Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Boudoir Boufflerg 128

gleich ;u spielen. In Berlin, von wo aus er neuerlich seinen Ruf für Deutschland gegründet hat, hat man treffend von ihm gesagt: er zerreiße mit demselben Strichdas Ohr, mit dein er das Herz entzücke, und er könnte der erste Violinspieler derWelt sein, wenigeres nicht vorzöge, der bizarreste genannt zu werden. B. hat über-dies durch seine Ähnlichkeit mit Napoleon , die er durch Gang, Haltung und Blickenoch auffallender zu machen weiß, Theilnahme erregt. Jeder glaubt den Ezkaiserzu sehen, wenn B. die Arme ineinanderschlägt. Er behauptet, diese seltene Ähn-lichkeit habe ihm zur Zeit der Restauration in Paris geschadet. 56.

Boudoir, ein abgelegenes, einfach und anmuthig verziertes Aimmerchen,zum Alleinsein bestimmt (von bonckc,, schmollen, daher Manche es durch S ch m o l l-zimmer chen übersetzen). Es mag also wol seinen Namen einem mißvergnüg-ten Ebemanne danken, dessen Gattin, wenn sie zu schmollen Neigung hatte, sichin ihr Zimmer einschloß. Das Boudoir ist ein Eigenthum der Dame und ihr Hei-ligthum. Hier flieht sie vom geräuschvollen Zwange der großen Gesellschaft in dieRuhe der Einsamkeit. Hat sie die Schwelle überschritten, die Thür hinter sich ge-schlossen, so ist sie sich selbst zurückgegeben. Musik, Lesen, Nachdenken, eine leichteArbeit, aber Alles ausNeiguna, natürlich, gefällig und von den Fesseln der großenWelt entbunden, füllen die erholende Zeit im Boudoir. Kein Fremder darf es be-treten. Auch die Freundin, der Gemahl selbst hat nicht freien Zutritt. Es gehörteine Erlaubniß dazu, und diese Erlaubniß ist eine Gunst, eine Auszeichnung. Aberder Ton des Boudoirs, immer anständig, ist auch freier, vertraulicher, natürlicher,gefälliger, als der abgemessene Ton des Gesellschaftszimmers.

Boufflers (StanislauS, Ckevalier de), Mitglied der franz. Akademie,Sohn der Marguisevon BoufflerS, Freundin des Königs StanislauS von Polen,geb. in Luneville 1737, ward für eine» der geistreichsten Männer seiner Zeit gehal-ten, und die Anmuth seines Umgangs ist als in ihrer Art einzig gerühmt worden.Zum geistlichen Stande bestimmt, in welchem seine Geburt ihn zu den böchstenWürden geführt hätte, erklärte er offen, daß sein Hang zum Vergnügen sich nichtmit den Pflichten dieses Standes vertragen würde. Er trat also in Militairdienste.Bald ward er zum Gouverneur vom -Lenegal ernannt; als solcher machte er vielenützliche Einrichtungen. Nach seiner Zurückkunst widmete er sich jener leichtenund leichtfertigen Literatur, die das Zeitalter Ludwigs XV. zu seinen! Nachtheileso sehr auszeichnet. Er ward der Abgott der Frauen und aller hohen Cirkel derHauptstadt. Mit nicht geringem Erfolge besuchte er die glänzendsten Höfe seinerZeit im Auslande. Sein Ruf führte ihn in die erste Nationalversammlung, woer sich durch Mäßigung und gute Vorschläge bemerkbar machte. Nach dem 10. Aug.1701 verließet Frankreich und fand beim Prinzen Heinrich v. Preußen inRheinS-berg und bei Friedrich Wilhelm II. die gastfreieste Aufnahme. Er erhielt in Polen eine große Besitzung geschenkt, auf welcher eine Colonie für franz. Auswandererangelegt werden sollte. 1800 kehrte er nach Frankreich zurück, wo er sich seinenliterarischeu Beschäftigungen hingab, die ihn 1804 in die franz. Akademie führten.Er starb am 18. Jan. 1815. Er ruht neben dem Abbe Delille, und auf seinemGrabmal steht die von ihm selbst herrührende Inschrift, die seinen heitern Charak-ter wohl bezeichnet: „»»nun,, ornvor g„e je clors". Seine Schriften sind in8 Bdchn. (12., Paris 1815) gesammelt erschienen. —Seine Mutter war langedurch die Grazie ihres Geistes und Körpers die Zierde und der Schmuck des heiternHofes des Königs StanislauS während dessen Residenz zu Luneville. Voltaire richtete an sie ein Madrigal, das so schloß:

8i voll» eussier vecu üu temp; üe Osbrielle,ne »si» pss ce gu on eut üit <j« von»,älsis on n'sul-oit point pgrle <j eile.

Sie starb 1787. — Der Marschall von Boufflerg, geb. 1644 und 1711 gest.,Evm>erßuionr «KHcoii. Bd. II. 9