Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Bvifseree'sche Gemäldesammlung

ten, eine würdige Ansicht von der Kunst unserer Vorfahren zu verbreiten, dies istallgemein bekannt. Heidelberg , eine blühende Universitätsstadt, in der besuchte;sten und schönsten Gegend Deutschlands , war der geeignetste Ort für diese edleThätigkeit. Jedoch würde sie den raschen und weltumfassenden Erfolg nicht ge-habt haben, wenn nicht die Weltbegebenheiten 1813 —15 nach und nach die aus-gezeichnetsten Männer nach Heidelberg geführt hätten. Das lebhafte Interesse,welches die neugestiftete, dem Ruhme von Altdeutschland gewidmete Sammlungmitten in dem Kriegsgetümmel des großen Hauptquartiers, während jener entschei-denden drei Wochen des Sommers 1815, bei den bedeutendsten, ja bei den höch-sten fürstlichen Personen erregte, wird als ein Beweis von dem mächtigen Einfluß,den die höhere Bildung zu unserer Zeit gewonnen hat, ewig denkwürdig bleiben.An diese zahlreichen und glänzenden Besuche der Sammlung reihten sich jenean, welche Göthe ihr und unsern Freunden im Herbste 1814 und 1815 schenkte.Er faßte mit seinem großen Geiste die neue Welt, womit er sich umgeben sah,freudig auf und zollte den Verdiensten unsrer alten Meister einen Beifall, derum so wahrhafter war, als das mit oberflächlicher Kenntniß und mit einer falschenMystik gepaarte Modetreiben einiger jungen Künstler und Kunstfreunde ihn fastfeindselig gegen alle ältere christliche Malerei gestimmt hatte. Das erste Heft über„Kunst und Alterthum" war eine Frucht dieser Besuche. So war Göthe der Erste,welcher die beiden historischen Hauptresultate der Sammlung: über das Verhält-niß der ältesten deutschen Malerei zu der byzantinischen Kunst, und über die wahreWirksamkeit des Job. v. Eyck, öffentlich anerkannte und das große Publicum da-von unterrichtete. Diese Theilnahme mußte den Bestrebungen unserer Freunde einenneuen Schwung geben. Die Sammlung wurde durch wiederholte Reisen in dieNiederlande und nach Franken auf das zweckmäßigste vermehrt; herrliche Werkevon Eyck, Malusse, Dürer, Orley und andern Meistern wurden derselben ein-verleibt, und 1811 kam der viel bewunderte lebensgroße Ehristuskops von Hemlingdazu. Gegenwärtig enthält die Sammlung eine möglichst vollständige Reihe vonmehr als 200 Gemälden der bedeutendsten deutschen Maler des 14., 15. und 18.Jahrh. Da aber diese Gemälde meist alle von großem Umfange sind, so wurdeder Raum selbst der größten Privatwohnung zu enge, um auch nur die ausgezeich-netsten Stücke gehörig aufstellen zu können. Der König von Würtemberg mit derKönigin Katharina, die Kaiserin Mutter von Rußland begleitend, überzeugte sichim Herbst 1818 von diesem bedrängten Zustande und ließ den Besitzern auf dasgroßmüthigste ein geräumiges Gebäude in Stuttgart zur freien Benutzung anwei-sen. Nun verließen die drei Freunde im Frühlinge 1819 Heidelberg, wo sie wäh-rend eines 9jährigen Aufenthalts sich die edelsten Freunde erworben hatten. InStuttgart wurde die Sammlung ihrem größern und wichtigern Theile nach zuerstvollständig aufgestellt. Die große Wirkung, die diese höchst zweckmäßige Aufstellunghervorgebracht, der fortdauernde Besuch des einheimischen und reisenden Pnblicums,und das übereinstimmende Urtheil der unbefangensten Laien aus allen Classen derGesellschaft, wie das der gelehrtesten Kunstkenner und genialste» Künstler des Jahr-hunderts: Alles dieses hat die Besitzer immer mehr ermuthigt, die schönen Erb-stücke vaterländischer Kunst allen sinnvollen Menschen, unter der größten Aufopfe-rung von Zeit und Bequemlichkeit ihrerseits, genießbar und lehrreich zu machen.Die öffentliche Meinung Würtembergs hat sich durch einstimmige, rühmlicheErwähnung in der -L>tändeversainmlung von 1820 ausgesprochen, und die StadtStlittgart hat durch den Antrag des Bürgerrechts, der den drei Freunden von Sei-ten ihres Stadtraths 1822 gemacht worden ist, die edeln Gäste dankbar geehrt.—Eine Folge der angemessenen Ausstellung der Sammlung war auch, daß die Be-sitzer nun auf den oft geäußerten Wunsch Rücksicht nehmen konnten, Nachbildun-gen von den vorzüglichsten Werken ihrer Sammlung zu veranstalten und dieselben