Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Calderon

81 S

ununterbrochener Thätigkeit für Theater und Kirche. Dabei scheute der Monarchkeine Kosten, um des Dichters Schauspiele mit allem Pomp aufzuführen. Nach 10Jahren erhielt er «651 von dem Ortenscapikel die Erlaubnis, in den geisil. Standzu treten, und bekam 1663 eine der Capellanstellen an der erzbischöfl. Kirche zu Tole-do , ohne seine bisherige Beschäftigung aufzugeben. Da ihn jedoch diese Stelle zuweit von« Hofe entfernte, so erhielt er 1663 mit Beibehaltung seiner bischerigen nocheine andre Stelle an der königl. Hofcapelle und zugleich eine auf die Einkünfte von

5 icilien angewiesene Pension. Sei» Rufvergrößerte seine Einkünfte noch um Vie-les, indem er von den angesehensten Städten Spaniens um Verfertigung von V»ir>,«>mru,>,t'uU,!'--i(Froh»leichnamsstücken) ersucht ward, welche ihm glänzend bezahltwurden. Auf Verfertigung derselben wendete er, seitdem er in den geistlichen Standgetreten war, vorzüglichen Fleiß, und in der That verdunkelte er Alles, was die anStücken dieser Art so reiche Literatur Spaniens bis dahin auszuweisen hatte. DieseStücke sagten vornehmlich seinen« religiösen Gemüthe zu, und aus sie legte er aucheinen vorzüglichen Werth, sodaß er ungerecht gegen seine übrigen Stücke ward, diein vielfacher Hinsicht ebenfalls eine nicht geringe Auszeichnung verdienen. ÜberhauptistReligion der Mittelpunkt seiner Gedichte; auf sie bezieht er die Mannigfaltigkeitder Erscheinungen mit südlicher Lebendigkeit. Welchen Stoff der Dichter aber auchbehandle, überall erkennt nian, freilich mehr oder minder, dasWehen des echten poe-tischen Genius, und steht er an Reichthum der Erfindung vielleicht dem Lope de Deganach, so übertrifft er ihn an Feinheit der Ausführung, Adel der Empfindung und an-gemessenem Ausdruck. Allerdings werden wir dabei manches unsrer Denk - undEmpfindungsweise, unserer gewohnten Anficht und Ausdrucksart Fremde finden, weitöfter aber den Dichter als unübertrefflich zu bewundern Gelegenheit haben. Diespan. Nation zählt C. unter die größten poetischen Genies, und die Kritik ist billiggenug, manche unleugbare Mängel seiner Stücke der Zeit und den Umständen zuzu-schreiben. Unter seinen dramatischen Werken sind viele Int, iguensiücke, voll vonVerwickelungen und reich an den interessantesten Zügen: dann sind heroische Komö-dien, «nieder andre histor. Schauspiele, deren einige den Namen der Tragödie verdie-nen. Hierzu gehört „Der standhafte Prinz", der unter den romantischen Tragödienersten Ranges einen ehrenvollen Platz verdient. Außerdem hat man von §. noch 95ä»i"8 5.->om„ir>,t,->l--,. 200 1.->s (Vorspiele) und 100 dmgueik-5 (Divertissements).Sein letztes Schauspiel schrieb er im 81. Jahre seines Alters. E.'S kleinere Gedichte,Lieder, Sonette, Romanzen u. A. sind ungeachtet des nicht geringen Beifalls, den ih-nen desDichterS Zeitgenossen ertheilten, verloren gegangen; seine Schauspiele alleinhaben sich noch mehr als die des Lope auf der Bühne erhalten. Die Anzahl seinergesammelten Schauspiele belauft sich auf 128, wobei aber mehre einzelne, theilsgedruckt, theils nngedruckt, nicht mitgerechnet sind. Die vollständigste Ausgabederselben besorgte D. Juan de Vera Tassis y Villarroel (Madrid 1685, 9 Bde.).A. W. Schlegel und Grics haben uns mit meisterhaften Übersetzungen Ealderon'-scher Stücke beschenkt. Von jenein besitzen wir 5 Stücke in 2 Bdn. Berlin 1803u. 1806), von diesem bis jetzt 10 Stücke in 5 Bdn. (Berlin 1815—,22). Ih-nen hatte sich der Freiherr von der Malsburg angeschlossen, von dessen Übersetzung

6 Bde. (Leipzig 1819 — 25) erschienen sind. Göthe und Schlegel haben das Ver-dienst um die deutsche Bühne, sie dem Genius E.'S eröffnet zu haben, wie es früherSchröder in Hinsicht Shakspeare'S sich erworben hatte. 1810 oder 1811 er-schien zuerst „Der standhafte Prinz" in Schlegel'S Übersetzung auf dem Hosthea-ter zu Weimar; ihm folgte die Schicksalstragödie „Das Leben ein Traum " in ei-ner Übersetzung von« Hrn. von Einsiedel, und später „Die große Aenobia" nachGries. 1816 bcschritt das erstgenannte Stück auch die Bühne von Berlin , fand abereine starke Opposition. „Das Leben ein Traum " bearbeitete West (Schreyvogelin Wien ) mit Benutzung der Gries'schen Übersetzung für das Theater; in dieser