891
Bildhauer der Alten.
wußte, und bei der Tortur, unter welcher sie starb, dennoch Nichts verrieth. Umdas heldenmüthige Schws-gen dieses Mädchens auszudrücken, gab der Künstlerder Löwin keine Zunge. Onatas aus Ägina mußte das Bild der sogenanntenschwarzen Ceres zu Phygalea wiederherstellen. Ageladas aus Argos hält man für-ten Lehrer des Phidias. Zweite Periode. HoherKunststyl. Mit Phidias aus Athen fing die Zeit des hohen Jdealstyls an, dessen Schöpfer er war. Erlebte in der Zeit des Pcrikles. Außer seinen beiden Hauptwerken, Pallas Athene und Jupiter, sind noch berühmt: seine Pallas aus Erz für Athen , seine VenusUrania, seine Nemesis im Tempel bei Marathon und seine Amazone, die schön-gestaltete genannt. Er arbeitete nur einen einzigen Knaben nach dem Leben. SeineLieblingsschüler waren Alkamenes aus Attika und Agorakrüus von Paros . Dieberühmtesten Werke deü Erstern waren sein Vulkan, sein olympischer Sieger, seinAmor, sein Mars und seine Venus. Der zweite wurde noch mehr vom Phidias geliebt, er wetteiferte mit Alkamenes bei Verfertigung einer Venus, und wurdevon den Atheniensern nur auö Vorliebe für ihren Mitbürger nachgesetzt; er schufseine Venus zu einer Nemesis um und verkaufte sie nach RhamnuS; Varro hieltdiese Statue für die schönste, die je geschaffen worden sei. Polykletus von Argoswar Schöpfer der Juno daselbst, dieses dritten Hauptideals, eines Seitenstückszum olvmpischcn Jupiter . In der ludovisischen Juno ist uns noch eine Nachbil-dung ihres Kopfes aufbewahrt. Außer seinem berühmten Kanon bildete auchPolyklet alle schöne Stellungen der Knabengvmnastik und alle naive Spiele derJugend; höchstes Ideal dieses Kreises ist sein Mercur. Da zarte Weichheit diesemMeister eigen war, so ist es natürlich, daß ihm die reizenden Kanephoren vonAthen so gelangen. Er war hauptsächlich Erzbildner. Sein Mitschüler und Neben-buhler war Myron aus Eleutherä in Böonen. Er schuf drei auf einer Basis zu-sammengestellte Kolosse, Minerva, die den vergötterten Hercules dem Jupiter vorstellt. Myron'S vielumfassende Mannigfaltigkeit zeigte sich auch in der Wahlneuer, kühner Stellungen. Er verschmähte die zarten Ephebengestalten undzeigte seine Kraft in der Darstellung der ausgearbeitetsten Arhletenkörper. SeinLäufer, sein Wurfscheibenschleuderer und seine Pankratiasten sind berühmt,diesen Kreis schloß sein Ideal des Herkules. Überdies sind unter den Thierge-stalten seine Kuh und sein Seedrache berühmt. Nur Eins war diesem großenBildner versagt, die Grazie des Ausdrucks; hierin übertraf ihn sein NebenbuhlerPythagoraS von Rhegium, der die Wellenlinie als Schönheitszug bestimmte undzuerst die Nerven und Lidern zart anzudeuten verstand. Dieser schuf das Idealdes Apollo in der Stellung des Pythouschützen, dessen Nachbildung die herrlichsteStatue ist, die wir noch besitzen, der Apollo von Belvedere . Dritte Periode.Schöner Kunststyl. Sokrates, der Bildner der bekleideten Grazien, machtden Übergang zu dieser Kunstepoche, sowieAthenodoruS und NaucydeS. Praxitelesund SkopaS brachten die Kunst zur höchsten Vollendung, indem sie Schönheit mitAnmuth vereinten. Die berühmtesten Werke des Skopas waren seine rasendeBacchantin (ein Gott schien diese Mänade zu beseelen, der weit rückgebogene Kopfvereinte die höchste Schönheit mit bacchischem Wahnsinn), sein Amor, seine Venus(wahrscheinlich das Vorbild der mediceischen) und seine Gruppe, der Triumph desAchilles, den Theris nach seinem Tode in die glücklichen Inseln führt, wobeiSkopas Gelegenheit fand, zahllose Tritonen, Nereiden und Seeungeheuer in denanmuthigsten Gruppirungen zusammenzustellen. Praxiteles, der seelenvollste allerBildner, schuf die vollendeten Ideale der Diana und des Bacchus. Letztem bildeteer als Gegensatz zu den Satyrn und Faunen, die alles Rohe und Ausgelassene aus-drücken; er war mit zarter Weichheit gebildet, ohne weiblich zu sein, es war diepersonificirte ewige Fröhlichkeit im siegreichen Göttersohn, das holdeste und würde-vollste kor „iente im Spiel mit den scherzenden Umgebungen. Die Diana dieses