886 Bildgießer, Bildhauerkunst (Geschichte der)
kins Sohn, Leo I V. , welcher 773 zur Regierung kam, folgte denselben Beispielen;allein seine Gemahlin Irene ließ ihn 780 vergiften, und eine Kirchenversammlungzu Nicäa in Bilhynien, in Kleinasien , bestätigte 786 die Verehrung der Bilderund belegte Diejenigen mit Strafen, welche behaupteten, daß man außer Gott Nichts verehre» und anbeten dürfe. Wie sehr nun auch die Griechen und die Italie-ner dem Bilderdienste gänzlich ergeben waren, so folgten doch die meisten Christendes OccidentS (Briten, Deutsche, Franzosen ) ihrem Beispiele nicht, sondern be-hauptete» vielmehr, daß man zwar die Bilder beibehalten und in den Kirchen auf-stellen könne, daß sie aber, ohne Gott zu beleidigen, nicht verehrt werden dürfen.Auch Karl d.Gr. schrieb (wahrscheinlich mit Hülfe Alcuin's ) gegen den Bilderdienst,und eine Kirchenversammlung, die er 794 zu Frankfurt a. M. halten ließ, sprachfür ihn und seine Schrift, trotz der Gegenschrift des Papstes Hadrian. Unter denGriechen ging jedoch der Bilderstreit, nach Irenens Verweisung (802), von neueman und dauerte fast die Hälfte dieses Jahrh, hindurch. Ihr Nachfolger Nicepho-rus entfernte zwar die Bilder nicht aus den Kirchen, doch durften die Anhängerder Bilder ihre Gegner nicht verfolgen. Endlich stellte die Kaiserin Theodoren nacheiner 840 zu Konstantinopel gehaltenen Kirchenversammlung, bei den Griechenden Bilderdienst wieder her, welche Verfügung durch eine zweite 870 daselbst ge-haltene Kirchenversammlung bestätigt wurde. Im oceitentalischen Reiche behieltman anfänglich die Bilder bei, bloß um das Andenken der verdienten Männer zuerhalten, dagegen die eigentliche Verehrung derselben verboten war. Dieses ver-ordnete auch eine unter Ludwig dem Frommen 824 gehaltene Kirchenversamm-lung. Allein nach und nach entfernte man sich von dieser Meinung, und dasUrtheil des Papstes, welches für den Bilderdienst sprach, fand endlich auch in dervccidentalischen Kirche Eingang.
Bildgießer, s. Rothgiefierei u. d. folg. Art.
Bildhauerkunst (Skulptur), oder die Kunst, Kbrpergestalten mittelstdes Meißels in harten Massen darzustellen, ist eine Tochter der Plastik (s. d.);plastisch geformt waren die ältesten Götzenbilder aller Völker, Das schwerereSchneiden der Gestalten aus Holz und Elfenbein und das noch schwerere Aus-hauen derselben aus Stein und Gießen aus Metall waren die Erfindungenspäterer Zeiten. Auch diese Erfindungen wurden durch Religion erweckt; manstellte nur Das vor, was angebetet werden sollte. Im grauesten Alterthume gabes Blöcke und rohe Steine oder Bätbplien, von denen es hieß, sie seien vomHimmel gefallen, was man jetzt Aörolirhen oder Meteorsteine nennt. Die Blöckewurden auch als Grenz- und Marksteine verehrt, und hießen Termen. Vom 9.bis 7. Jahrh. v. Chr. hatten die Griechen viel Verkehr mit den Phöniziern. DiesHandelsvolk verehrte den Gott Theut, Taaut, der ihnen die Buchstabenschrift ge-lehrt harte. Wo sie nun diesen als Grenzstein hinsetzten, sagten sie, es sei ihr Gott,und zwangen die rohen Autochthonen, ihn zu verehren. -Lolche Pfeiler hießenHermä, daher wurde der Gott der Wege und der Reisenden bei den Griechen Her-mes genannt. Später setzte man auf diese Säulen einen Kopf, dies ist der Ursprungaller Büsten. Man theilt die Werke der Bildhauerkunst ein in runde, d. i. solche,die von allen Seiten betrachtet werden können, es niögen nun ganze Gestalten,Hermen, Brustbilder, Köpfe, Masken, Vasen, Fußgestelle oder andre Geräth-schaften seyn, und in halbrunde. (S. Relief und Basrelief.) Die ältereSchwester der Bildhauerei in runden Formen ist die Architektur. Von Tempeler-bauungen und Verzierungen geht alle Bildhauerkunst aus; daher betrachten wirsie zuerst historisch.
Bildha uerku nst (Geschichte der). Man findet in der Bibel sehr alteSpuren der Bildhauerei; Laban , der im 23. Jahrh. v. Chr. lebte, hatte geformteHausgötter, die im Hebräischen Teraphim heißen. In den uralten indischen Höh-