Baumwollengarne Baumwollenzenche 717
entweder Baum oder Staude, oder auch wol Kraut, je nachdem die Beschaffenheitdes Bodens und Klimas verschieden ist. Die gemeine oder krautartige Baum-wollenpflanze ist ein Sommergewachs, hat eine faserige Wurzel, einen aufrecht-stehenden, 2 — 8 Fuß hohen, etwas rauhen, krautartigen Stengel, der unter-wärts braun, oben aber mit schwärzlichen Punkten gezeichnet ist. Das Samen-behältniß hat bei dieser Gattung gemeiniglich nur 3 Fächer und ebenso viele Klap-pen. Wenn es sich öffnet, quillt gleichsam ein Knaul verwickelter weißer Wollehervor, womit die Samenkörner festgebunden sind. In Arabien und Persien wächst diese Pflanze wild. Sie wird im Orient, auf Malta , Sicilien, in Apu-lien, Griechenland, Ungarn und Spanien in Menge gebaut. Zur Zeit, wo dieSamenkapseln sich öffnen, wird jeden Morgen die Baumwolle gesammelt. Dem-nächst ist die wichtigste Arbeit das Absondern der anhängenden Samenkörner, wel-ches mittelst einer aus 2 nbereinanderliegenden Cylindern bestehenden Maschinegeschieht. Dann wird die Wolle, nachdem sie gereinigt und gut getrocknet worden,in grobe Haardecken gepackt und versandt. Die Baumwolle, welche in Natolienund den benachbarten Ländern gewonnen wird, kommt meistentheils über Smyrnanach Europa , die syrische über Äkre und Said. Die in Macedonien gebaute stehtder orientalischen nach; sie kommt theils über Salonichi zu Wasser, theils überSemlin zu Lande. Persien gewinnt besonders in Masandei an von der krautartigenStaude viel Baumwolle, die jedoch außer Rußland wenig in Europa gebrauchtwird. Bon noch geringerer Güte ist die in Italien und Spanien gewonnene. Diebäum - oder staudenartige Baumwollenpflanze hat einen strauchartigen, mehreJahre dauernden Stamm und wächst in Ostindien auf dürrem Boden wild.In Ägvpten, der Levante, auf Eypern, den westindischen Inseln und in Amerika wird sie angebaut. Ihre Cultur ist fast die nämliche wie bei der vorigen; ebensodie Gewinnung und Bebandlung der Baumwolle. Unser Klima ist für dieBaum-wollenpfianze zu kalt. Selbst im Sommer muß sie bei uns im Glashause gehaltenwerden, außerdem bringt sie nur selten reife Früchte. Die beste und feinste Artwird in eLiam und Bengalen, und zwar meist von der baumartigen Gattung ge-wonnen. Sie kommt wenig oder gar nicht nach Europa , sondern wird in Chmaund Ostindien zu den feinsten Zeuchen verarbeitet. Unter den übrigen Sorten istdie syrische und cyprische die beste; schlechter ist die smyrnische und die in Nord-afrika gewonnene. Die westindische soll der ostindischen am nächsten kommen.
B a u m w o l l e n g a r n e, s. Twist.
Baumwoll e n sp innmaschine n, s. Spinnmaschinen.
B a u m w o l l e n ; e u ch e. Zu der großen Verbreitung der mannigfaltigenZeucheauS dieser vegetabilischen Wolle in Europa trug theils die Wohlfeilheit der-selben (5 — 9 Groschen das Pfund), theils die Erfindung der Spinnmaschinen bei,wodurch die Bearbeitung der Baumwolle ebenso wohlfeil wurde, als sie die Launendes Geschmacks, durch Anwendung zu jeder Form des Baumwollengewebes, befrie-digen konnte. Dies har den Verbrauch der Wolle und des Flachses, selbst in nörd-lichen Gegenden, etwas vermindert. Indeß kann Sudamerika das deutsche Lin-nen, von Flachs bereiter, nicht entbehren und ebenso wenig die leichten deutschen Wollenwaaren, die zugleich ihre Wohlfeilheit empfiehlt; aber es ist zu bedauern,daß England bereits durch Handelskracrate sich Begünstigungen in seinen Zufuhrenan Fabricaten aus Flachs, Baumwolle und Wolle verschafft hat.— In Nichts hatsich die englische und französische Mechanik und Industrie bisher mehr veiwollkomm-net als in der Anwendung der Spinnmaschinen und der Vorbereitung der Baum-wolle für die Lpindeln zum feinsten und dünnsten Fließ durch die Vermehrung dernatürlichen Spiralkrast der Baumwollenfäden zur elastischen Weiche des Einschlags.Gescheitert sind aber bisher alle chemische und mechanische Versuche, die Baumwolleauch nur im kleinsten Zusah zur feinen Papier manufaerur zu benutzen. Als vor