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Baukunst (Geschichte der)
man in keiner alten gothischen Kirche findet. Die gothischen Säulen stehen oftinGnippen beisammen und sind ineinande, gewachsen, worüber entweder ein sehrniedriges Gebälk angebracht ist, auf welchem sich Bogen erheben, oder die Bogenstehen unmittelbar auf den Capitalen der Säulen. Die arabischen und maurischenSäulen stehe» einzeln, und wenn ja einige neben einander angebracht sind, um einensehr schwerenTheil desGebäudeS zu tragen, so berühren sie sich doch nie einander;die Bogen aber werden von einem starken und dicken Unterbogen unterstützt. Trifftes sich in einem arabischen Gebäude, daß 4 Säulen neben einander vereinigt sind,so geschieht dies durch eine kleine viereckige Mauer unten zwischen den Säulen.Die gothischen Kirchen sind außerordentlich leicht gebaut und haben große Fenster,oft mit bunten Scheiben. In den arabischen Moscheen ist meistentheils dieDeckeniedrig, ihre Fenster sind von geringer Höhe und oft noch mit vieler Bildhauerarbeitbedeckt, sodaß man dasLicht weniger durch sie als durch die Kuppeln und geöffne-ten Thüren erhält. Die Thore der gothischen Kirchen gehen tief hinein und sindan den Anschlag- oderSeitenmauern mitStatuen, Säulen, Nischen und andernZierrathen geschmückt; die Thore der Moscheen aber und andrer arabischen, sowieauch der maurischen Gebäude sink flach und auf die Art, wie man die Thore jetztbaut. Überdies bemerkt Swinburne, daß er unter den verschiedenen arabischen Ca-pitalen, die er gesehen, kein» gefunden, das in Absicht der Zeichnung und Anord-nung denen gleiche, die man in den gothischen Kirchen in England und Frankreich antrifft. Die maurische Baukunst erscheint in ihrer ganzen Herrlichkeit an demalten Palaste der mohammedanischen Monarchen zu Granada , welcher das rotheHaus heißt und eher einem Zauberpalaste als einem Werke von Menschenhändengleicht. Der Charakter der arabischen Baukunst warLeichtigkeit und Pracht. ReicheVerzierungen und Leichtigkeit in den einzelnen Theilen machen sie dem Auge gefällig.Die neugothikche Baukunst, welche dadurch entstand, daß die griechischen Bau-meister aus der byzantinischen Kunstschule das Plumpe und Schwerfällige der alt-gothischen durch den Anschein der Leichtigkeit zu verdecken suchten, erregt die Ein-bildungskraft durch ihre reich geschmückten Gewölbe, ihre großen Perspectiven undihr heiliges, durch gemalte Fenster hervorgebrachtes Dunkel. Sie behielt von deraltgothischen Bauart die hohen, kühnen Gewölbe, die festen und starken Mauernbei, verkleidete sie aber durch mancherlei Schnörkel, Blumen, Nischen, durchbro-chene Thürmchen, sodaß sie leicht und schwach zu sein scheinen. Man ging in derFolge noch weiter, durchbrach die hohen, ungeheuern Thürme, daß die Treppenin der Luft zu schweben schienen, gab den Fenstern eine außerordentliche Größe undzierte das Gebäude selbst mit Bildsäulen. Dieser Styl, in dem sehr viele Kirchen,Klöster und Abteien erbaut wurden, bildete sich in Spanien und verbreitete sich vonda über Frankreich, England und Deutschland.— Die Deutschen waren bis aufKarl d. Gr. mit der Baukunst unbekannt geblieben. Karl brachte die Kunst ausItalien nach Deutschland , und dies war die damals übliche neugriechische Bauart.Nachher hatte die arabische Kunst Einfluß auf die Kunst der Abendländer; auchzeigte bereits die deutsche Kunst ihre Eigenthümlichkeit in den Spitzbogen und Stre-bepfeilern u. dcl. Dies wurde mit der neugriechischen Baukunst vereinigt, der niandamals noch im Ganzen treu blieb, und hieraus entstand eine gemischte Bauart,die bis in die Mitte des 13. Jahrh, sich erhielt. Nun erwachte die neugothische oderdeutsche Bauart, die wir auch die romantische, weil sie sich durch den roman-tischen Geist des Mittelalters ausbildete, nennen können, die in Deutschland ge-bildet, in denThürmen des Münsters zu Strasburg (s.Münster ). in dem Domzu Köln, der Stephanskirche zu Wien, dem Dom zu Erfurt , der Sk.-SebalduS-kirche zu Nürnberg, der Elisabethkirche in Marburg ihre Vollendung erhielt undsich von da nach Frankreich, England, Spanien und Italien verbreitete. Auch diedeutsche Baukunst zeigt einen klimatischen und religiösen Charakter, der vorzüglich