862 Bezifferung
/ >
Prinzen Condä unk» in den Vorstädten. Bei dem Colloguinm zu St.-Germain1562 sprach er stark gegen die Bilderverehrung, begleitete dann, nach Ausbruch desbürgerlichen Krieges, den Prinzen Condö als Feldprediger und kam bei dessen Der»Haftung zum Admiral Coligny. I!ach Herstellung des Friedens kehrte er 1563nach Genf zurück, fuhr hier neben Abwartung seiner Ämrer fort, in theologischenAbhandlungen für die resormirtc Kirche zu kämpfen, und galt nach Calvin's Tode1564, wo er dessen Nachfolger ward, als der erste Theolog dieser Kirche, leitetedie Synoden der franz. Reformirten zu La Rochelle 1571 und zu Nismes 1572,wo er sich Morel's Antrag auf Änderung der Kirchenzucht widersetzte, ging 1574in Geschäften des Prinzen Condc an den pfälzischen Hof und maß sich 1586 bei.dem Religionsgespräch zu Mömpelgard mit den würtemb. Theologen, besondersmit Jakob Andreä . Als 69jähr. Greis noch lebhaft und rüstig, heirathete er 1588seine zweite Frau und wußte mit gewohnter Kraft der Wahrheit und des Witzes dieAngriffe und Verleumdungen zurückzuschlagen, die seine Feinde, abtrünnige Glau-bensgenossen, wie Volsec, Lutheraner, >ind besonders die Jesuiten gegen ihn häuf-ten. Diese sprengten 1597 aus, er sei gestorben und vorher in den Schoß derkatholischen Kirche zurückgekehrt. Der nun 78jähr. B. widerlegte sie in einemGedicht voll jugendlichen Feuers und wies in dems. I. die Versuche des h. Franzvon Sales , ihn zu bekehren, mit den lockenden Anerbietungen des Papstes stand-' haft zurück. Noch 1600 begrüßte er im genfer Gebiet den König Heinrich I V.,der ihn mit 500 Dukaten beschenkte, und starb, nach fast lebenslänglichem Genußungeschwächter Gesundheit, den 13. Oct. 1605 an Altersschwäche. Durch ent-schiedenes Eingehen in die strengen Grundsitze Calvin's , in dessen Geiste er dergenfer Kirche kräftig und thätig vorstand, hatte er sich zum Haupte seiner Parteiemporgeschwungen und 40 I. das Ansehen eines Patriarchen genossen, ohne dessenZustimmung kein wichtiger Schritt geschah. Um Einheit, Dauer und Festigkeitin seiner Kirche zu erhalten, opferte er seine eignen Meinungen den einmal ange-nommenen Calvinischen auf und leistete ihr durch seine vielseitige Gelehrsamkeit,durch seinen beharrlichen Eifer, durch seinen gewandten Geist, durch seine glänzendeBeredtsamkeit und selbst durch den Eindruck seiner noch im Alter überlegenen Per-sönlichkeit die wichtigsten Dienste. Er vertheidigte ihre Lehren mit geübter Kunst,Bestimmtheit und genialischem Feuer, oft auch mit unbarmherziger Schärfe undDerbheit. Unter seinen vielen Schriften schätzt man noch jetzt die exegetischen undeine ihm zugeschriebene, geistreiche und glaubwürdige „Geschichte der Reformirtenin Frankreich von 1521 — 63". Sein Briefwechsel mir Calvin befindet sich inder herzogl. Bibliothek zu Gotha .
Bezifferung. Wenn der harmonische Inhalt eines Tonstücks, nachdemer in einzelne Theile, die man Accorde nennt, aufgelöst worden ist, zum Behufedes Generalbaßspielers oder Desjenigen, der eine vollstimmige Musik auf einemClavierinstrumenre durch Accorde begleitet, durch Zahlen oder andre Zeichen überden Noten der Grundstimme (Baß) dargestellt wird, pfiegt man dies die Be-zifferung zu nennen. Da zu den Tönen einer Grundstimme ganz verschiedene Fol-gen von Äccorden stattfinden können, so kommt der Generalbaßspieler, auch beider größten Aufmerksamkeit auf den Fortgang der Melodie und Harmonie, ohneBezifferung des Basses sehr oft in den Fall, daß er zu diesem oder jenem Grundtoneinen ganz andern Accord anschlägt als denjenigen, dessen sich der Tvnsetzer be-dient hat. Hieraus sieht man, wie nöthig die Bezifferung der Grundstimmen beisolchen Tonstücken ist, wobei man, wie z. B. bei den Kirchencantaten, gewohntist, den Generalbaß zu spielen. Die Bezifferung einer Grundstimme besteht nuneigentlich darin, daß man die Intervallen desjenigenAccordes, dessen sich der Ton-seher bei dieser oder jener Note des Basses bedient hat, vermittelst der sie bezeichnen-den Zahlen anschaulich macht. Dies geschieht auf folgende Weise. Wenn z. B.