Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Caschemirziegen

Wein bereitet, der dem Madera gleicht. Südfrüchte reifen hier nicht. Das Thalisi wegen seiner Blumen berühmt, die auf allen Wiesen und in allen Gärten pran-gen. Wild wachsen Violen, Rosen, Narcissen und unzählige europäische und nicht-europäische Blumen. Die Einwohner sind Hindus, die sich zur Religion des Bramabekennen, obgleich sie unter der Herrschaft der Afghanen, Bekenne,- des Islams,stehen. IhreSpracheist einZweig deöSanskrit. Sie verfertigen die berühmtenShawls von vorzüglicher Güte. Die Wolle dazu kommt aus Tibet und der Ta-tarei, in welchen Ländern die Ziege, die sie gibt, allein gedeihen soll. Man ver-fertigt jährlich ungefähr 80,000 Shawls auf 16,000 Stühlen, von denen jeder3 Arbeiter beschäftigt. —> Die Hauptst. Caschemir fauch Serinagur), die größteStadt im ganzen kabulischen Staate, liegt am Behat eine Stunde weit ausgedehntund hat gegen 200,000 Einw. Über die tibetanische oder Caschemir - Zicgenart,aus deren Grundhaar (Flaum) die feinsten Caschemir-Shawls verfertigt werden, s.Nr. 5 der Weimar . Zeitschr.: „Neues und Nutzbares aus dem Gebiete der HauS-unt Landwirthschaft".

Caschemirziegen, eine verwandte, aber edlere Gattung unserer ge-meinen Ziege, sind seit 1820 auch in Frankreich eingeführt und stammen von dentibetanischen ab, die an dem Himalaya weiden. Das Klima in Tibet wechselt oftschnell. Es gibt dort wenig Regen, aber viel Schnee, weil die Winterkälte unterdem Gefrierpunkt ist. Bekanntlich liegt Tibet an der nördlichen Abdachung desHimalayagebirgeS und Caschemir an dersüdlichen, und letzteresistdaher, mit Tibet verglichen, ein wenig wärmer. In Tibet ist diese Ziege ein Hausthier, dem manaber nie eine zu üppige Weide gibt. Die Lieblingsnahrung dieser Thiere sind Laub-knospen, würzige Pflanzen, Raute, Heidekraut. Dabei vergißt der Tibetaner nie-mals, seinen Ziegen wöchentlich wenigstens ein Mal Salz zu geben, welches sichschon bei der gewöhnlichen Nahrung dieser Thiere als nützlich bewährt. Ver-setzt man solche auö ihrem kalten gebirgigen in ein wärmeres Land, so ist die na-turgemäße Folge, daß erst die Menge der Wolle schnell abnimmt, und dann derenFeinheit geringer wird. Ebenso wächst die Wolle sehr langsam in den wärmernTagen , und um so stärker, je mehr die kältere Jahreszeit herannaht. Der Kopfder asiatischen Ziege ist größer, die Hörner liegen rückwärts und sind etwas ge-krümmt, die Beine sind zart. Je kälter die Region ist, wo dies Thier weidet, destoschwerer ist sei» Fließ . Sorgfältige naturgemäße Nahrung und Pflege erhöht dieFeinheit der Wolle. Wie bei den Merinoschafen, geben die Jährlinge die feinsteWolle, undeinevöllig ausgewachsene Ziege nicht über 16 Loth. DieZiegen, welchein Tibet die höchsten Thäler beweiden, haben eine helle Okerfarbe. In niedriger lie-genden Thälern wird die Farbe gelb und weiß, und noch weiter unterwärts ganzweiß. Übrigens haben die höchsten Himalayagebirge, die noch von Menschen be-wohnt werden können, auch eine Ziegengattung mit schwarzer Wolle, welche in Indien und im Bergvaterlande der Ziegen am theuersten als Stoff für Shawls bezahltwird. Die außerordentlich feine gekräuselte Wolle liegt dicht an der Haut bei allenTibet -und Caschemirziegen, gerade wie das Unterhaar unserer gemeinen Ziege untergroben Oberhaar. —Man schiert in Caschemir und Tibet die Wolle im Frühjahrekurz vor der Periode der wärmer» Iahrszeit, ehe das Thier im Naturstande Dor-nen und Hecken aufsucht, um sich von der ihm dann lästig werdenden warmen Deckezu befreien, und sucht aufs sorgfältigste alle harte und lange Haare heraus. Dieseso vorläufig gereinigte Wolle wäscht nian erst in einer warmen Auflösung von Pott-asche und hernach im reinen Wasser, wobei aber das Filzen sehr vermieden werdenmuß. Dann bleicht man solche auf dem Grase und krempelt sie zum Spinnen.Die Shawlwolle wird 3 Mal gefärbt: vorder Krempelung, nach dem Spinnenund im Shawl. Die Asiaten spinnen die Wolle nicht hart, damit der Ehawlweich bleibt, und bedienen sich dazu einer Spindel, welche aus einer Thonkugel mit