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Botanik
bkhrlich gehalten. Indeß sink andre Fragen die: ob es mit der Natur überein-stimme, ob es zu Untersuchungen und Bestimmungen unbekannter (Gewächse ge-eignetsei, und ob es große und fruchtbare Ansichten über das Gewächsreich er-öffne? Auf Übereinstimmung mit der Natur kann Der nie Anspruch machen, wernur ein einziges leitendes Princip anerkennt, denn die Natur hat die Verschieden-heit der Formen in mehren Theilen, nicht blos in denen ausgedrückt, welche manfür die einzig wesentliche» hält. Auch kennen die Verhältnisse der GeschlechtS-theile bei sehr verwandten Pflanzen höchst verschieden, dagegen übereinstimmendbei ganz fremdartigen Gewächse» sein. Besonders ist dem Zahlenverhältniß mitRecht der Vorwurf gemacht worden, daß es auf keine Weise so standhaft sei, alsdies zu einer Norm svstematischer Anordnung erfodert wird. Dazu kommt, daßein großer, gewiß der vierte Theil der Gewächse, die sogenannten Kryptogamisten,gar nicht nach jenem leitende» Princip bestimmt werden kann, und daß wir beieiner bedeutenden Anzahl der übrigen Gewächse ganz ohne Hülfe bei der Unter-suchung wäre», weil» wir uns strenge an das Linnß'sche System halten wollten.Endlich muß man zugeben, daß, wer sich aus das letztere allein beschränkt, dadurchd n Blick auf den Zusammenhang des Gewächsrciches und auf die interessantestenVerhältnisse desselben einbüßt. Diese und andre Mängel fallen freilich erst dannauf, wenn man tiefer eingedrungen ist und sich umfassendere cktcnntnisse erworbenbat. Man bat sich dadurch bewogen gefunden, die natürliche Methode für Ge-übtere dem Linn>'sehen System vorzuziehen. Methode nennen wir diese Anord-nung , weil sie nicht ein einziges leitendes Princip von einem wesentlichen Theilhergenommen anerkennt, sondern dem großen Gange der Natur von den unvoll-kommnercn Geschöpfen zu den mehr vollendeten Bildungen folgt. Dabei wirddas gan^? Gewäcbsreich nicht in Classen, wie im Svstem, sonder» in Familienund Gruppen abgetheilt, unter welchen die Gräser, die Farrnkräuter, die Moose,die Obstarten und die Nadelhölzer bekannte Beispiele sind. Die Art, diese Fa-milien und Gruppen aneinanderzureihen, ist nicht ohne die größte» Schwierig-keiten. Via» ist nämlich genöthigt, weil man der Natur folgen soll, in allen undjeden Theilen, in dem innern Bau wie in den äußern Verhältnissen , Übereinstim-mungen und Verschiedenheiten aufzusuchen, wo», natürlich eine liefe und mühsa-me Ümersiichling gehört, von der der bloße Srstemaiiker kaum einen Begriff hat.Da man den Samen als den letzten Zweck der Vegetation ansieht, so müssen dessenTheile, ihre Bildung , Lage und übrige Verh.ütnisse auf das genaueste erforschtwerden, wozu sehr mühsame und oft mikroskopische Untersuchungen erwderr wer-den. Dafür hat man aber auch den unleugbaren Gewinn, sich in der Entdeckungder Verwandtschaften und in der Bestimmung unbekannter Pflanzen dergestalt zuüben, daß die letztere weit weniger Schwierigkeiten hat, als wen» man sich bloßan ein künstliches System hält. Die vorzüglichste natürliche Methode, welchewir in neuern Zeiten erhalten habe», ist die von Jassir», welche durch Decan-dolle vorzüglich erweitert ist. Dergleichen Untersuchungen und Bestimmungender Pflanzen machen das Hauptgeschäft des Botanikers aus. Zur Bestimmungeiner Pflaiue gehört aber, daß man ihr erstlich ihren Ort im System oder in dernatürlichen Familie anweise, daß man sie zweitens tüchtig benenne und drittens dieunterscheidenden Merkmale gehörig auffasse und kunstgemäß ausdrücke. JedePflanze führt zwei -Namen, deren einer die Gattung, der andre die Art bezeichnet.Ist die Pflanze schon bekannt, so muß man gewiß sein, daß sie die ist, welche dieAutoren unter diesem Namen auffuhren. Es gehört zu diesem Geschäft die Be-nutzung der vorzüglichsten Werke, die seit der Gründung der wissenschaftlichen Bo-tanik geschrieben sind. Man muß nämlich die gleichbedeutenden Namen in denwichtigsten Vorgängern Linn. 's kennen, weil diese die Pflanzen oft wahrer beschrie-ben und treuer dargestellt haben alö die Neuern. Man sieht also, daß die um-