Cervantes
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durchdrungen; während es eine Unwahrheit vernichtet, ist es selbst voll tos tiefst» nLebens ter Wahrheit; nährend es die Thorheit züchtigt, macht es spielend dievollendete Narrheit zum Spiegel der Weisheit. Und welche schöne epische Entfal-tung! Welch reges Leben in allen Miedern! Welche Wahrheit der Charaktere!Welche Fülle der Begebenheiten! Welche Menge und Mannigfaltigkeit der an-ziehendsten Situationen ! Welche Kunst undWeioheit in deren Verkettung! WelcheTiefe der Weltanschauung! Und dabei jene unaussprechliche Milde, jene Lieblich-keit, die sich wie ein lächelnder Frühling über das Ganze ausbreiten, jene Leichtig-keit, wodurch das Ganze wie von selbst entstanden scheint, jene unendliche Klar-heit bei unendlicher Tiefe, machen das Werk zu dem einzigen seiner Art. Daherkommt auch die Eigenheit, daß es den gebildetsten Geistern wie den ungebildetengefällt, wenngleich die Flachheit Nichts von seiner Tiefe ahnet. Es ist buchstäblichwähl, daß dieser Roman sich eines allgemeinen Beifalls erfreut habe. Alleindas seltene Glück s. Werks brachte kein Glück dem Dichter, der nach wie vor ver-gessen blieb. Vergeblich waren seine Bemühungen um Besserung seiner Lage, undbescheiden - stolz zog er sich mit seinem Genius und seiner Armuth zurück. Ei stnach einem Awischenraume mehrer Jahre erschien er wieder im Publicum, indemer zuerst s. „Awelf Novellen", die neben dem Boccaccio vorzugsweise genannt zuweiden verdienen (1613 , und dann s. „Reise auf den Parnaß", eine» Versuch,den Geschmack seiner Nation zu läutern, und 1615 acht neue Schauspiele nebstIntermezzos herausgab, die aber gleichgültig aufgenommen wurden. Neid undMißgunst hatten sich indeß an sein Verdienst gehängt und suchten den unverant-wortlich vernachlässigten Mann wo möglich auch in literarische Vergessenheit zu-i ücktudrängen, wozu die vergeblich erwartete Fortsetzung des „Don D.uixote" denVorn and lieh. Ein Unbekannter, unter dem .Namen Alonzo Fernandez de Avella-neda, gab eine Fortsetzung heraus voller Schmähungen gegen C. Mehres zeigt,daß dieser den hämischen Streich bitter empfand; er rächte sich aber aufeme glän-zende Weise durch die Herausgabe der Fortsetzung seines „Don O.uixote" (1615),welche das Letzte war, was bei seinen Lebzeiten von ihm erschien, kenn sein Roman„Persiles und Sigismunda" kam erst nach s. Tode heraus. Zu äußerster Dürf-tigkeit würde dieser ihn überrascht haben, hätte C. nicht in seinen letzten Lebens-jahre» an dem Grafen von Leines einen treuen Gönner gefunden. So war erfreilich vor Biuler's Tode gerettet, allein seine treue Gefährtin durch das ganzeLeben, die Armuth, verließ ihn doch auch nicht beim Abschiede aus demselben. Zneinem Alter von 68 Z. starb er den 23. 'April 1616 in Madrid , wo er in den letz-ten Zähren seines Lebens sich aufgehalten hatte. Ohne Feierlichkeit wurde er be-graben, und keiu Leichenstein zeigt die Stätte, wo er ruht. Außer seinem Ruhmeals Schriftsteller hinterließ er noch den eines heldensinnigen, festen, geraden Man-nes , der mit edlem Freimuth eigne wie fremde Fehler gerecht beurtheilte. 1669erschien zu Franks, die erste deutsche Üebcrs. des „Don O.uizote" aus d.Span., bliebaber unvollendet; dann die erste vollständ. Übcrs. (Basel u. Frkf. 1683, 2. Bde.)von Z. R. B. Seitdem sind von diesem Meisterwerke 3 der Erwähnung wei lheÜbeisetzungen erschienen: die von Bertuch (1181), welche Manches hinwegließ,wodurch das Komische und Burleske ssirker hervortrat; die von Tieck (Berlin 1198,auch in einer 2. Aust.) und die von Soltau (Königsb. 1800, neue A., Lpz. 1825),aus denen man den ganzen poetischen Genius des Werks erst erkennt. Mit einerÜberü der „Novellen" hat uns Soltau (Königsb. 1801, 3 Bde.), und des Trauer-spiels „Numaneia" der Baron de la Motte Fouguü („Taschenb. für Freunde desSüdens", Berl. 1810) beschenkt. Zn dem genannten Taschenbuche befindet sichauch das spanische Original. Eine schätzoare AuSg. vor» „Don Duixote" ist dievon Pellieer (Madr. 1189, in 8 Bdchn.) und die von Zdeler. Des Dichters Lebenbeschrieb Navarrete (Madrid 1819.). ckl.