Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
371
JPEG-Download
 

Calabrien

Cajus

71

sieht man geringe Überreste vom alten Memphis . Den 22. Juli 1798 würd» T.von den Franzosen eingenommen. (W. Ägypten.)

Cajus, nach griech. Schreibart GajuS, ein RechtSgelehrter aus den Zei-ten der Kaiser Hadrian und Ankoniiius PiuS (117 — 161), von dessen Leben sonstNichts bekannt ist. Von seinen mannigfaltigen Schriften sind besonders die „Insti-tutionen" wichtig geworden, zuerst als einLehrbuch des Rechts, welches Jahrhun-derte bis auf Iusiinian eins der gangbarsten blieb, dann als (Grundlage des offi-ciellen Lehrbuchs des Rechissystems, welches eine wesentliche Stelle in der Justiz-reform JustinianS einnahm, und neuerdings als die einzige einigermaßen vollstän-dige und systematisch geordnete Quelle der ältern Rechtswissenschaft der Römer.Man hatte früher aus diesen Institutionen von C. einzelne Stellen, Auszüge undUmarbeitungen. Zwei einzelne Blätter einer Handschrift, welche sich in der Biblio-thek des Domcapitels zu Verona befindet, entdeckte Scipio Massei schon zn An-fange des vorigen Jahrh., die Handschrift selbst fand aber erst Niebuhr, als er1816 als preuß. (Gesandter nach Rom ging und sich unterwegs 2 Tage in Verona aufhielt. Zu einer Handschrift der Briefe des h. Hieronynuis hatte man das Per-gament benutzt, worauf die „Institutionen" des C. geschrieben waren. Maffeihalte sie als Oxlex i,-«?,,,>>».>> anerkannt, ohne jedoch den Inhalt des frühernWerks, welches dem spätern hatte weichen müssen, genauer zu erforschen. Niebuhrsah, das, ein altes juristischesWerk hier verborgen lag, und v.Savigny in Paris riechglücklich auf die Institutionen des C. Die Akad. derWiss. zu Berlin schickte 18172 Professoren, den Philologen Jmm. Bekker (s. d.) und den Juristen Göschen,nach Italien , um diesen Fund genauer zu untersuchen. Ihnen schloß sich der jetzigePros. Bethmann-Holweg freiwillig an, und durch ihre vereinten Bemühungen istder größte Theil des Buchs wieder in Zusammenhang gebracht und bis aufdie ganzunleserlichen Stellen hergestellt worden. Gedruckt sind die Fragmente von C.,Berlin 1820. seitdem ist die Handschrift durch Pros. Blume nochmals ver-glichen und manche Ergänzungen gefunden worden, die in einer neuen Auflage(Berl. 1825) nachgetragen worden sind. Sie haben über viele Punkte der römi-schen RechkSgeschichte ganz neue Ansichten eröffnet, aber auch manche scharfsinnigeund gelehrte Hypothese zerstört. 37.

Calabrese wird der auü Calabrien gebürtige Maler Mattia Preti (geb. 1613, gest. 1699) genannt.

Calabrien, ein Berg-Küstenland, das, 58 Stunden lang und 7 — 20Stunden breit, die südliche Spitze der italienischen Halbinsel bildet. Es zicht sich>m südlichen Theile Neapels, längs den 'Apenninen und dem tyrrhenischen Meere,südwärts bis zu den Vorgebirgen Spartivento und L:quillace, und östlich bis zumGolf von Tarent in das mittelländische Meer hinein, und enthält auf einem Flä-chenraume von 320 IHM. über 890,000 Einw., darunter viele Arnauten. Diegenauere Kenntniß dieses in der Fabel und in der Geschichte merkwürdigen, bis-her den Reisenden nicht sehr zugängliche» Landes verdanken wir dem Kriege, dendie Franzosen, während Napoleons Herrschaft, unter Josephsund Joachims Re-gierungen mit den stolzen und fanatischen Calabresen bis 1810 geführt haben.Im Alterthume war Calabrien ein Theil von Großgriechenland, die Wohnungdes Pythagoras , das Vaterland des CharondaS, Zaleukus, Praxiteles, Agcukoklesund andrer berühmten Männer. Hier, wo einst das wollustarhmende Sybansblühte, ist Land und Volk jetzt in tiefe Barbarei gesunken, aber dennoch durcb dieletzten Schicksale des Königreichs Neapel (s. Sicilien, Königr. beider), obwKauf eine traurige Art, nicht unberühmt. Das Klima ward schon im Alterthumegepriesen; nur in einigen Gegenden erzeugen stillstehende Gewässer, müderen Ab-leitung sich Niemand künimert, in der heißen Jahreszeit ansteckende Krankheiten.Der häufige Thau unterhält im größten Theile des Jahres ein reizendes Grün,

24 *