736 Becker (Balthasar) Becker (Wilhelm Gottlieb)
Im Stehen ruht es aufdem dicksten Theile des Hüftbeins, im Sitzen auf demSitzknorren. Das ganze Decken ist auf den Schenkeln beweglich, dahee steigt das >Hüftbein beim Gehen in die Höhe, und zwar allemal auf der Seite, mit welcher >man sich auf die Schenkel stützt; es sinkt hingegen zugleich mit dem Rumpfe auf ,der Seite, auf welcher der Fuß aufgehoben und fortgesetzt wird. Die Wände der 'Bcckenhöhle sind eben, glatt und mit Fleisch bedeckt. Eine fast in der Mitte des ^Beckens hervorragende Qucrlinie theilt dasselbe in 2 Theile, wovon das eine dasobere oder große, das andre das untere oder kleine genannt wird. In wohlgebauten ^Personen von mittcler Größe beträgt der Durchmesser des großen Beckens oder die jEntfernung der einen Spitze des Hüftknochens von der andern beim männlichen !Geschlecht 9 , beim weiblichen 11 Zoll. Daß das Becken bei den Menschen we- fgen ihres gerade aufgerichteten Körpers eine andre Richtung haben müsse als bei ^Thieren, läßt sich von selbst schließen. In dem Becken liegen ein Theil der dün-,nen Gedärme, der Mastdarm, die Urinblase, die innern Zeugungswerkzeuge, die;großen Nerven-.und Blutgefäße der untern Glietmaßen und viele Saugadern mit^lihren Drusen. ^
Becker oder Bekker (Balthasar), ein aufgeklärter Theolog, geb. den -20. März 1634 zu Metselawier in Westfriesland, wo sein Vater Prediger war,lstudirte in Groningen und Franecker, ward dann Prediger in Osterlittens und ischrieb einige kleine Schriften, zog sich aber durch die darin geäußerten Meinun-gen über einige Glaubenslehren Verfolgungen zu. Man beschuldigte ihn des lSoeinianismuS und CartesianiSmuS. Er verließ daher seinen Wshnort, wardlPfarrer in Loen und Weesp, dann Feldprediger. 1676 ließ er sich in Amsterdamsnieder und erweckte bald durch neue Schriften den Haß seiner Amtsbrüder; denn 1er schrieb eine Untersuchung über die Kometen, in der er bewies, daß sie weder !.Vorbedeutungen noch Vorläufer von Unglücksfällen wären, und ein Buch:^„11a I>e>o'o,üe >VcercI<I" („Die bezauberte Welt") (Amsterdam 1691 — 93; ideutsch , Lpz. 1781 — 82, 3 Bde.), in dem er die abergläubischen Meinungen !über die Macht böser Geister, ihren Einstußaufdie Menschen, überHepen u. a. in.'angreift. Diese Schrift setzte alle Federn in Bewegung. Er trug selbst darauf an, ^daß man sie vor der -Lynode untersuchen möchte, und schrieb eine Rechtfertigungderselben; aber die Läpnode verwarf die Meinungen dieses Werks und entsetzte ihnseines Predigtamts. Er starb 1698.
Becker (Wilhelm Gottlieb), geb. den 4. Nov. 1763 zu Oberkallenbergim Schenburgischen, gest. den 3. Juni 1815 zu Dresden als k. sächs. Hofrathund Anrikeninsxector, hat sich als angenehmer Erzähler und Kunstkenner bekannt-gemacht. Er stutirre von 1773 — 76 in Leipzig . Seine „Briefe an Elise"und die „Episteln an Gärtner" wurden gern gelesen. Früchte seiner Kunsistudienwaren eine Schrift vom Eostum an Denkmälern und die Übersetzung von Bardon'SSchrift über das Eostum. 1776 ging B. als Lehrer an dem Philanthropin nachDessau, und im nächsten Jahre »ach Basel . Hier, in Mechcln'S Umgang, bil-dete sich sein Geschmack an Kupferstichen und seine Kenntniß alter Meister. Erbereiste dann die Schweiz, einen Theil von Frankreich und Oberitalien . Die aufdieser Reise gemachte Bekanntschaft Girardin's veranlaßte ihn, dessen Schriftüber die Verschönerung ländlicher Wohnungen zu übersetzen. Auch bekam er vondiesem das Bruchstuck aus Rousseau'S noch gehen» gehaltenen Bekenntnissen überden Banddiebstahl, durch dessen Mittheilung er Wieland so heftig erzürnte, daßer sieb in einem eignen Schreiben deßhalb rechtfertigen mußte. Des großenMeisters Hans Holbein Malereien und sawrische Einfälle hatten B. in Basel vielfach beschäftigt. Eine Folge davon war eine neue Ausg. von Erasmus's „Lobder Narrbeir", sowol im Original als in einer Übersetzung, mir den Holbe-in'schenFederzeichnungen dazu, aufs neue in Kupfer gest. B. erhielt 1782 die stelle eines