Band 
Erster Band. A bis Bl.
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908
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908 Birkenstock

man behauptet, der Enkel eines Stallknechts des Herzogs Jakob von Kurland undder Sohn eines kurländischen Gutsbesitzer?, Namens Bühren. Er studirte zu Kö-nigsberg und wußte sich auf eine Stufe des Ansehens zu erheben, die seine Ab»kunft verbarg. Sein angenehmes Äußere und sein gebildeter Verstand verschafften'ihm die höchste Gunst der Herzogin von Kurland, Anna, Nichte des russischenKaisers; dennoch gelang es ihm nicht, unter den kurländischen Adel aufgenommenzu werden. Als Anna (s. d.) 1730 den russischen Thron bestieg, wurde B., un-geachtet der ihr gemachten Bedingungen, von der Kaiserin mit Ehren überhäuftund am russischen Hofe eingeführt. Hier nahm er den Namen und das Wappen'der Herzoge von Biron in Frankreich an und behenffchte u. d. N. selbst seine Ge^bietet in. Stolz und hart, überließ er sich allen Leidenschaften des Haffes gegen dieNebenbuhler feines Ehrgeizes. Die Fürsten Dolgoruckv waren seine ersten Opfer;'11,000 Personen ließ er hinrichten, und 2 Mal so viel schickte er in die Verban-nung. Man versickert, daß die Kaiserin sich ihm bisweilen zu Füßen geworfen'habe, um ihn zu besänftigen, aber Bitten und Thränen derselben waren nichtfähig, ihn zu rühren. Doch brachte die Stärke seines Charakters Thätigkeit und'Kraft in alle Theile der Staatsverwaltung des großen Reichs. Anna zwang die^Kurländer 1737, ihren Günstling, der 1722 eine Kurländerin aus der FamilielTrotta, genannt Treyden, geheirathet hatte, zu ihrem Herzoge zu wählen. End-lich ernannte sie ihn, nachdem sie den Prinzen Iwan zu ihrem Nachfolger bestimmt'hatte, auf feinen Wunsch zum Regenten. Anna starb den 28. Oct. 1710. Derlnunmehrige Regent benahm sich mit Umsicht und Mäßigung. Allein bald entstand'ein geheimer Bund gegen ihn. Einverstanden mit der Mutter des jungen Kaisers,ließ ihn der Feldmarschall Münnich durch Manstein in der Nacht vom 10. zum 20.Nov. 1740 in seinem Bette verhaften und auf das Schloß LLchlüffelburg abführen.Man machte ihm den Proceß, fand aber keine Beweise für die ihm schuldgegebe-nen Entwürfe zu Gunsten seiner Familie; daher ward sein Todesurtheil in ewigeGefangenschaft verwandelt, sein Vermögen aber eingezogen. Man brachte ihnmit feiner Familie nach Pelim in Sibirien in ein Gefängniß, zu welchem Münnichselbst den Plan entworfen hatte. Im folg. I. kam Elisabeth, die Tochter Petersd. Gr., durch eine Revolution auf den russischen Thron, B. ward den 20. Dec.1741 zurückberufen, und Münnich mußte sein Gefängniß einnehmen. In Kasan !trafen die Schlitten zusammen; Beide erkannten einander und fetzten ihre Reife'fort, ohne ein Wort mit einander zu wechseln. Nun lebte die Familie D. imIaroslaw auf einem sehr anständigen Fuße. Nach 22jähriger Verbannung riefPeter 111. 1762 sowol den Herzog als Münnich zurück. Als Katharina II. denThron bestieg, bekam B. 1763 das Herzogthum Kurland zurück, regierte mitWeisheit und Milde, übergab 1769 seinem ältesten Lwhne Peter die Regierungund endete den 28. Dec. 1772 sein unruhiges Leben. W. (v. Helbig'S) „RussischeGünstlinge"; Schmidt-Phiseldek'S „Materialien zur russ. Geschichte", 2. Thl.,und „Biron'sLeben" (Bremen 1742, 2. Abkh.).

BirkenstocksIoh. Melchior, Edler v.), k. k.Hofrath, geb. zu Heiligenstadt im TichSfelde den 11. Mai 1738, erwarb sich um das Schulwesen in den östr. Lan-den unsterbliche Verdienste. Nach Vollendung seiner Studien ging er nach Wien ,ward in der k. k. geh. Staatskanzlei angestellt und gewann bald großen Einfluß aufdie Studien- und Censurangelegenheiten. Unter Joseph II. zum Mitglied derStu-diencommission ernannt, war er unablässig bemüht, die Schulen zu verbessern undgeläuterte Grundsätze einzuführen. Als die Erziebung dem Piaristenorden überge-ben wurde, ward er in den Ruhestand versetzt. Er starb den 30. Oct. 1809. Seingebildeter Geschmack, richtiger Blick und seine humanistische Bildung zeichneten ihnunter den östr. Staatsdienern Vortheilhaft aus. Als Schriftsteller hat er sich nurdurch die Gewandtheit, im Lapidarstvle sich auszudrücken, berühmt gemacht.