128 Boucher (Franhois) Boucher (Alexandre Jean)
Doucher (FrancoiS), erster Maler des Kön gs und Director der Maler-akademie, geb. zu Paris 1704, st. 1770. Als Schüler des berühmten Le Meinegewann er in einem Alter von 13 Jahren den ersten akademischen Preis. Nach-dem er zu Rom kurze Zeit studirt hatte, kam er nach Paris zurück und ward derMaler der Grazien genannt: eine Benennung, die er durch seine Gemälde nichtrechtfertigte. Er würde vielleicht etwas Großes haben leisten kennen, wenn ihnnicht der verdorbene Geschmack seines Zeitalters, der das Gezierte und Schlüpfrigeliebte, angesteckt, und er nicht selbst ein liederliches Leben geführt hätte. Die Leich-tigkeit, mit welcher er arbeitete, verleitete ihn zu einer übereilten Flüchtigkeit ohneGründlichkeit und Studium. Seine Zeichnungen sind verfehlt, seine Farben nichtgehörig verschmolzen, besonders ist er im Nackten so grell, als ob der Wchein einesrothen Vorhanges darauf fiele; mit Einem Worte: er ist als der Zerstörer der franz.Schule anzusehen. Übrigens kannte er weder Neid noch Geiz, und ermuntertejunge Künstler aus allen Kräften. Mit welcher Leichtigkeit er gearbeitet habe, be-weist die fast ungeheure Menge seiner Gemälde und Zeichnungen, von welchen letz-tere sich auf mehr als 10,000 belaufen mögen. Er radirte selbst einige Blätter;nach ihm aber hat man unzählige Kupferstiche.
Boucher (Alexandre Jean), oder wie er sich selbst nach dem Vorgänge einesfranz. (Journals zu nennen pflegt: l',1!exi>n,I,e<!t.'s -!>>!>>»;. einer der merkwürdig-sten, aber barocksten Violinspieler, istden I I.Llpr. 1770 zu Paris geboren. Schonü» 6. Jahre ließ er sich vor demDauphin, und im 8. öffentlich hören. Als er etwa12 Jahre Zählte, war er genöthigt, auf Tanzböden zu spielen, um für sich undseine Ältern Unterhalt zu gewinne», ja er ging bei dem Vicomte de Marie, vor-trefflichem Violin-und Harfenspieler, förmlich in Dienst. Niemand wollte sich fin-den, der aufdem damaligen 1'ü<üU, e »In lu 6>iö in einer berühmte» Poffe die Rolleeines Fiedlers aufdem Theater selber übernehmen sollte, als der originelle, lebhafte,junge B. die Partie übernahm und hier alle Abende durch seine rollen Streicheganz Paris zum Lachen zwang und sich selbst eine wunderliche Berühmtheit erwarb.Sein lebhafter Geist riß auch ihn in den Strudel der Revolution. Er zeichnete sichals Milirair aus und führte kleine Haufen in den Tagen des 13. Vendemiaire und4. Prairial. Nach hergestellter Ruhe ließ er sich im Orchester des Theaters Fev-deau anstellen und hielt später um die Lehre» stelle im Conservatorium an, die durchRode's Abreise erledigt war. Sein unruhiger Charakter aber und seine außeror-dentliche Eitelkeit hatten ihm zu viel Feinde zugezogen, als daß er zum Besitz einerso wichtigen Stelle hätte gelange» sollen. Er ging daher mißmuthig nach Spanien .Hier mußte er anfänglich mit Unkcnntniß der Sprache und manchem Mangel käm-pfen, bis der verst. König Karl I V., der selbst ein leidenschaftlicher Violinspielerwar, von ihm hörte und ihn zum ersten Solospieler seiner Capelle ernannte. Nachmehren Jahren ging er nach Frankreich zurück, wo er seitdem mit seiner Gattin,Celeste Boucher, einer ganz vollendeten Harfenistin, als Privatmann lebte, sich oftmit ebenso nngemeffenem Beifall, als ohne allen Erfolg hören ließ. 1813 über-nabm er in Bern die Orchesterdireclion einer großen musikalischen Aufführung derHavdn'schen Schöpfung. Aus Dankbarkeit schlug man ihm zu Ehren eine goldeneMedaille mitder Inschrift: „4 l'.V!>'xi,in!rr Ilnnclxn". 1814 ging er nach Eng-land. In Dover wollten die Douanen sein Instrument confisciren, aber B. griffschnell danach, spielte das 6ml tl>e King- mit Variationen, und die obernBekörden ließen ihn in Frieden ziehe». Dergleichen originelle Züge gibt eS un-zäblige, denn B. ist einer der barock-genialsten, wunderlichste» Menschen imLeben wie in seiner Kunst. Er entwickelt in einem Augenblicke die vollendetsteMeisterschaft, während er wieder in andern wie ein Stümper kratzt. Er spieltein 'Adagio mit allen, Gefühl, aller Süße, deren das Instrument in»' fähig ist,und spannt plötzlich die Violine durch den Bogen, um auf allen 4 fairen zu-