Baukunst (Geschichte der) 109
rühren die Grundformen der alten ägypt. und griech. Baukunst vom Steinbauher, wie Stieglitz behauptet, nicht vom Holzbau, wie Hirt in seiner „Gesch. derBaukunst der Alten" behauptet hat, da der älteste Bau der Indier vom Höhlenbauausging. Zu den ältesten uns bekannten Völkern, bei welchen die Baukunst einigeAusbildung erhielt, gehören die Babvlonier, deren berühmteste Gebäude der Tem-pel des BeluS, der Palast und die schwebenden Gärten derLemiramiS waren; dieAssyrier, deren Hauptstadt Ninive reich an prächtigen Gebäuden war; die Phöni-zier, deren Städte, Lidon, TyruS , Aradus und Sarephta, sich aus gleiche Weiseauszeichneten; die Israeliren, deren Tempel als ein Wunder der Baukunst geprie-sen wird (s. Hirt, „Der Tempel Salomonis", Berl. 1809); die Lyrer und Phi-lister. Doch von allen diesen Völkern ist kein architektonisches Denkmal auf unsgekommen. Don den Indiern dagegen sehen wir noch aus den Inseln Elephanta und Salsetta unterirdische, in Felsen gehauene Tempel; von den Persern die Rui-nen von Persepolis ; von den Ägyptern Obelisken, Pyramiden, Tempel, Pa-läste, Grabmäler; von den Etruskern einige Grabmäler und Überbleibsel vonStadtmauern. Der Charakter jener frühern Baukunst war unerschütterliche Fe-stigkeit, riesenhafte Größe, verschwenderische Pracht, welche Erstaunen und Be-wunderung, aber kein wahres Wohlgefallen erweckten. Die Griechen zuerst gin-gen von dem Rohen und Riesenhaften zu edler Einfalt und Erhabenheit über. Dieseerste Periode charakterisier die dorische Säulenordnung. Unter ihnen wetteifern,nachdem die Ruhe von Außen und Innen erkämpft war, die größten Meister, ei»Phidias, Iktinus, Hallst rares n. A., von PerikleS aufgemuntert und unterstützt.Es erhoben sich der schöne Minerventempel auf der Burg zuAthen, die Propyläen,das Odeum und andre Prachtgebäude. Gleicher Kunstsinn regte sich iinPelopon-nes und in Kleinasien . Hohe Einfalt verband sich 'mit majestätischer Größe undSchönheit in der Form. Man wandte die veredelte Kunst nicht blos; auf Tempel,sondern auch auf Theater, Odeen, Säulengänge, Marktplätze, Gymnasien a».Neben der dorischen Säule entstand noch die ionische und korinthische. Mit dempeloponnesischen Kriege war die Blüthe der Baukunst dahin. Edle Einfalt ging inZierlichkeit über. Diesen Charakter trägt die Kunst zu Alexanders Zeiten, der eineMenge neuer Städte anlegte. Immer aber herrschte neben der Zierlichkeit nochstrenge Regelmäßigkeit. Nach Alexanders Tode, 323 vor Chr., brachte das stets zu-nehmende Bestreben nach Schmuck und Putz die Kunst ihrem Falle immer näher.In Griechenland selbst ward sie wenig mehr getrieben, und in Asien unter den Le-leuciden, in Ägypten unter den Ptolemäern in einem unreinen Geschmacke ausge-übt. Die Rö in er hatten in der bürgerlichen Baukunst nichts den griechischen Mei-sterwerken Ähnliches auszuweisen, wiewol sie schon früher ihren Fleiß an andreGe-genstände der Baukunst, nämlich an Wasserleitungen und Cloaken, gewandt hatten.Das Capital und den Tempel des capitolinischen Jupiter hatten etruskische Bau-meister aufgeführt. Bald nach dem zweiten panischen Kriege, 200 vor Chr., aberwurden die Römer mit den Griechen bekannt. Sulla brachte zuerst die griechischeBaukunst nach Rom ; er, Marius undCäsar errichteten inRom und andern Städ-ten große Tempel. Aber erst unter August erhob sich die Kunst zu der Vollkommen-heit, deren sie zu dieser Zeit fähig war. Er gab den griechischen Künstlern, die ihrVaterland mir Rom vertauscht hatten, Aufmunterung und führte, zum Theil ausPolitik, viele prächtige Werke der Baukunst auf. Agrippa baute Tempel (das Pan-theon ), Wasserleitungen und Theater. Die Privatwohnungen wurden mit Läu-ten und Marmor verziert. Nicht minder prächtig erbaute man die Landhäuser, derendie reichen Römer oft mehre besaßen. Das Innere ward mit Kunstwerken, in Grie-chenland erbeutet, ausgeschmückt. Die Wände überzog man mit dünnen Marmor-platten oder malte sie aus und theilte sie in Felder, in deren Mitte Gegenständeaus der Mythologie oder Geschichte vorgestellt, und die ringsum mir den zierlichsten