Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Brief

Art. Canäle u. Egerton.) Die Stadt Brid gewater, von 5000 E., obgleich12 engl. Virilen von dem Meere entfernt, hat doch den Dortheil einer Flut, die auftz Faden steigt, und nur den Nachtheil, daß sie gar zu schnell anläuft. Schiffe von200 Tonnen können bis zur Stadt gelangen, und kleinere sogar bis Taunton undLangport. In dieser von der Industrie und dem Reichthum eines unternehmendenPrivatmanns neu geschaffenen Bevölkerung lebt Alles vom Handel, besonders mitzugesührtcnProdukten. FastalleSekten cngl.DissenrerS haben hier Kirchen. Eineeiserne Brücke über die Barrel verbindet die Stadt B. mit der Vorstadt Eastover.

B r i e s, der, ist seinem Ursprünge nach eine schriftlich abgefaßte Mittheilung,welche an bestimmte abwesende Personen gerichtet ist. Aus diesem Begriffe beruhtdie ganze Theorie des BriefstylS, und alle Anfoderungen, welche das Äußeredes Briefes betreffen. Wen» man von dem Briefe das Schreiben unterscheidet, dasauch Sendschreiben genannt wird, so schließt man damit gewöhnlich die offwielleMittheilung oder die Mittheilung an eine öffentliche Behörde von dem (gebiete desBriefeSauS; man sagt dann z. B. ein AnhaltungSschreiben, nicht Brief, bischöf-liches Sendschreiben :c. Es bliebe sonach der Brief aus die Privatniittheilung be-schränkt. Einige setzen den Unterschied darein, -aß man unter dem Ausdruck Schrei-ben einen längern und ausgeführter» Brief, unter der Benennung Brief im engernSinne aber nur ein kürzeres Schreiben verstehe. Mag diese Unterscheidung sichauch auf den Ursprung des Wortes Bries berufen (wahrscheinlich aus Ilrer c-), soist sie doch weniger allgemein als die angeführte. — Der Brief bezieht sich aufunser Verhältniß zu ander» Personen, sodaß man durch denselben nicht bloß Ver-bindungen knüpft oder dieselben zu erhalten sticht, sondern auch engere Verbindun-gen aus diesem Wege auslöst. Er vertritt die Stelle des Gesprächs, daher derSchreibende immer auf Dasjenige Rücksicht zunehmen hat, was der Abwesendeihm erwidern würde, wen» er mit ihm spräche. Die wichtigste Regel für dasBriesschrciben ist daher, sich das Verhältniß zu dem Abwesenden und die Um-stände, durch welche dieses Verhältniß gegenwärtig bestimmt wirk, klar vor Augenzu stellen. Indem nun der Brief die Stelle mündlicher Mittheilung vertreten soll,so nähert er sich auch an Leichtigkeit und Natürlichkeit derselben mehr als eine andreschriftliche Darstellung und muß wenigstens den Schein des Unvorbereitete» haben;da er aber schriftliche Mittheilung ist, so ist er doch an sich weniger nachlässigund überlegter als jene, und muß den Nachdruck, den bei der mündlichen Um-terredung Ton und Gebärden hervorbringen, durch Angemessenheit und Bestimmt-heit des Ausdrucks, sowie durch Folge und Zusammenhang der Gedanken ,» er-setzen suchen. Er kann jedoch nicht überhaupt als Anrede an Abwesende betrach-tet werden, denn dies würde ihm eine Einförmigkeit geben, welche wenigstensdem vertraulichen Briefe fremd ist, welcher durch Vielseitigkeit der Wendungen oftGesprächsform annimmt. Von der andern Seite aber kann man auch die Fede-rung der Leichtigkeit und Natürlichkeit nickt in der beliebten Regel aussprechen:„Man schreibe so, wie man im vorliegenden Falle mit einer Person sprechen würde";denn die schriftliche Mittheilung übe«Haupt bar ihre nicht zu vertilgenden Eigen-thümlichkeiten; sie fodert, daß Alles bestimmter und zusammenhängender ge-dacht sei, weil die Handlung des Schreibens eine absichtliche ist, und indem sielangsanier von statten geht als das Sprechen, anch mehr Zeit und Ruhe zumNachdenken verstattet. Selbst der Erfahrung widerstreitet der Ausdruck jenerRegel, denn in unzähliche» Fällen will der Schreibende die mündliche Unterredungmir der Person, an die er schreibt, durch seinen Bries umgehen und vermeiden, undmitbin schreiben, was er mündlich so nicht sagen würde. Doch versteht es sich, daßdie Sittlichkeit, die über alle Verhältnisse gebietet, auch die persönlichen Verhält-nisse, aus welche sich der Brief bezieht, tu> chdringen und veredeln soll. Das Wahrejener Regel ist diher, der Brief soll an Lebendigkeit der mündlichen Unterhaltung