Berengar Bcrenhorst 791
in die geistl iche und weltliche. Die erstere dient unmittelbar religiösen Zwecken undhat sich end im Christenthum entwickelt. Die weltliche Beredtsamkeir ist diejenige,deren Gegenstände aus dem Kreise des Privat- und öffentlichen Lebens genommensind. Das öffentliche Leben betrifft Kunst und Wissenschaft oder den Staat undseine Verhältnisse. Im letzten: Fall ist von politischer Beredisamkeit im weirernSinn die Rede, die nun wieder in gerichtliche und außergerichilicbe getheilt werdenkann. Letztere bezieht sich auf die Gerechtigkeitspflege und dient ihrem Wesen nachdazu, das streitige Recht auszumittel». Sie setzt vornehmlich Öffentlichkeit derGerichtSpfllege voraus. Die außergerichtliche S taatSbercdtsamkeit kann sich ausalle Zwecke der Staatsverwaltung nach Innen und Außen beziehen. Aufdic politi-sche Bered: jumkeit nach diesen beiden Gattungen bezog sich vorzüglich die Rheto-rik s. d.) der Alten und ihre Eintheilungen der Reden, sowie die Bestimmung derTheile derselben. Sie blühte vornehmlich in den Freistaaten des AltenhumS, inwelchen alle wichtige Verhältnisse im Staate öffentlich verhandelt wurden. DerKreis der politischen Beredisamkeit in den neuern Staaten ist beschränkter, und wasin England und Frankreich , vorzüglich bei den ParlamentSverbandlungen, geleistetworden ist, reicht doch nicht an Das, was die größten Muster des classischen Al-terthums in diesem Gebiete geleistet haben. Die repräsentativen Versassungenniehrer deutschen Staate» haben auch der politischen Dercdtsamkeit in Deutschland einen Wirkungskreis eröffnet, obgleich das Geleistete noch nicht bedeutend genanntwerden kann. >S. StaatSberedtsamkcir.) V.
Berengar von Tours , Lehrer der Philosoph. Schule daselbst und 1040Archidiakonus zu Angers , ist sowol durch seinen Philosoph. Scharfsinn unter denScholastikern, als durch die Freimüthigkeit, mit der er sich seit 1050 gegen die Lehrevon der Brotverwandlung imAbentmahle erklärte, und seine dadurch veranlaßtenLeiden berühmt. Mehre Male zum Widerruf gezwungen, und immer wieder zu derAnsicht, das Brot im Abendmahle sei ein Zeichen und Unterpfand des Leibes Christi,worin er mit dem Schotten Ioh. Erigena (ScotuS genannt) übel einstimmte, zurück-gekehrt, rechneten ihn die Orthodoxen unter die schlimmsten Ketzer, und wenn auchGregor VII . ihn glimpflich behandelte, waren doch die Scholastiker von der Paneldes großen Anselm Lanfrank von Canterburv so sehr gegen ihn aufgebracht, daß ersich 1080 aus die Insel S t.-CoSmaS bei Tours zurückzog, wo er sein Leben unterfrommen Übungen in einem hohen Alter beschloß <1088). Über die von den Bene-dictinern sehr entstellte Geschichte seines Streites haben Lcssing in seinem „Beren-gar" (1770) und Stäutlin, der auch seine Schrift gegen Lanfrank herausgegebenhat, neues Licht verbreitet. Dieser Berengar darf nicht mirPete r Berengar vonPoitierS verwechselt werden, der eine geistreiche Apologie s. Lehrers Abälard schrieb. U.
Berenhor st (Georg Heim. v.) stellte zuerst in seinen „Betrachtungen überdie Kriegskunst, ihre Fortschritte, ihre Widersprüche und ihre Zuverlässigkeit" (Lpz.1781 — 99; 3. Aufl. 1827 mir des VfS. spätern kleinen Schriften) neue Grund-sätze systematisch auf, und suchte dadurch veraltete Dorurcheile und Irrthümer zuverdrängen. Er ist als Vorläufer Bülow's anzusehen. S ein Werk mag jedoch vonjungen MilitairS mit Vorsicht gelesen werden, weil es die Sucht zu vernünfteln daleicht zu nähren geeignet ist, wo Erfahrung und Reise des Blicks noch zur Erkenntnißdes Wahren mangeln. Auch ist Vieles jetzt nicht mehr wichtig. B„ geb. 1733 zuSandersleben im Dessauischen, ein natürlicher Lohn des berühmten FürstenLeopold v. Anhalt-Dessau, trat 1748 als Lieutenant bei dem Infanterieregimentvon Anhalt in preußische Dienste. 1757 ward er Brigademajor im Generalstabedes Prinzen Heinrich von Preußen und 1760 Adjutant Friedrichs I I. Nach demsiebenjährigen Kriege lebte er am Hofe des Fürsten v. Anhalt-Dessau , ging initdiesem, und späterhin mit dem Prinzen Hans Gorge auf Reisen nach Frankreich ,Italien und England, bekleidete ansehnliche Ämter am Hofe zu Dessau , erhielt den