849
Byzantinische Kunst
köstlicher Mosaik aus Gold und Steinen, welche die Scenen der LeidensgeschichteJesu darstellte, war auch, nach Eusebius, das Dach des Palatiums in Konstanti-nopel verziert; sowie eine andre, welche Iustinian in Chalcis verfertigen ließ, Be-gedenheiten aus dein vandalischen Kriege darstellte. Unter allen Mosaiken wardie berühmteste diejenige, mir welcher das Innere der Sophienkirche in Konstan-tinopel ausgeschmückt wurde, und wovon bis aus die neuere Zeitsich noch Über-reste erhalten haben. Überhaupt aber neigte sich der Geschmack in diesen Zeitenniebr zu musivischer Arbeit als zur Skulptur hin, weil jene durch Werth und Far-be» der Steine reizen konnte. Die Bildnerei zeigte sich immer mehr als verzieren-des Beiwerk an Altären, Tabernakeln, heilige» Gefäßen und Urnen, die man auskostbarem Marmor verfertigte. Aucl, erhielt sich noch lange die Steinfchneidekunst.(S. Byzantiner.)—- In der Malerei, die man in der Mosaik nachahmte,liebte der Geschmack jener Zeit vornehmlich Gold und lebhafte Farben, dagegenman um Kunst und Wahrheit weniger bekümmert war; doch bildete sich in derbyzantinischen Malerei zunächst der Keim einer christlichen Kunst aus. Die idea-len Bildungen menschlicher Gestalten, welche die alten griechischen Künstler inihren Meisterwerken aufgestellt hatten, mußten die christlichen Künstler aufgeben;ei» andrer Sinn und Geist sollte sich i» ihren Werken auSsprechen, der nicht an dasverhaßte Heidenihum erinnerte. Aber erst allmälig einwickelte sich die Norm einervon der Antike abweichenden bildliche» Darstellung des Heilandes, der Mutter Jesu und feiner Apostel. Die Künstler, welche hier nichts Gegebenes vor sich hatten,sondern aus ihrer Phantasie schaffe» sollten, was der äußern Erscheinung geheiligterPersonen würdig wäre, konnten mit ihrer rohe» und ungeübten Kunst nur andeu-ten, nicht kunstgemäß ausführen. Nach langem Umherirre» schloß man sich inder Darstellung Jesu und seiner Apostel näher an die jüdische Nationalbildung an;in Haltung, Gestalt, ja zuweilen auch in den Mienen hielt man sich an das Äu-ßere verehrter Bischöfe, und bildete sie mit aufgehobenen, segnenden Händen,oder die Hand an der Brust, oder mit einem Buch in der Hand. So entstandendie ersten Züge in der malerischen Darstellung jener in der christlichen Kircheheilig geachtete» Personen. Die Mosaik ahmte dieselben nach, in Marmor aberwußte man sie nicht auszubilden; auch eignen sich die Gegenstände der christlichenReligion überhaupt mehr für die Malerei, welche das Innere zu einem Äußernmacht und den Ausdruck der Geniüthswelt in der Lichterscheinunz gibt, als diePlastik, welche das Äußere zum Innern erhebt. S.Modern.) Damansichin-dessen um Natui Wahrheit und Ausführung weniger kümmerte, sondern sich be-gnügte, das einmal Gelungene zu wiederholen, so läßt sich erklären, warum manbald gewisse, durch irgend eines Künstlers Autorität aufgestellte und von dem Ge-schmacke der Zeit gebilligte Formen, ohne Rücksicht auf Wahrheit und Schönheit,gleichsam durch Übereinkunft zur allgemeinen Regel der Körperbildung erhob undsie auf spätere Zeiten fortpflanzte. Die Kunst dauerte fort, sagt der angeführteHeyne in s. Abhandl. über dieFortdauer der Künste in Konstantinopel („Comment.8«e. CoUiiip.", l. XIII), insofern stein der Geschicklichkeit der Hände, in An-wendung der Werkzeuge, in bestimmten Regeln und allgemeinen Vorschriften be-steht; aber- Geschmack und Sinn für das Schöne, Wahre und Rechte war ver-schwunden. Feinheit, Eleganz und Anmuth der Zeichnung, Verhältniß der Theileund Übereinstimmung der Figuren, Auswahl der Formen ging verloren. Nichteinmal genaue Ähnlichkeit in den abgebildeten Figuren wareS, um die man sich be-kümmerte; man war zufrieden mit rohen und allgemeinen Umrissen — wie sichbesonders aus Münzen dieser Zeit ergibt. Im Ganzen sieht man überall dieselbendünnen, verdrehten und kleinlichen Formen sklavisch nachgeahmt, dagegen um sogrößer,, Fleiß auf kostbare, oft geschmacklos angebrachte Verzierungen verwendet,und ein Streben nach dem Abenteuerlichen, selbst in der Architektur. Der Ein-