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Cervantes
Truppen in Neapel ; 1575 wollte er in sein Vaterland zurückgehen, wurde abepvon dem Cvrsaren Arnaut Mami gefangen und in Algier als Sklave verkauft.Sieden Jahre lebte er in dieser Gefangenschaft, die, weit entfernt, seinen Geist zubeugen, vielmehr alle Kräfte desselben erhöhte. Vincente de los Rios, Cervantes^vorzüglichster Biograph, berichtet diessühnen aber verunglückten Plane, die er wie-,derholt zur Erlangung seiner Freiheit entwarf; da man aber für die Geschichtedieses Zeitpunkts im Leben des C. keine andere Quelle hat als dessen Novelle:„Der Gefangene", von welcher man nicht mit Gewißheit angeben kann, ob sie desDichters eigne Schicksale rein erzählt, so muß es dahingestellt bleiben, wie viel andem Romane seines «klavenlebens Wahrheit sei. 1580 kauften ihn endlich seineVerwandte und Freunde los. Er kam zu Anfang des folgenden Jahres wieder inSpanien an. Von nun an lebte er gänzlich den Musen in stiller Zurückgezogenheit.Reich ausgestattet in seinem Innern, gaben ihm die Welten, die er schuf, Ersatzfür die, welcher er sich entzog. Wenn man von einem Manne, der mit unerschöpf-licher Erfindungsgabe, der umfassendsten poetischen Phantasie, treffendein Witzeund gemüthlicher Laune einen gereiften, klaren, durchdringenden Verstand undeinen Schatz praktischer Welt- und Menschenkenntnis; verband, nichts Gemeineserwartet, so ist dieß »amtlich, selten aber, daß die gehegte Erwartung so übertreffenwird, wie von C. Erfreulich begann er feine neue poetische Laufbahn mit demseine Geliebte feiernden Schäferromane „Galatea" (1581), nach dessen Erschei-nung er sich bald verheirachete. Da dies ihm einen größer» Erwerb nothwendigmachte, so widmete er seine poetische Thätigkeit der Bühne und lieferte in einemZeiträume von 10 Jahren gegen dreißig Dramen, unter denen sein Trauerspiel„Numancia" als einzig hervorragt und an hoher Kraft, kühner spräche und edlerAusführung an Äschplus reicht. Nicht ebenso glücklich war er in einer andern Gat-tung von Schauspielen, wie sie der Wpaiuer vorzüglich liebt: einem Gemisch vonIntriguen, Abenteuern und Wundern, vielfach in einander verschlungen, und dieswar unstreitig der Grund, warum er von Lope de Dega, der eben hier seinen Platzfand, verdrängt ward. Nuhl ohne Verdruß, wie es scheint, gab er deßhalb dasTheater ass. Zwischen 1501—99 hielt er sich in Sevilla auf und lebte von ei-nem kleinen Anne beschränkt genug. Er erschien zuerst nach 10 Jahren wiederals Schriftsteller, und nun erst ganz in der Sphäre, die seinem Genius vollkom-men angemessen war, und mit einemWcrke, das seinem Namen die Unsterblich-keit sichert. Es ist sein „Don Quipote". C. hatte niit diesem Werke eine Re-form des Geschmacks und der Denkart bei seinen Landsleuten ck'eübsichtigt. Jenemabenteuerlichen Heldengeiste mit allen seinen schlimmen Folgen, deren Quelle dieRilkerromane waren, wollte er ein Ende machen. Der erste Theil erschien undwurde anfangs lau, bald aber mit dem höchsten Beifall aufgenommen, den späterdas ganze gebildete Europa mit dem Vaterlande des Dichters theilte. Zwar suchteman hier Manches in dem Werke, was der Vers. keineswegs hatte geben wollen,theils einen wirklichen Ritkerroman, theils sattwische Angriffe auf bekannte Perso-nen; allein die entdeckte Täuschung wirkte nicht, wie in andern Fällen, Verminde-rung des Beifalls. Das ist ja überall die Wirkung der echten Poesie, daß sie un-vermerkt die Gemüther gewinnt und festhält. Von welchem echtpoetischen Ge-nius aber E. beseelt war, zeigt sich in keinem seiner Werke mehr als im „DonQuipote", da dessen prosaischer Zweck und einseitige satyrische Richtung kein Hin-derniß wurden für die schönste allseitige poetische Entfaltung. Unter welchem Ge-sichtspunkte man das herrliche Werk betrachtet, so steht es als unübertroffenes Mu-ster da. Als Roman stellt es, wie diese Gattung es crfodert, die ganze Bildungund Geschichte eines Einzelwesens dar, in welchem sich durch wunderbare Schick-sale seine eigne Natur offenbart; und wie stellt es Alles dar! Während es diefalsche Romantik zu vernichten strebt, ist es selbst von echtromantischem Geiste ganz