810 Biberich Bibliographie
Biberich , Marktssecken (2156 Einw.) und herzogl. nassauifches Lust-undResidenzschloß, nahe am Rhein . Nach Gerning's „Rheingegenden von MainzbisKöln" (Wiesbaden 1819) wurde Biberich , ehemals Biburc oder byderBurgk(von der nahen Amöneburg) genannt, die schönste Fürstenburg am Rheine , vor10V Jahren unter dem Fürsten Johann zu bauen begonnen und dann von GeorgAugust vollendet. Der mit heimische» Marmorsäulen umreihete Speisesaal, oderdas Rundcel, ruht auf einem Gewölbe, worunter die Kirche sich befindet. Dergroße Lchloßgarten, in südlicher Fülle prangend, ist in altem und neuem Geschmackemit verschiedenartigen Lustgängen und Teichen geschmückt. Die vom verstorbenenHerzog auf den Grundlagen der ehemaligen mosbacher Burg am Ende des Gar-tens neu erbaute Burg enthält schätzbare Denkmale nassauischer Fürsten, besondersaus der Kirche des aufgehobenen Klosters Eberbach. Don der Amöneburg , zwischenBiberich und Tastest, ist nichts mehr übrig als dieLpur eines Römercastells, undhier möchte wol der (zweite) Rheinübergang des Easar gegen dieSueven, auchderjenige des Agrippa gegen die Katten, denen er nach Abzug der Ubier diese Ge-gend überließ, stattgefunden haben.
B i b l i o g r a p h i e (Bibliognosie, auch Bibliologie) beschäftigtsich mit der innern und äußern Kenntniß der Bücher und kann, dieser doppeltenBeziehung gemäß, in eine wissenschaftliche und materielle eingetheilt werden. Diewissenschaftliche betrachtet die Bücher bloß nach ihrem Inhalte und hat bei derbald bloß berichtenden, bald zugleich kritischen und beurtheilenden Verzeichnungderselben den Zweck, jeden Gelehrten mit den vorzüglichsten Büchern seines Fachsbekannt zu machen. Bibliographien in diesem Sinne des Works (auch Literaturenund Bibliotheken genannt) sind gewöhnlich in spstemakifcher Form abgefaßt. Zudenjenigen Wissenschaften gehörend, deren Wachsthum ebenso sehr durch äußereBegünstigungen als durch richtige Grundfihe ihrer Bearbeiter bedingt ist, erkenntdie Bibliographie noch immer Frankreich als ihr Mutterland an. Wenn auf dereinen «Leite der übergroße Reichthum der täglich wachsenden öffentlichen Bibliothe-ken, die liberalste Eignung derselben für den allgemeinen Gebrauch, die bedeutendeAnzahl geschmackvoller Privaisammlungen und ein lebendiger Verkehr mir Büchernaus asten Zeiten und Ländern äußere Begünstigungen seltener Art bieten: so ist eSauf der andern Seite der echt praktische Sinn der Nation, welcher die Leistungenihrer Bibliographen zu den angemessensten Befriedigungen wesentlicher Bedürf-nisse erhebt. So war Brunet'S „äb>,iu>-I <!>> libiaiie" das erste gelungenere Werk,welches in alphabetischer Form das Kostbarste und Erhabenste der Literaturen allerZeiten und Völker umfaste, Barbier'S „l)l, >i>>iiii!,irc ckes ouvi.i^kü auouvmcz"die erste zuverlässige und genießbare Bearbeitung dieses Gegenstandes, Renouard's<!'»,> .->»>!,lcn," der erste Lpiegel und gewiß für lange Zeit der einstuß-reichste Todep der franz.Sammlerrücksichten, die „Hiblio^razilne >le In bruiioo"das erste Muster, wie der jährliche Zuwachs der Literatur am zuverlässigsten regi-strirt werden kann, der nicht minder gelungenen einzelnen Leistungen Peignot'S,Petit-Radel'S, RenouardS (über die Aldinen) u. a, zu geschweigen. Nur eine? jenerVortheile kann sich die engl. Bibliographie rühmen, des Reichthums an öffentli-chen und Privaisammlungen. Aber derGebrauch derselben ist theils sehr beschränkt,theils gar nicht gestattet, und Kleinigkeitskrämerei, Geschmack- und Formlosig-keit, Turiositätensucht und sklavisches Hingeben an die bizarresten bibliomanischenModen des Tags lassen die engl. Bibliographen zu keiner Selbständigkeit und zukeiner wahrhaft nützlichen Thätigkeit gelangen. Die allgemeinern bibliographischenWerke von AdamTlarke („IHblio^i.ipbü'iil clic'iioii.u 1820) undRob. Watt(„!i>1)1i»ib«'i-.> biil.'iiiiiic.'ch, 1819) sind verunglückte Tönipilarioneu; in den ver-mischten Sammlungen von Belon („^Iieoilutes oi litei.'ttiiic", 1801), Brydges(»britisch bibtio^rspfier", 1818z „Oensura iitcraria", 1805), Savage („ll,o