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Begeisterung
gen und Abneigungen unter sich begreift. Kant bestimmt es als „das Vermögeneines Wesens, durch seine Vorstellungen Ursache von der Wirklichkeit der Gegen-stände dieser Vorstellung zu sein". Dies ist aber kein wesentlicher Theil des Be-griffs von diesem Vermögen, weil wir oft Etwas begehren, was wir nicht erlangennoch verwirklichen können. Dadurch ist auch Begehren vom Handeln unterschieden.Es gibt ein vernünftiges und ein sinnliches Begehren. Jenes ist auf das Ange-nehme und Unangenehme, Nützliche und Schädliche, dieses aus das sittlich Gutegerichtet und wird Wille im engern Sinn genannt. Statt des Ausdrucks: Be-gehrungsvcrmögen, der mehr das Unwillkürliche bezeichnet, bedient man sich lie-ber des Ausdrucks: Bestrebnngsvermögen.
Begeisterung (Enthusiasmus), der Zustand ungewöhnlicher Regsam-keit des Geistes, namentlich der Einbildungskraft und des Gefühls, in welchemgleichsam ein höherer Geist über den Menschen kommt und in ihm wirkt, unter-scheidet sich von der zügellosen und verworrenen Schwärmerei durch die festere Rich-tung der Geisteskräfte auf einen bestimmten Gegenstand, welcher die iLeele so er-füllt, daß der Geist desselben, oder etwas Ideales an demselben, lebendig, aber mitklarem Bewußtsein, aufgefaßt wird und das bewegte Gefühl sich mitzutheilen an-treibt; von dem Affecl dadurch, daß dieser eine die Besonnenheit raubende Übcr-wallung des Gefühls, von dem Entzücken aber dadurch, daß dieses eine stillere,sprachlose, jedoch tiefe und durch verklärtere Gebärde sich ankündigende Begeiste-rung ist. Der Zustand der Begeisterung aber kann unmittelbar durch einen äußernGegenstand oder durch Ideen und Bilder, welche die Seele erfüllen, bewirkt sein.Auch ist die Begeisterung verschieden, je nachdem sie in einem mehr empfänglichenals selbstthätigen Geiste das bewegte Gefühl nur zur unmittelbaren Mittheilung sei-ner Regungen treibt, oder das der selbstthätigern und eigenthümlichen Mittheilungfähige Gemüth zu einem in seiner Art vollendeten Ausdrucke des Innern, das ist zurHervorbringung einer den idealen Gegenstand selbst darstellenden oder seiner Wir-kung nach aussprechenden vollkommenen Form anregt. Letztere ist die Begeisterungdes Künstlers, die man auch vorzugsweise Begeisterung nennt; und sein Werk, indieser Begeisterung empfangen, ist somit zugleich der Ausdruck dieses innern vollen-deten Zustandes. Hieraus läßt sich auch erkennen, wie die Begeisterung des Künst-lers, oder, weil das Vollendete in der Kunst nur durch den Genius hervorgebrachtwird, des Genies beschaffen sein müsse und sich äußere. Das Kunstwerk ist ein ab-geschlossenes, selbständiges, harmonisches Werk, welches in seiner anschaulichen,vollendeten Form eine Idee auf eigenthümliche Weise offenbart. Diese Selbstän-digkeit und Eigenthümlichkeit wird nicht durch Bewußtsein der Regeln, nach welchendie Kunst wirkt, hervorgebracht, sondern setzt eine natürliche, durch Übung zur Fer-tigkeit erhobene Geistesfähigkeit voraus, einen bestimmten Stoff zufolge einer lei-tenden Idee, welche man demselben einprägt, gleichsam zu beleben, welche Fähig-keit, in Hinsicht der äußern Bedingungen der Darstellung, mit spielender Leichtig-keit und, wie eine höhere Nakurgabe, den Kunsttrieben der Thiere ähnlich wirkt.Diese Leichtigkeit wird auch durch das völlige Hingeben des Gemüths an den ge-wählten oder gefundenen Gegenstand befördert, vermöge dessen der hervorbringendeKünstler seine äußern zufälligen Umgebungen ganz vergißt und einzig in seinemWerke, wie in einer andern Welt, verweilt. Das Wunderbare dieses Zustandesist daher das in dem Wesen des Genius begründete natürliche und nur augenblick-lich aufgehobene Gleichgewicht einer bewußtlosen Kraft, welche gleichsam instinkt-mäßig bildet und gestaltet, und des Bewußtseins, welches die Idee beim Bildenvorhält. Letztere zeigt sich an dem Kunstwerke durch seine Anordnung und zweck-mäßige Einrichtung, in Beziehung auf den ihm zum Grunde liegenden Gedanken,sowie im Gegensatze der Verworrenheit und Zügellosigkeit, welche im Traume undin einem schlechten Werke herrscht; erstere in der Unendlichkeit harmonischer Bezic-