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Baukunst (Geschichte der)
in den teutschen Kirchen sichtbar wird. Hoch streben die schlanken Säulenbüschekaus immer mehre sich fest an einander schmisgend, gleich den Stämmen des Hains,in dessen Umschattungen der alte Teutone seinen Altar baute. Im Helldunkel desDoms muß das Gemüth sich sammeln aus der Zerstreuung des Irdischen, sich, wieder Dom, zu dem Unendlichen erheben und durch Gebet und Entsagung die Weihezum Hökern Leben empfangen. Darum sind auch die Verzierungen an den altenchristlichen Kirchen nichts weniger als ein zufälliger Schmuck. Es ist eine religiöseBildersorache und ein Heiligthum; wo die Monstranz steht, ist sinnbildlich derganze Tempel im Kleinen wiederholt. In diesen Gebäuden wird Jeder tiefe Zweck-mäßigkeit des Plans, kühne, wohlverstandene Anordnungen, unermeßlichen red-lichen Fleiß, großen Eindruck der kühnen Massen von Außen, hohen Ernst im In-nern, der den Hineimretenden zu frommen Gefühlen erweckt, bewundern und eh-ren müssen. Demnach müssen wir der deutschen Baukunst mehr svmbolische alshieroglrphifche Beredtsamkeit und Würde, die sich nicht selten ins Seltsame verliert,als selbständige Schönheit beilegen. (S. Eostenoble, „Über altdeutsche Architekturund deren Ursprung", Halle 1812; Rumohr „Fragmente einer Geschichte der Bau-kunst" inSchlegel'S „DeutschemMuseum", 1813, Märzh., u. s. f.) In Italien machte man sich erst allmälig von dem neugriech. Geschmacke los. Im 11. Jahrh,bauten noch griechische Baumeister die Kathedrale zu Pisa und die Marcuskirche inVenedig. Im 12. st,ahrh. aber wird ein deutscher Baumeister in Italien , NamensWilhelm, und im 13. Jacob, mit dem Beinamen Capo (starb 1262), nebst seinemSchüler oder Lohn Arnolf angeführt, welche in Florenz Kirchen und Klöster bau-ten. Von den Kirchen und Abteien ging die neugothische Bauart auch aufSchlös-ser, Paläste, Brücken und Stadtthore über. In Mailand wurden 16 Stadt-thore von Marmor und viele neue Paläste, in Padua 7 Brücken und 3 neue Pa-läste, in Genua znoei verschlossene Häfen und eine prächtige Wasserleitung, unddie Stadt Asti 1280 fast von Grund auf neu erbaut. Immer mehr erhob sich dieBaukunst in Italien, besonders im 11. Jahrh. Galeazzo Visconti cndigte die großeBrücke zu Pavia und erbaute einen Palast, der seines Gleichen noch nicht hatte.Um dieselbe Zeit ward der bewunderte Dom zu Mailand aufgeführt. Die Mark-grafen von Este bauten zu Ferrara , und Albert den prächtigen Palast zu Belsiore;in Bononien sing man die große Kirche des heil. Petroniuö und in Florenz den be-rühmten Thurm der Domkirche an. Am vortheilhaftesten zeichnete sich das 15.Jahrh, aus, in welchem sich wieder das Studium der antiken Architektur erhob.Die Herzoge v. Ferrara , Borso und Hercules v. Este ermunterten die Baumeisterzum thätigsten Eifer. Herzog Franz verschönerte Mailand mit dem herzogl. Palast,dem Castel Porta di Giova, dem Hospital und andern Gebäuden; Lulwig Sforzaerrichtete das Universitätsgebäude zu Pavia und das Lazareth zu Mciland. DiePäpste verzierten Rom , und Loren; von Medici Florenz mit herrlichen Gebäuden.Man kehrte zu den Denkmälern des Alterthums zurück und studirte cn ihnen dieschönen Formen und richtigen Verhältnisse. Die berühmtesten Baumeister dieserZeit waren Filippo Brunellefchi, der zu Florenz die Kuppel des Doms, die KircheS.-Spirito und den Palast Pitti, außerdem viele Gebäude zu Manand, Pifa,Pesaro und Mantua errichtete; Battista Alberti , der zugleich über d'e Baukunstschrieb; Michelozzi, Bramante , der den Bau der Peterskirche begann; MichelAngelo Duonarotti, der nach ihm die stolze Kuppel derselben aufführte, und Gio-condo, der Vieles in Frankreich baute und später nebst Rafael ebenfails dem Bauder Peterskirche vorstand. Diesen Männern, welche die Bahn gebrochen harten,folgten Andre, die in ihrem Geiste weiter strebten, ein Palladio, Scamozzi, Serlio ,Barozzio, u. d. Namen Vignola bekannt. Sie sind die Begründer des noch jetzt inder Baukunst herrschenden Geschmacks. Daß sie indeß ihre Kunst an Werken desAlterthums studirten, die sich schon weit von ihrer ersten Reinheit und erhabenen