel, größer und kost-barer als die Wohnungen der Menschen. So entstand die schöne Baukunst, welchesich zuerst an Gütterrempeln entwickelte, späterhin auf die Wohnungen der Fürsten lmd aufdie öffentlichen Gebäude überging und endlich, bei immer steigender Verfei-nerung und zunehmendem Wohlstände, allgemeines Bedürfniß der Gesellschaftward. So trat an dieLtclle der armseligen Rohr- und Lehmhütte der stolze Pa-last, der rohe Baumstamm wurde zur schlank emporstrebenden Säule, und das na-türliche Gewölbe einer Melker,höhle zum prächtige» Pantheon . Alles wurde mirSäulengäiigen, Hallen, Höfn und allerlei Aierrath ausgeschmückt. Wahrscheinlich