193
Berg (Herzogthuiir)
von Oltdinot nach Bonssow zurückgeworfen, die daselbst befindliche Drücke von jeneraber noch abgebrannt worden war, wurden am 26.Nov. früh, etwa 2 Meilen ober-halb Doriffow, bei Scmbin 2 Brücken geschlagen, was um so schwieriger war, alsan beide User des Flusses breite Moräste grenzen, die, wie der Fluß, nur mit einerunhaltbaren Eisdecke belegt, andre Übergangspunkte aber schon von den Russen be-droht waren. Kaum hakten einige CorpS den Übergang vollendet, so stürzte sich derbei weiten, stärkere Theil des halb verzweifelten Heeres, der „»bewaffnet und ohneHaltung steh hier zusammendrängte, aufdieRettungsbrücken. Schon seit längererZeit war die Kriegszucht aus dem Heere verschwunden. Mit jeder Minute nahm dieVerwirrung mehr überhand. Wer aufden Drücken sich nicht retten zu kennen glaubte,suchte seilt Heil aus dem Treibeise der flutenden Derezina z doch die Mehresten fandendenTod unter den Schollen, während viele Andre von ibren Cameraden in den Flußhinabgeüoßen wurden. Bei diesem schrecklichen Auge führte der Herzog von Rezgio(Oudinor) den Vortrab, an dessen Spitze die Polen unter Donibrowski marschieren;die Nachbut bildete das Corps des Herzogs v. Belluno . Am 27. Rov. Mittags warman an dem theuer erkauften Ziele, und schlug die Straße über Wilna nach War-schau ein. indem man die über MinSk verließ, da man in Wilna sich mit Allem ver-seilen zu kennen hoffen durfte. —Außer den zahllosen Opfern, die jenseit? derBere-zina zurückbleiben muüteu, war auch die Division Partonneaux, die deuDeieblusimachte, verlorengegangen. Ihre Bestimmung war, die Drücken hinter sich abzubren-nen; allein sie siel nachsranz. Berichten nur zum Theil, mit 2000 M.und durch Ver-irren von, Wege, nach russ. ganz, mit 7500 M. lind 5 Gen. in die Gewalt des Feindes.
Berg, vormals ein Herzogthum, das 1806 von Baiern gegen Anstachvertauscht wurde. Dies volkreiche Land, jetzt ein Theil der preuß. Provinz Klevc-Iülich-Berg, ist das erste Fabrikland Deutschlands . Handels- und Fabrikplätzesind das Wiipperthal mit Elberfeld und Barmen. Hauptstadt und Sitz der Regie-rung ist das wohlhabende Düsseldorf . Die ganze Provinz ist bergig, reick an Ei-sen, Blei und S teinkohlen, erzeugt lauge nicht so viel Getreide, als die Volksmengebedarf, welche auf ei,lein kleinern Raum großer, wohlhabender und gebildeter ist, alsdie in irgend einer andern Provinz Deutschlands . Dies ist keineswegs Folge derFruchtbarkeit des Bodens, noch einer etwa besonders weisen Regierung der altenHerzoge, der gemeinschaftlichen des Hause? Pfalz-Reuburg und Brandenburg , undder pfälzischen, die jener nach der Landestheilung von 1666 folgte, sondern das Re-sultat einer Menge zufälliger Ereignisse, die dies kleine Land begünstigten. Bis znrReformation Luther'? und Calvin'S herrschte die größte Gewerbsamkeit, wenigstensim Norden, in den spanischen Niederlanden, und zwar i» dem westlichen KüstensitzeHollands, bis an Frankreichs Grenzen. Östlich und südlich kerrschte sie dagegen bi?Ramur und Drabant unter dem milden burgundische» Scepter, bis unter demKönige Philipp I I. von Spanien die Verfolgung der Protestanten ausbracb, deren Ur-sache weniger der Religionshaß als der Haß des Freiheitssinns dieser Provinzen war.Die zahllosen Hinrichtungen und Gütereonsiscationcn führten in den nördl. Pro-vinzen die Insurrcction herbei und eine Auswanderung der gewerbfleißigen Belgier.Die reichsten derselben im südl. Belgien, wo sich die Spanier behaupteten, wander-ten nach Hamburg, London, Köln w.; die weniger reichen Fabrikanten und ihre Ar-beiter wollte» in der Nähe die weiter» Ereianisse erwarten und Fabriken in einemwohlfeilen Lande anlegen, das in seinen Metallprodukten manche Veredlung undleichten Absatz zur See über Holland auf dem Rheinstrom und zu Lande nachDeutschland anbot. Don jeher herrschte im Herzogthume Berg eine vollkommeneDuldung aller Religionssekten. Die Regenten des kleinen Landes hatten schöneDomainen, deren Ertrag durch die reiche» Eingewanderten sich hob; sie federtenvon ihren treuen, aber gar nicht freigebigen Landständen wenige Beiträge. In denStädten herrschte eine große Unabhängigkeit des Bütgerstandes vom Magistrat.