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aber auch, welche sich von dem Gegebenen frei macht und psychologische Bil-der nie gesehener Gegenstände erzeugt. Ästhetisch und artistisch genommen, istBild die sichtbare Darstellung oder Vorstellung eines körperlichen oder verkörper-ten Gegenstandes, welcher seinem Urbilde in allen seinen Theilen nach seinen sicht-baren Äußerungen mit treuester Angemeffenheit nachgeahmt ist. Diese Darstel-lung wird durch verschiedene räumliche, an Stoffen angewandte Mittel bewerk-stelligt, entweder für das Gesicht allein, oder für das Gesicht und physische Gefühlzugleich. (S. Bildhauerkunst.) Man kann daher eine Zeichnung, einenKupferstich, einGemälde, eine Statue, oder jedes andre Bildwerk aus Thon.Holz, Metall und Stein ein Bild nennen, obschon man häufig vorzugsweise dieGemälde so nennt. Nun nimmt aber der Künstler das Urbild seiner Darstellungentweder aus der Wirklichkeit oder aus der Einbildungskraft, und in beiden Fällenist sein Verfahren, wie seine Wirkung, verschieden. Wo er das Urbild in derWirklichkeit vor sich hat, da wird nur eine mittelbar hervorbringende (reproduktive)Einbildungskraft bei ihm in Thätigkeit gesetzt; ein solches Werk wird nämlich einebloße Abbildung, an die man nur die Federungen der Wirklichkeit zu machen hat,z. B. Portrait. Wo hingegen das Urbild bloß in der Eeele des darstellenden Künst-lers ist, da ist die eigentliche productive (unmittelbar hervorbringende) Einbildungs-kraft in Thätigkeit, und hier stellt sich also das Ästhetische von selbst ein, weil derStoff dadurch, daß die productive Einbildungskraft denselben erst völlig bilden, ihndann um- und ausbilden und mit dem lebendigen Gepräge des Menschlichen aus-prägen muß, Bedeutsamkeit erhält und dann, weit entfernt, ein bloßer roherStoff zu scheinen, vielmehr als einen vollendeten Gegenstand, als ein in sich abge-schlossenes Ganzes sich darstellt. Diesemnach scheint es, als ob man vorzugsweisenur die sichtbare Darstellung eines körperlichen Gegenstandes ein Bild nennen kön-ne, insofern sich nämlich in dieser Darstellung die productive Einbildungskraft zuerkennen gibt, da hingegen die reproduktive Einbildungskraft kein Bild, sonderneigentlich nur eine Abbildung liefert. Jedes Bild muß nothwcndigcrweise mehroder weniger Abbildungen enthalten, nicht aber jede Abbildung ist ein Bild. DasBild nämlich muß zweierlei Eigenschaften insichfassen, eine artistische und eineästhetische. Durch die artistischen Eigenschaften müssen die Wirklichkeitsfoderun-gen, durch die ästhetischen hingegen der Schönheitssinn befriedigt werden. Jenesgeschieht durch genaue Beobachtung des physischen und physiologischen Bildes;dieses hängt von den Gesetzen der Einbildungskraft selbst ab. Der reproduktiveKünstler hat Alles gethan, was ihm oblag, wenn seine Darstellung anschaulich,rein objectiv, also dem in der sichtbaren Natur vorhandenen Urbilde getreu und inihren Verhältnissen richtig ist. Der productive Künstler hingegen hat zwar alle diesePflichten ebenfalls auf sich, weil ohne dies seine Darstellung ein Unding sein würde;allein er soll uns noch über dieses Alles eine Gesammtanscha»ung verschaffen, durchwelche allein seine Darstellung als ein in sich abgeschlossenes Ganzes erscheinen kann,welches in dieser Ganzheit dem Sinne faßlich und angenehm ist und das Gemüthdurch Bedeutsamkeit ergötzt. Endlich gibt es auch ein Bild, welches durch Wortehervorgebracht werden kann. Insofern nun Worte das äußere Werkzeug der Poesiesind, so kann man ein solches Bild ein poetisches nennen. Zum Wesen derPoesie gehörtes, Bilder und in Bildern darzustellen. Was man aber hierBildnennt, hat nur uneigentlich diesen Namen. Bild wird nämlich hier metaphorischgebraucht als bloße Vorstellung, welche mittelst der Einbildungskraft auf eine An-schauung bezogen wird, sodaß diese den Schein des Eeins erhält, welcher demBilde, sowie das-Lein selbst der Anschauung zukommt; Bezeichnung eines (sinn-lichen oder übersinnlichen) Gegenstandes durch einen andern. Übrigens ist dieSphäre des Bildes von Vielen noch mehr erweitert, nicht bloß in der Poesie, son-dern auch in allen Künsten. Denn außer der Mimik, welche Einige der Plastik
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