Band 
Erster Band. A bis Bl.
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Bernhardt

Die große Derehrrmg für Wolf machte ihn zum eifrigen Philologen; dennoch blieber seinem Wunsche, Schulmann zu werten, treu und behielt fortgesetzt die Pä-dagogik im Auge. Trotz der Anlage zu einer gewissen Vielseitigkeit heftete sichsein Geist doch vorzugsweise auf die Sprache und auf das Geheimniß ihrer Con-struction, gleichsam die Mathematik der Sprache. Daher verließ er schon die Uni-versität mit dem festen Entschlüsse, künftig wo möglich eine allgemeine Grammatikzu schreiben. Mit Rücksicht auf diesen Vorsatz las er Prosaiker und Dichter. DenLehrerstand trat er als Schulamtscandidat beim werderschen Gymnasium an, dessenRecrorat Gedicke bekleidete. Hier machte er die Bekanntschaft mir Ludwig Tieck ,der damals Gymnasiast der ersten Classe war. Trug er aus dem Umgang mitdiesem jungem Freunde eine ganz neue Ansicht der Dichtkunst davon, so blieb erdoch fortwährend damit beschäftigt, seine Gedanken über Sprache zu entwickelnund auszubilden; aber die Blicke, die er nun in neue Gebiete zu thun anfing,wurden jenem Vorsatz Vortheilhast. Auch das Theater hatte B. schon in seinerJugend angezogen; der Verkehr mit Tieck führte ihn mit großem Eifer, aber vonverändertem Standpunkt aus, darauf zurück. Je mehr nun B. ein großes Gewichtauf des Letztem Urtheil legte, um so mehr bildeten sich zwischen beiden Freundenlehrreiche Gespräche, deren Früchte zum Theil m den Theateranzeigen in der „Deut-schen Monatsschrift" (Berlin 1790 fg.) niedergelegt sind. Nach dieser Zeit lernteB. die Schwester Tieck's , Sopbie, die Vcrf. der „Wunderbilder und Träume",näher kennen und vcrheiraihete sich mit ihr. Die Ehe ward aber nach einigenZ. wieder aufgelöst, nachdem sie 2 Söhnen das Lebe» gegeben hatte. Damalsmachte sich B. durch eine Sammlung komischer Erzählungen und dramatischerDarstellungen voll feinen leichten Witzes und gesellschaftlicher Ironie bekannt, welchein 3 Bändchcn u. d. T. „Bambocciadcn" (Berlin 1797 —1800) erschienen.Sie enthalten zum Theil Arbeiten, die gemeinschaftlich mit Tieck entstanden undaufgeschrieben sind. B.'S Ruhm als Sprachforscher begründete die 1800 heraus-gekommene „Sprachlehre", 2 Thle., die von einem nicht gewöhnlichen kritischen,philosophischen und grammatischen Snne zeugt. Er deutet darin an, daß sich dieSprache ansehen lasse als ein fertig gewordenes Gebilde, und als ein wirkendesWesen. Jenes ist ihm die streng grammatische Seite mit der feststehenden Regel;dieses die historische, bei welcher die Regel in stetem Üebergang zur Analogie undAnomalie anzutreffen ist. Das, was beide Seiten vermittelt und umfaßt, ist ihmdie philosophische Grammatik. Er fühlte vollkommen das Dasein von etwas nichtsowol Stehendem oder Ruhendem als vielmehr Ständigem in der Spracke, undzugleich dessen Veränderungsfähigkeit. Daher war es ihm möglich, auf der einmalgelegten Grundlage fortwährend forkzuarbeiten. Von seiner liter. kritischen Zeit-schrift 1801, „Kynosarges", die allein aus seiner Feder stießen sollte, kam nur daserste Stück heraup, hierauf erschien B.'S größere Sprachlehre (1. Thl., „ReineSprachlehre", 1801; 2. Thl., „Angewandte Sprachlehre", 1803 . Dann folg-ten 1805 die „Anjängsgründe der Sprachwissenschaft". An seine Bekanntschaftmit Tieck harre sich die mit Fichte und den beiden Schlegel geknüpft. Was er ausdem Umgang mit diesen Männern im Gebiete der Poesie, Philosophie und Kritikgewann, das verarbeitete er in sich für die Aufgabe, die er sieb gesetzt harte. Fürdas Fach der Pädagogik, womit er sich fortwährend beschäftigt hat — denn er istgegen 30 Zahle Lehrer und Erzieher gewesen —, leistete er ungleich weniger alsfür die Grammatik. Erst als ihn sein Amt als Dircctor des werderscben Gymna-siums und der Realschule und Ccnsistorialrath zu verpflichten schien, sich öffentlich alsPädagog zu Zeigen, tratet 1808 mit einem Programm auf, welches derLehrart vonPesialozzi das Wort redete. Aber fast seine sämmtlichen Programme, insofern siesich auf Erziehung beziehen, sind Constructionen pädagogischer Hypothesen, dievon einer Willkürlichkeit ausgehen, aber in der wissenschaftlichen Darstellung den