920 Blauer Montag Blausäure
wurde die Einimpfung der Kinderbettern zuerst in England, jedoch nicht chneWi-derspruch vieler Arzte, und von dort aus in andern Ländern gebräuchlich, doch nie ,allgemein, theils weil noch vielDorurtheil dagegen herrschte, theils weil dieKrank-,heit, wenngleich gelinder, doch nicht ganz gefahrlos war, und Kinder selbst an dengeimpften Blattern starben. In neuererZeit hat die viel wohlthätigere und sicherereImpfung der Kuhblattern jene ganz verdrängt. (S. Inokulation, Jenner ,Kuhpocken.) II.
Blauer Montag, in der Handwerkssprache derjenige Montag, an wel-'
, chem die Gesellen eines Handwerks einen Feiertag machen. Zu Anfange des 16.Jahrh, soll die Gewohnheit stattgefunden haben, desMontagS in der erstenFastenrWoche die Kirchen mit violettem oder bläulichem Tuche oder Zeuche auszuschlagen.An diesem Montage machten sich die Handwerksgesellen von der Arbeit frei undsollen ihn von der blauen Farbe der auSgefchlagene» Kirche den blauen Montag ge-nannt haben. In der Folge dehnte man diese Arbeitsfreiheit auf alle Montagein den Fastenwochen und späterhin auch auf die Montage aller andern Wochenaus, auf welche man daher jenen ältern Namen übertrug. Andre erklären blauen 'Montag durch heitern, arbeitsfreien Tag; sie leiten diese Benennung von derblauen Farbe des Himmels, dem Sinnbildc der Heiterkeit, ab, und unterstützen'diese Ableitung mit dem Grunde, daß die blaue Farbe überall als Sinnbild der -Freude gelte. 11.
Blau färbe, B laufa rben werke, f. Kobalt.
Blauofen, s. Eisen- und S ch a ch tö fe n. !
Blausäure (.iciiluin Iier»Iii,e,nii-!>,i,',!5;i,'iini, sivclrocvanicum) isteine von den wenigen Säuren, in welchen kein Sauerstoff, sondern anstatt desselbenWasserstoff vorhanden ist, daher sie auch nicht alle chemische Eigenschaften der übri-gen Säuren hat. Ihre Basis scheint eine Verbindung von Kohlenstoff und Stick-stoff zu fein und wird jetzt gewöhnlich als Blaustoff bezeichnet. Diese Säurewird theils aus thierischen und vegetabilischen Theilen (als Produkt) durch Be- iHandlung mitKali undEäure» gewonnen, theils kommt sie auch in manchenPflan- 'zenkörpern, welche den Geruch von bittern Mandeln habe» (z. B. in diesen selbst, inden Kirschlorberblätiern, Kirsch- und Pnrsichkei neu:c.) vor und kann alsEductgewonnen werden. In ihrem reinen Zustande ist sie gasförmig, entzündet sich ander Luft leicht, detonirt mit EauerstoffgaS, brennt mit einer gelblich blau undroth gemischten Flamme und wird vorn Wasser und Alkohol aufgenommen. Wieandre Säuren verbindet sich auch diese mit Metalle», den Alkalien und Erden zuverschiedenen Salzen, unter deuen das blaufaure Eisen als Berlincrblau (s. d.)deßhalb bemerkenswerth ist, weil es theils die Veranlassung zur Entdeckung derBlausäure gab, theils zu technischen Zwecken in großer Menge bereitet wird. Fürden thierischen Körper ist die reine Blausaure das durchdringendste Gift, was mankennt; sie tödtct schneller als irgend ein andres, oft in demselben Augenblicke, alssie in den Magen kommt, ja die kleinern Thiere selbst, wenn sie nur du Zunge odereine wunde Fläche berührt. Euien Vogel tödtet ein einziger Tropfen von der gesät-tigten, wässerigen Auflösung; etwa 8 Tropfen todten einen Hund; eine verhält-»ißmäßig größere Menge den Menschen. Die dem Tode vorhergehenden Er-scheinungen bestehen vorzüglich in Starrkrämpfen. Gegen eine große Menaekann es kein Gegengift geben; bei geringerer Menge sucht man das Gift zuerstdurch Erbrechen wieder auszuleeren, wendet Kalten in nicht vollkommen kohlen-saurem Zustande an, um das Gift zu Neutralismen, und gibt Caffeeaufguß oderläßt, wie Pü'fila räth, alle halbe Etunden 3 oder 4 Löffel voll Terpentinöl in einemCaffeeaufgusse nehmen. In kleinen Gaben hat man diese Emire, selbst im reinenZustande, in den neuesten Zeiten gegen manche Krankheiten (z. B. Keuchhusten,Asthmen, Lungensucht, Krumpfe m.) mit Nutzen als Arzneimittel angewendet,