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Becker (Christian Gottfried)
Magdeburg gebracht ward, wo er eine ziemlich lange Muße zur gänzlichen Um»arbeimng seines „Noih-und Hülfsbüchleins" verwandte; erst im Mai 1813ward er, auf Verwendung des Herzogs von Gotha bei Napoleon , seiner Familiewiedergegeben. Jene Umarbeitung des „Noth- und Hülfsbüchleins" und der„Mildheimischen Liederbuchs" ist seitdem erschienen. Er starb 1822. Die vonihm gegründete Buchhandlung gab 1825 eine neu Verb. OriginalauSg. des „Noth-und Hülfsbüchleins" heraus.
Becker (Christian Gottfried), ein selbst erfindender oder doch das vomAuslande Eingebrachte nach eigner Ansicht gestaltender Fabrieant, Menschen-freund lind Wohlthäter seiner Mitbürger, geb. im oberlausitzer Dorfe Dberlich-reuau ain 2. Sept. 1772, erhielt von seinem Vater, der dort Prediger war, denersten Unterricht. Mit seinen Ältern in das gewcrbfleißige Städtchen Mitweida verpflanzt, bekam er Lust zu Fabrik-und Handelsgeschäften, erlernte die Kauf-mannschaft in Dresden und wurde HandluugSdiener in Chemnitz um 1792. Dorterblichere eben durch Einführung der englischen Handspinn-und Krempelmaschi-nen ein regerer Kunstfieiß. Mit «Lchraps vereint, gründete er sein eignes Ge-schäft 1797, zunächst für die damals noch sehr betriebene Fabrication halbseide-ner bunter Schweizerwaaren, worin B. bald mit den Elberfeldern und Schwei-zern wetteiferte. Da der das südwestliche Deutschland hart bedrückende fran-zösische Krieg dem nördlichen Deutschland für Gewerbe und Fabrik damals nochsehr günstig war, so entstand in Chemnitz der lebendigste Wetteifer für neueGewerbzweige. Niemand verstand den Zeitgeist und Das, was im Kunstfieiß da-durch begünstigt wurde, besser als D. >Leit 1802 wandte sich sein Unter-nehmungsgeist ganz auf die Verschönerung und Vervielfältigung des Zitz-undCatrundrucks. Wetteifer mit der schweizer und schottischen Druckfabricatiou,feinere Waaren, Merinodruck, machten B.'s Firma bald zu einer der besuch-testen in der leipziger Messe. Die Continentalsperre vermehrte den Absatz seinerWaaren indem Norden so sehr, daß er nun die größten Fabrikgebäude begründenund der Vater eines eignen, zuletzt aus einigen tausend Köpfen bestehenden klei- >neu Fabrikstaatö werten konnte, dessen Kinder er durch besonders besoldete Schul-meister in eignen Schulstuben unterrichten ließ. Dabei gab er ihnen eigneSpielplätze. So wurde eine ganz im Geiste großer englischer und schottischerFabrikherren geordnete Familie im weitesten Sinne gestiftet, die er in Zeiten derTheurung nährte, durch Musik veredelte, durch mancherlei Auszeichnung ermun-terte und durch Erweisung eines sich selbst ehrenden Genieingeistes in den Bessei-gcfinnten über sich selbst erhob. Chemnitz , sowie die Umgegend, getraun eben-falls dadurch bedeutend an Wohlstand. Das erste Druckgebäude entstand 1801,mehre andre ansehnlichere folgten. Um ganz ungestört seine Plane ausführenund die selbst nicht ohne Eigensinn und mir oft leidenschaftlich ausbrechender Hef-tigkeit so und nicht anders beliebten Wege der Wohlthätigkeit obne alle Familien-einsprüche verfolgen zu können, hatte B. nie geheirathet. Aber die Armuthund das im Mangel darbende Talent war Tag und Nacht seinem Geiste nahe.Er konnte hart, scharf sein gegen die ihn zur Unzeit Andrängenden; erkranktedurch Mißtrauen vielleicht auch wol zuweilen Den, der es nicht verdiente. Aberwelcher Hülfsbedürftigkeit er ein Mal sein Herz öffnete, der war reichlich und raschgeholfen. Die in seiner Fabrik angestellten Kinder ermunterte, die vom Altergebeugten oder von Krankheiten gelähmten Arbeiter unterstützte er auf die kräf-tigste Weise. Zwanzig erhielten seit dem Theurungsjahre 1817 täglich Speisungaus seiner Küche. >LechS älternlosen Waisen, die er nach den Kriegs-und Seu-chenverheerungen Sachsens 1814 selbst aus Naumburg abholte, wurde er imeigentlichsten Sinne Vater. Sie gingen in dem endlosen Trauerzuge, als am20. Oei. 1820 seine Hülle zur Erde bestattet wurde, zunächst vor seinem Sarge.