Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Brown (John)

Medicin zu studiren, ging er endlich nach Edinburg . Hier erwarb er sich durchÜbersetzungen, auch wol durch Verfertigung der InauguraldiSputationen fürdie Studenten und durch Unterricht in der lateinischen Sprache seinen Lebensunter-halt , und besuchte zugleich die mediciiiischen Vorlesungen, welche er alle frei be-kam. 178-', verheirathete er sich und nahm Studenten in die Kost, um denqrößcrn Aufwand seines Hauses bestreiken zu können. Im Anfang entsprach derErfolg seiner Erwartung; allein er lebte auf einem zu großen Fuße und machteBankrutt. Die medicimschen Vorlesungen besuchte er dabei 10 bis 11 Jahrelang unausgesetzt. Der Pros. Cullen übertrug ihm den Privatunterricht in seinerFamilie, unterstützte ihn anfalle Art und erlaubte ihm sogar, Abendvorlesungenzu halten und in dipscn seine eignen Morgenvorlesungen zu wiederholen, wozu erihm selbst seine Hefte anvertraute. Nach und nach entstanden jedoch zwischen bei-den Männer» Mißhelligkeiten, die endlich zu offenbarer Feindschaft führten. Baldnach diesem Bruche mit Cullen trat D. nur seiner neuen Theorie der Heilkundehervor unk gab 177ö seine „i.l, menl« " heraus, worüber er auch Vor-

lesungen hielt. Er gerielh darüber mit allen Lehrern der Medicin in Edinburg in Feindschaft, lind die mitunter freie Aufführung seiner AnbängerunterdenStu-denten, sowie der anmaßende und beleidigende Ton, in welchem er von sich undLindern sprach, brachten das System nebst seinem Urheber in schlechten Ruf. ZweiMal (1776 und 1780 wurde B. zum Präsidenten der mediciiiischen Gesell-schaft gewählt. Au St.-Andrews in Schottland , wohin er unterBegleitung vie-ler Freunde ging, nahm er die Doctorwürde an. 1782 lind 1783 wurden dieProfessoren und alle Ärzte in Edinburg von B.'S Anhängern so gereizt, daßdie dadurch angeregten Streitigkeiten nicht selten in Duelle übergingen. B.sprach von der Gelehrsamkeit, den Talenten und dem System der medicinischerlProfessoren mit der größten Verachtung. Dagegen sollten auch die Studentennicht einmal in ihren Dissertationen Stellenaus B.'s Schriften anführen. 1784stiftete er, um sieb Auhänger zu machen, die Freimaurcrgcsellschaft, die Logezum röm. Adler genannt. In seinen Vorlesungen war er gemeiniglich sehr lebhaftund geriet!) oft in großes Feuer. Von einer solchen Stimmung schreibt sich sein Aus-ruf des bekannten, nachher oft als Machtspruch angeführten: O,,,»», uxstxrule!»<>>> sc-st-it! her. Bisweilen, wenn ersieh nnrvielerAnstrengung bestrebte, seinenZuhörern die Grundsätze seiner Theorie recht lebhaft vorzustellen, und hierauf sichniatt fühlte, pflegte er sich dadurch wieder zu ermuntern, daß er 10 btS 50 TropfenLautanum i» einem Glase Rum nahm und diese Gabe 1 bis 5 Mal während derVorlesung wiederholte. Hierdurch wurde seine Einbildungskraft bis zuni Wahn-sinn erhöht, seine Gesundheit aber gänzlich untergraben. Lein Eifer in seinenVorlesungen hielt nicht lange an, und in eben dem Verhältnisse wurden auch feineSchüler saumseliger. Endlich kam er Schulden wegen ins Gefängniß, wo jedochseine Schüler seine Vorlesungen noch besuchten. 1786 zog er nach London ; esging aber dort nicht besser. Vorlesungen über sein System wurden zwar von ihmangekündigt, kamen aber nicht zu Stande. 1787 gab er seine Bemerkungenüber die alten Systeme der Physik heraus. Er lebte nach gewohnter Meise fort.Lelbst feine best-n Freunde mußten sich seiner schämen und zogen sich immer mehrzurück. Mit der lebhaftesten Gewißheit sprach er von dem Triumphe, den seinSrstem endlich erhalten würde, that aber selbst wenig dabei. Im L)ct. 1788 starber in der Nacht am Lchlagflusse, nachdem er den Abend vorher noch eine reichlicheGabe Ppiiim zu sich genommen hatte. Edinburg nahm sich dpr hinterlassenenFamilie an. Wie jede neue Theorie, zumal wenn sie der bisE gangbaren einengänzlichen Umsturz droht, große» Widerspruch findet, so ging es auch der Brow»'-schen Lehre. Der üble Ruf, in welchem der Urheber in seinem Vaterland-'stand,seine Feindschaft mit Cullen, Monro, Duncan u. A. in., von deren Urtheil das