884 Bildende Künste Bildcrdyf
beigesellen, zeige sich wirklich, daß es Bilder in der Tanzkunst (Tanzbilder, Touren),in der Tonkunst (Tonbilder), sowie in der Rede (Redebilder, Wortbilder) gebe?In allen diesen Künsten pflegt man jedoch Dasjenige, was wir hier Bild genannt!haben, auch Figur (s. d.) zu nennen. (Vgl. Musikalische Malerei.) 1Bildende Künste heißen alle Künste, welche durch äußere räumliche,Formen überhaupt, und zwar zunächst ruhende, darstellen; zu ihnen gehört daherPlastik oder Bildnerei, Malerei nebst Zeichnenkunst, Kupferstecherkunst und denähnlichen Künsten, welche sichtbares inFlächenanschauung darstellen, ferner auchBaukunst. Im engern >Linne heißen aber bildende Künste nur die, welche durchkörperliche ruhende Gestalten darstellen, besonders Statuenkunst und Basrelief.«
Bilderbroi bezeichnet mehre Arten Backwerk, durch welche man gewisseFiguren gleichsam im Bilde darstellen wollte, wie durch die Stolle ein Wickelkind-,u. s. w., ferner Prezeln, Martinshörner, Bukterzöpfe, Psann-, Waffelkuchen u. a.Die Christstcllen, Butterzöpfe, Striezel waren ein bei den Saturnalien (s. d.)übliches Backwerk, welches die tändelnde Frömmelei nach und nach in die Gestalteines Wickelkindes, unstreitig dem jungen Kinde zu Ehren, zu dessen Geburtsfeierldas Weihnachtsfest bestimmt ist, umwandelte. Auch die Martinshörner sind heid««nischen Ursprungs, junstreitig so genannt von den allen Opfer- und Trinkhör-nern, zur Ehre desBischofsMartin(s. Martin derHeilige), zu dessen Andenkenman sie am Ende des 4. Jahrh, in Frankreich zu backen angefangen haben soll.Die Prezeln halten Einige für eine Nachbildung der Zauberbänder, welche die deut-schen Frauen, als sie noch Heiden waren, um Arme und Schienbeine trugen, und welcheLieseFigur u. diesen.Namen gehabt haben sollen. Andre leiten ihren Namen von dein ,lat. bieciuiwulae (Gebetchen) her, welche die Geistlichen zur Fastenzeit den Kin-dern zum Auswendiglernen aufgaben, und diejenigen Kinder, welche gut gelernt«hatten, mit einem Backwerk, welches den Namen lAeciunculu führte, der dennbald in Prezel umgewandelt ward, beschenkten. In Thüringen und Meißen bäcktman sogenannte Hornaffen, welche man vermuthlich auch im Hornung oder in demMonate, in welchem das Opserhorn von den alten Deutschen am meisten gebrauchtwurde, buk. 1l. ,
B i l d e r k y k, Willen, (Wilhelm), geb. zu Amsterdam 1750, lebt zu Ley-den und gilt jetzt für einen der größten Juristen Hollands , für einen Gelehrten imganzen Umfange des Worts und, nach dem Urtheile der holländ. Kritiker, für einender größten Dichter unserer Zeit. Er siudirte in Lenden, besonders unter Ruhnkenund Valkenaer, das classische Alterthum. 1776 erhielt er von der leydner gelehrtenGesellschaft, deren Urtheile stets für vollwichtig gehalten worden sind, den erstenPreis der Poesie über die Ausgabe des EinfiußeS der Dichtkunst auf die Regie-rungskunst. Im nächsten I. erhielt er von derselben Gesellschaft zwei Preise überdie poetische Aufgabe: über die wahre Vaterlandsliebe, welche B. in einem didak-tischen Gedicht und in einer Ode besungen hakte, seitdem wurde er mit Feith undMadame de Launoy für einen der ersten vaterländischen Dichter gehalten. Manfand in seinen Gedichten eine große Reinheit des StylS, eine seltene Eleganz derDiktion, mit einem ungewöhnlichen Feuer gepaart, vor Allem aber einen großenReichthum herrlicher poetischer Bilder. Man glaubte, das Jahrhundert der Von-del, Hooft und TatS sei zurückgekehrt. Diese Zeit ist die der neuern kolländischenTichterschule, in der neben B., Feith nnd Launoy vor Allen Bellamy, Hel-mers, Tollens, LootS, van Hall, Kinker, Klyn und A. als Sterne erster undzweiter Größe glänzen. B. führte in der holländ. Poesie auch die Iamben undHerameter ein, jedoch mehr, um sein Talent durch die Überwindung der Schwie-rigkeiten aller Art zu zeigen, als aus wirklichem Interesse an diesen Formen, die ervielmehr für die holländ. Poesie nicht zulässig erklärt hat. 1780 erhielt er einenneuen Preis über die Verbindung der Poesie und Beredcsamkcit mit der Philosophie.