an die Stelle der alten Abgaben gesetzt. Allein im Ganzen überließ er, wie auchGraf Orloff (in s. „lUemuire-, HUI !e rxv. <Ie dinple!,") bemerkt, die Geschäftsfüh-rung dem geschmeidigen und seinen Salicetti, dessen ganzes Talent darin bestand,Complotte zu erfinden und dieSchlachtopfer zu mehren. Neben trefflichen Anstaltenfür die Rechtspflege bestanden nämlich Kriegsgerichte und außerordentliche Commis-sionen, von welchen eine große Zahl Menschen, ohne Beobachtung der strengern recht-lichen Formen, zum Tode vcrurtheilt wurden! — Aber ehe noch der neue Staat ge-ordnet war, versetzte Napoleons Machtwort seinen Bruder Joseph, den 6. Juni1808, auf den noch wankendern Thron Spaniens und Indiens , von welchem dieBourbons damals herabgestoßen worden waren. Bor seiner Abreise von Neapel ,den 23. Juni, machte Joseph die eiligst entworfene Constitution desReichs bekannt,und Joachim Murat trat in seine Stelle ein. (S. Mura t.) Nachdem hierauf inBayonneSpaniens neue Constitution von der Junta beschworen worden war, reisteJoseph von Bayonne ab und hielt seinen Einzug in Madrid am 20. Juli. Doch ge-langte er nie zuni ruhigen Besitz des spanischen Throns, und über seine ungünstigenVerhältnisse während dieser Zeit s.m. Spanien . Nach der Niederlage bei Vikto-ria, den 21. Juni 1813, lebte er inFrankreich dem Vergnügen auf seinem LandsitzezuMorfontaine, und befehligte, als die verbündeten Heere 1814 inFrankreich vor-drangen, die Nationalgarde von Paris , bewies aber dabei große Unentschlossenheit.Endlich gab er seine Zustimmung zu der Capitulation von Paris , welche Marmontabschloß, und entfloh mit der Kaiserin nach Bloir. Nach Napoleons Absetzung zoger sich, mit einem ihm zugesicherten Einkommen von 500,000 Fr., in das Waadklandzurück, wo er das Landgut Prangin kaufte. Bei Napoleons Rückkehr, 1815, erschiener wieder in Paris als franz. Prinz, Connetable und Pair des Reichs; allein nachder Wchlacht von Waterloo schiffte er sich zeitig genug nach den Verein. Staatenvon Amerika ein, wo er nebst vielen Begleitern im Sept.zu Neuyork anlangte undsich bald daraus in Trenton (Neujersey) ankaufte. Er lebt jetzt aus seinem Land-gure, welches früher Moreau bewohnte, in der Nähe von Bordentown, am Dela-ware im Staate Neujersey, 5 Meilen von Philadelphia, mit dem Lantbauund den Wissenschaften beschäftigt, als reicher Privatmann u. d. N. eines G ra-sen von Survilliers. Joseph sieht seinem Bruder Napoleon sehr ähnlich,doch drückt sein Geficht niehr Freundlichkeit und Annehmlichkeit aus. Er ist derWohlthäter seiner Land «lenke und wird von seinen Nachbarn sehr geliebt. Er hat1799 einen Roman, „Moina", geschrieben, der 1814 neu ausgelegt wurde. «LeineGemahlin, die Gräfin Survilliers , lebte mit ihren beiden Töchtern seit dem Aug.182" in Brüssel , von wo die eine Tochter sich nach Philadelphia zu ihrem Vaterbegab. Mutter und Schwester folgten ihr dahin später; 1824 kam die jungeGräfin Survilliers, Josephs Tochter, in Brüssel wieder an, um sich mit demSohne des Grafen St.-Leu, ihres Oheims, zu vermählen.
Bona parke (Napoleon ). Das Leben dieses außerordentlichen Mannesist geschlossen, aber das Zeitalter, dessen Held er war, wird seinen Namen derNachwelt übergeben. Noch liegen nicht alle Urkunden und Beweismittel offen voruns, nach welchen die Geschichte ihr unwiderlegliches Urtheil über ihn fallen kann.Wir sammeln also nur Thatsachen aus dem Lebe» eines Mannes, den Europa erst bewunderte und fürchtete, dann besiegte und verurtheilte. Napoleon Bona-parte ist nicht, wie Einige behauptet haben, den 5. Febr. 1768, sondern d. 15.Aug. 1769 geboren. Er selbst legte auf den Adel seiner Familie keinen Werth.Mir den Worten: „Ich will meinen Adel nur von mir datiren, und meine Ein-sprüche nur vom französischen Volke haben", waiff er eine aus italienischen?lrchivengezogene Urkundensammlung über das Alter seines Geschlechts inö Feuer. DerGouverneur von Corsica, Graf von Marboeuf, verschaffte dem jungen Napoleon eine königl. Freistelle in der Militairschule zu Brienne, wo er von 1778 — 84