Orkans, der zurückstehen mußte, einen bittern Haß auf Philipp warf. Dies gabVeranlassung zu der bekannten Spaltung der franz. Nation in die orleanische undburgundische Partei. Als 1404 Philipp starb, folgte ihm sein Sohn, Johannder Unerschrockene; Orkans wurde nun Reichsstatthalter in Frankreich . Alleinbeide Vettern blieben erbitterte Feinde, bis sie unter den Mauern von Mont-faucon, eben als das erste Blut im beginnendenDürgerkriege stießen sollte > 1405),im Angeflehte der Heere durch eine Umarmung sich versöhnten und zum völligenZeichen der Aussöhnung in der folgenden Nacht in Einem Bette zusammenschlie-fen. Aber dennoch wurde Orkans (1407) auf freier Straße von Meuchelmör-dern ums Leben gebracht, und Herzog Johann von Burgund bekannte sich selbstals den Anstifter dieser That, welche die größten Zerrüttungen in Paris zur trau-rigen Folge hatte. Zwar erhielt Johann vom Könige einen ErlassungSbrief,allein die Nemesis erreichte ihn in dem Augenblicke, als er die Scene der öffent-lichen Versöhnung mit dem Dauphin auf der Brücke zu Montereau noch ein Malgeben wollte; schon während der ersten BewillkommnungSworte ward er von denBegleitern des Dauphins niedergestochen (1419). Sein Sohn und Nachfolger,Philipp, mit dem Beinamen der Gütige (bisher Graf von Charolais ), wußte indem mit England zwischen Frankreich und Burgund (1420) geschlossenen Friedendie Ausschließung des Dauphins, zur Strafe für Herzogs Johann Ermordung, zubewirken. Aus Philipps Regierungözeit ist der Streitigkeiten zu gedenken, die ermit Jakobine von Brabant und deren zweitem Gemahl, dem Herzog von Gloce-ster, hatte, und die sich mit einem Vergleiche endigten, kraft dessen Philipp alsErbe Jakobine'S gelten wenn sie kinderlos stürbe), sie aber ohne seine Einwilli-gung nicht heirathen sollte. Doch Jakobine brach (1430) die letztere Bedingung,und nun bemächtigte sich Philipp ihrer Besitzungen Hennegau, Holland und öLee-land, indem er ihr nur wenig zu ihrem Unterhalte aussetzte. In» Jahre vorherhatte Philipp schon Namur durch Kauf erworben, und 1431 fielen ihm auch Bra-bant und Limburg zu, als die Familie Antons von Burgund, zweiten SohnesHerzogs Philipp des Kühnen, erlosch. Im Frieden mit Frankreich (1435 zuArras) erhielt Philipp, außerdem daß König Karl VII . wegen Johanns Ermor-dung förmliche Abbitte thun mußte, ansehnliche Districte von Frankreich , näm-lich Macon, St.-Gengoul, Auxerre und Bar an der Seine, für sich und seineehelichen männlichen und weiblichen Erben, Peronne, Mondidier und Roye fürseine ehelichen männlichen Erben; ferner St.-Quentin, Eorbie, Anüens, Abbe-ville, Ponthieu, Dourlens, St.-Riguier, Crevecoeur, Arkux und Mortagne, unddie Grafschaft Boulogne für sich und seine Erben. Zu diesen bedeutenden Be-sitzungen kam 1441 noch das Herzogthuin Luxemburg. Schon 1430 war Phi-lipp zur dritten Ehe geschritten, da seine zwei vorherigen ihn kinderlos gelassenhatten. Bei seiner Vermählung mit Jsabella (Elisabeth), einer Tochter KönigsJohann I. von Portugal, zu Brügge (s. d.) in Flandern , stiftete er den Ordenvom goldenen Vließ. Drei Söhne entsprangen aus dieser Ehe, von denen dieersten beiden bald starben. Der dritte, Karl, Graf Charolais, ward nach demTode Philipps (zu Brügge den 16. Juli 1467) Herzog zu Burgund. (S. Karlder Kühne .) Dieser erwarb 1475 Geldern, und hinterließ 1477 eine Toch-ter, Maria, als einzige Erbin seiner Staaten. Sieben Prinzen waren ihre Freier;unter ihnen der Dauphin von Frankreich und Maximilian von Ostreich. DerLetztere erhielt mit ihrer Hand das Herzogthum (die Niederlande und Hochbur-gund). Der König von Frankreich bekam von dem burgundischen NachlasseNichts als die Städte in der Picardie und das Herzogthum Dourgogne, das er alsMannleh» einzog. Marie starb in ihrem 25. Jahre an den Folgen eines Falles,nachdem sie ihrem Gemahle 3 Kinder, Philipp, Margarethe und Franz (der aberbald starb) geboren halte. Nicht alle burgundische Provinzen wollten Maximi-
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