Band 
Erster Band. A bis Bl.
Seite
825
JPEG-Download
 

Berniln

825

gemacht hat. Es war ihm nicht bloß um Gewinn, sondern auch um die Ehre sei-ner Kunst zu thun. Auch soll er seinen Namen nur unter die Portraits gesetzthaben. die er richtig getroffen zu haben glaubte. Unter Leibnitz's Bildnisse stehtsein Name. Er starb 1733. Der König von Polen und Kurfürst von Sachsen,August, verlieh ihm den Titel eines HoskupferstecherS.

Bernini (Giovanni Lorenzo), genannt der Chevalier Dernini, geb. zuNeapel 1598, von seinen Zeitgenossen als der Michel Angelo der neuern Zeit ge-priesen, weil er sich als Maler, Bildhauer und Baukünstler in einem vorzüglichenGrade auszeichnete, verdient besonders in letzter Eigenschaft seinen Ruhm. Eben-so reich anGaben der Natur als begünstigt durch die Umstände, erhob er sich überdie Regeln der Kunst und schuf sich eine leichte Manier, deren Fehler er durchglänzenden Firniß zu verdecken wußte. Bon früher Zugend aufzeigte er eine be-wundernswürdige Leichtigkeit in dem Studium der zeichnenden Künste, und ineinem Alter von 8 I. führte er einen Kinderkopf in Marmor aus, der als einWunder betrachtet wurde. Umso glückliche Anlagen auszubilden, brachte ihn seinVater nach Rom . Eins der ersten Werke B.'s war die Marmorbüste des PrälatenMontajo, welcher die Büste des Papstes, einiger Cardinäle und mehre Figuren innatürlicher Größe folgten. Er war noch nicht 18 I. alt, als er Apollo undDaphnein Marmor arbeitete, ein Meisterwerk der Anmuth und Ausführung. Als er dieseGruppe gegen das Ende seines Lebens wiedersah, gestand er, daß er seitdem wenigeFortschritte gemacht habe. Wirklich war früher sein Styl reiner und minder geziertals in der Folge. Den Gipfel seines AnsehnS erreichte er, als nach Gregors XV. Tode der Cardinal Maffeo Barberini zum Papst erwählt wurde. Dieser trug ihmauf, Vorschläge zur Verschönerung der Basilica von St.-Peter zu machen, undsicherte ihm eine monatliche Pension von 500 Tblr. zu, die nachher vermehrt ward.-Ohne die Bildhauerei zu verlassen, wandte sich B.'S Genie auf die Baukunst undentwarf einen Plan zu dem Baldachin, zu der Kanzel des heil. Petrus und zu demrunden Platze vor der Kirche. Von seinen zahlreichen Werken nennen wir bloß detPalast Barberini, den Glockenthurm von Et.-Peter, das Modell desGrabmalSder Gräfin Mathilde und das Grabmal seines Wohlthäters Urbans VIII . —1614bot ihm der Cardinal Mazarin in des Königs von Frankreich Namen einen Gehaltvon 12,000 Thlrn. an, aberB. folgte dieser Einladung nicht. Kaum hatte UrbanV III. die Augen geschlossen und Innocenz X. den päpstlichen Stuhl bestiegen, alsder Neid gegen den begünstigten Künstler laut ward. >Leine Feinde triumphirten;doch ein Modell zu einem Springbrunnen gewann ibm des Papstes Gunst wieder.B. führte um dieselbe Zeit den Palast von Monte Citorio aus. Alexander VII. ,Hnnocenz's Nachfolger, zeigte ebenso viel Geschmack für die Künste als Wohlwol-len gegen B., und bar ihn um einen Vorschlag zur Verzierung des PererSplatzeS.Nach B.'S Angabe ward jener herrliche ^äulengang erbaut, der in so schöner Über-einstimmung mir der Basilica steht. Ferner fuhren wir an den Palast Odescalchi,die Rotunda della Riecia, das Novizenhaus der Jesuiten auf dem Meine Cavalloi u.s. w. Ludwig XIV. lud ihn mit den schmeichelhaftesten Ausdrücken nach Paris ein, und B. reiste, 68 fss alr, 1665 mir einem seiner Söhne und einem zahl-reichen Gefolge von Rom ab. Nie reiste ein Künstler mir so viel Pomp und An-nehmlichkeit. Seine Aufnahme in Paris war höchst ehrenvoll. Er beschäftigtesich zuerst mit den Entwürfen zur Wiederherstellung des Louvre. Als ihm jedochPerrault's zu gleichem Zweck entworfene Plane vorgelegt wurden, bezeugte er demKenig seine Bewunderung über die Trefflichkeit dieser Arbeiten und erklärte, inFrankreich nichts mehr zu thun zu haben. So große Achtung er übrigens in Paris einerntete, so erfuhr er doch einige Ünannehinltchkeiten, die in ihm den Wunsch er-regten. nach Rom zurückzukehren. Reichlich belohnt, verließ er Paris . Als derCardinal Rospigliosi Papst geworden war, zog ihn dieser in seinen vert äuten Um-