Bonaparte (Lucian)
sich das Wohlwollen des Papstes erwarb, der ihm in der Folge viele Beweise seinerAchtung gab. Das Institut nahm ihn am 3. Febr . 1803 zum Mitglied für dieClasse der politischen und moralischen Wissenschaften auf, und kurz nachher erhielter die Senakorie Trier . Darauf nahm er Besitz von den der Ehrenlegion in denRhcindepartementS und in Belgien zugetheilten Gütern. Stets hatte er sich jedochNapoleons Etreben nach Alleinherrschaft widersetzt; daher die immer mehr zu-nehmenden Mißhelligkeiten mit seinem Bruder. Als endlich Ende desselben JahresLucian die schöne Witwe desBanguier Iouberton, gegen Napoleons Willen, derihm die verwitw. Königin von Hetrurien zur Gemahlt!: vorgeschlagen, geheirathet(seine erste Frau war 1802 gestorben), und Napoleon nach der Kaiserkrone gegriffenhatte, wurde die Spannung unter den beiden Brüdern so stark, daß Lucian, um(wie man sagt) einer Verhaftung zu entgehen, sich 1804 nach Italien begab, die4 Meilen von Rom gelegene Villa de Nemori kaufte, und dort seiner Familie, denKünsten und den Wissenschaften lebte. Der Kaiser bot ihm wiederholt den Thronvon Italien, den Thron von Spanien an, verlangte aber auch stets die Trennungvon seiner Gattin. Bei einer Zusammenkunft mit Napoleon zu Mantua im Nov.1807 schlug ihm dieser ».And. auch die Verheirakhung seiner ältesten, damals 12Jahre alten Tochter (jetzt vermählten PrinzessinPossedi) mit dem Prinzen vonAstu-rien vor; allein sie hatte den Muth, den Antrag aus,»schlagen. Hierauf trugman dem Prinzen Ferdinand die Mademoiselle Tascher an (die nachher die Gemah-lin des Herzogs von Aremberg wurde und jetzt geschieden ist); allein Ferdinandschlug sie aus, weil er sich nur mit Napoleons Geschlecht verbinden wollte. Lucianselbst erbitterte durch seinen Widerstand den Kaiser so, daß er sich nach Nordame-rika in Sicherheit begeben wollte. Er bat daher den englischen Gesandten am sar-dinijcben Hofe, Hill, um Pässe von der enql. Regierung, und auf dessen Verspre-chen schiffte er sich den 5. August 1810 zu Civita-Vecchia mit seiner Familie, einemGefolge von 35 Personen und seinem beweglichen Eigenthum ein. Ein Sturmnöthigte ihn, in Cagliari einzulaufen. Aber das engl. Ministerium verweigertedie Pässe, und Lucian durfte nicht einmal ans Land geben. Beim Auslaufen ausdem Hasen wurde sein Schiff angehalten, und H. Atair, der sich eben als briti-scher Gesandter nach Konstantinopel begab, ließ ihn, durch Hill veranlaßt, nachMalta bringen, wo Lucian dem londner Cabinet als die einzige Absicht seiner Reisenach Amerika angab, dort sicher als Privatmann zu leben. Das wurde ihm abernicht zugestanden. Er ward im Dec. desselben I. nach England gebracht, dochmit Auszeichnung behandelt. Lord PowiS überließ ihm anfänglich sein schloßStonehouse, bei Ludlow ; dann bezog er das von ihm erkaufte Schloß Tomgrovebei Worchester, wo er unter Aufsicht blieb und eine» englischen Obersten zum Ge-sellschafter hatte. Einige Zeit nachher ward im Parlament die Frage aufgeworfen,ob Lucian Bonaparte, da er arglos englische Pässe zu erhalten geglaubt, als Ge-fangener angesehen werden dürfe? Nach mancherlei Debatten ward er, da er derfranz. iLcnatorwürde noch nicht entsagt, zum Kriegsgefangenen erklärt, in seinemVerhältniß aber Nichts geändert. Napoleons Sturz (1814) gab ihm die Freiheit,und er ging wieder nach Rom. Noch in London gab er sein mittelmäßiges, abermit dem größten typographischen und chalkographischen Lupus verziertes, dem Papstezugeeignetes Heldengedicht: „<'.b.->rlrn>->xn<-r>» »HÜ;« <I,-livi<-r", in 21 Gefan-gen, heraus, worin er gegen seinen Bruder eifert und die Bourbons erhebt. DerPapst belehnte ihn dafür mit dem von L. erkauften kleinen Fürstenthum Caninound dem Titel: s>, lneft>c Ol Als Napoleon 1815 von Elba aus Frank-
reich wieder in Besitz genommen hatte, begab sich Lncian, durch seine SchwesterPauline Borghcse bewogen, zu ihm, »m einen Befehl an Murat, der Rom be-setzt hielt, zur Räumung des Kirchenstaats (mit Ausnahme einer Militairstraßedurch die Mark Ancona ) auszuwirken. Er erlangte diesen Brief an Murat in einer