Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Bälow (Heinrich von)

verloren hatte, lebte er sehr zurückgezogen. Ihn fesselte das Studium des Poly-biuS, des TacituS u. des I. I. Rousseau . Diese Schriftsteller erfüllten seinen Kopfmit so vielen neuen Ideen, daß sie sein ganzes Wesen veränderten. Er nahm seinenAbschied und ging nach den Niederlanden, wo ein Aufstand gegen Joseph II. aus-gebrochen war. Die hohe Meinung, welche man von der preuß. Taktik hakte, ver-schaffte ihm bald eine stelle in einem Regimente; doch fehlte es ihm an Gelegen-heit, sich auszuzeichnen. In seinen Hoffnungen getäuscht, kehrte er in sein Vater-land zurück, faßte eine leidenschaftliche Liebe für das Theater und brachte eine Ge-sellschaft von Schauspielern zusammen. Bald verließ er auch diese und ging mit sei-nem Bruder nach Amerika . Er fand aber auch dort die Freiheit nicht, die er suchte,und von der er selbst keine deutliche Idee hatte. Mit dem Überdruffe, den getäuschteErwartungen erregen, kehrte er nach Europa zurück. Indeß hatte der Handelsgeistder Amerikaner beide Brüder angesteckt. Sie wendete» den letzten Rest ihres väter-lichen Erbes zum Ankauf eines beträchtlichen Norraths von Glaswaaren an undschifften sich damit in Hamburg zum zweiten Male nach Amerika ein. Da sie abernicht Lachkenntniß hatten und, um ihr Glas schnell abzusetzen, vielen Credit gebenmußten, so sahe» sie sich bald anfallen Seiten betrogen und waren genöthigt, aber-mals nach Europa zurückzukehren. Jetzt trat Heinrich von B., arm an Vermögen,doch reich an Geist und Gemüth, als Schriftsteller auf. »Lein erstes Werk war s.„Lystem der Kriegskunst". Es bewies auf eine eminente Weise sein Genie. Ersuhlte dies selbst, und durch die Lobsprüche verständiger Männer in seinen Erwar-tungen aufs Höchste gespannt, kam er 1139 nach Berlin zurück, um entweder imGeneralstabe oder im Depart. der auSwärt. Angeleg. angestellt zu werden. Zu sei-nem Unglücke fühlten die Männer, welche damals an der Spitze dieser Dcrwal-tungszweige standen, keinen Beruf, sich mit einem so genialen Menschen einzulassen.Um leben zu können, sah er sich genöthigt, von der Schrifrstellerei Profession zu ma-chen, so weit dies einem Manne von Genie möglich ist. Er schrieb ein Buch „Überdas Geld", übersetzte sodann Mungo Park's Reisen aus dem Engl . und gab iinWinter 1801 die „Geschichte des Feldzugs von 1800" heraus. Nach mancherleiHändeln, die ihm seine Abneigung gegen die gewöhnlichen Ansichten zugezogen hakte,faßte er den Entschluß, nach London zu gehen u. ein Journal über England zu schrei-ben. Aber die ersten Hefte seines Journals fanden keine Käufer. Es entstanden fürihn Verlegenheiten, und er ward Schulden halber verhaftet. Nachdem er 8 Monatein England und bis zum Sommer 1804 zugebracht hatte, kehrte er, Allen unerwar-tet, nach Berlin zurück. Er mußte, um seinen Unterhalt zu gewinnen, wieder zurSchriftstellerei seine Zuflucht nehmen, und war fleißiger als je. Die „Lehrsätze desneuern Krieges"; die „Geschichte des Prinzen Heinrich von Preußen"; s. „Mili-tairifche Monatsschrift" und endlich s. „Taktik der Neuern, wie sie sein sollte", folg-ten einander schnell. In dem ersten dieser Werke gibt er zuerst den Unterschied zwi-schen Strategie und Taktik an und bringt alle Kriegsunternehmungen auf die Dreieck-gestalt zurück, in welchen Grundsätzen er jedoch von Iomini und andern Franzosenbestritten worden. Endlich fühlte er auch Beruf, die „Geschichte des Feldzugs von1805" zuschreiben. Er schrieb sie nach seiner Ansicht. Dieses Buch konnte in Ruß-land und Ostreich keinen günstigen Eindruck machen. Auf das Verlangen derGesandten auswärtiger Höfe ließ ihn der König von Preußen kurz vor dem AuS-bruche deS Kriegs von 1806 inS Gefängniß setzen. Als man nach der Lchlacht beiJena der Ankunft, der Franzosen in Berlin entgegensah, führte man ihn, gegenden Ausspruch der Ärzte, die seine Freilassung zu seiner Erhaltung nöthig erklärten,nach Kolberg, von da »ach Königsberg und endlich nach Riga , wo er im Juli1807 im Gefängnisie am Nervensieber starb. — Es ist noch zu bemerken, daß B.ei» eifriger Anhänger Swedenborg's war, welches er auch durch seine anziehende,in Kolberg verfaßte und nach seinem Tode erschienene Schrift: „denua )>e!>»>5-