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Charakteristik in der Darstellung
oder dramatisch, wenn sie den Grund selbst als eine vollständige Begebenheit darstellt,welche die Veranlassung des mimischen Ausdrucks enthält. Diese letztem Darstel-lungen sind wieder historische und Charakterbilder. Die letztem erheben sich überdie erstem dadurch, daß alle Figuren derselben für sich interessiren müssen, und dieHandlung ihnen nur zur nähern Bezeichnung oder Versinnltchung des Charaktersbeigelegt, mithin untergeordnet ist, wovon das vollkommenste Beispiel Rafael'sSchule von Athen sein dürste; im historischen Bilde sind die Figuren um der Hand-lung willen da. Das Verhältniß ist wie in den Charakter - und Intriguen - oderSituationSsiücken der dramatischen Poesie, und was in Hinsicht auf Charakter-zeichnung dort galt, gilt auch hier. — Musik. Der Gegenstand der Musik sindEmpfindungen, das Darstellungsmittel Töne. Durch beide wird der Charakterder Tonstücke bedingt. Davon, daß jede Empfindung ihren eignen Charakterhabe, ist wol »»nöthig zu sprechen; wir gedenken also nur des danach modisicirtei,Ausdrucks durch Tone. Auf eme zwiefache Meise wird dieser bestimmt: einmaldurch den Gang und die Bewegung der Töne, und dann durch die Tonart. DieErfahrung lehrt uns, daß jede Empfindung und Leidenschaft ihre eigenthümlicheBewegung habe; denn rasch hüpft die Freude, mit zögerndem schritte schleichtder Schmerz u. s. w. Mit diesem der jedesmaligen Empfindung angemessenenRhythmus charakterisirt also die Musik zunächst. Da sich aber nicht bloß durchBewegung, sondern auch durch Höhe und Tiefe, Stärke und Schwäche die Töne,je nachdem diese oder eine andere Empfindung die Ursache von ihnen isi, unter-scheide», so wird die Wahl der Tonart ein zweites Mittel zu charakterisiren für dieMusik. Hier tritt die Charakteristik der Tonalt ein (s. Tonarten), und mansieht, wie wichtig die Bestimmung ist, aus welchem Ton ein Tonstück gehe. lindso zeigt sich denn auch, die Musik sei nur rein wirksam, wenn sie auf ihre Weiseecht charakterisirt. — Daß sich die Deklamation in demselben Falle befinde,springt in die Augen; denn Deklamation, wenn sie ist, was sie sein soll, ist janichts Andres als eine gesprochene Musik, weßhalb auch der verewigte Schachersie eine notirte Beredtsamkeit nannte. Und was fodern wir von einer echten De-klamation? Nicht bloß, daß sie richtig aussprechc, Längen und Kürzen im Allge-meinen beobachte u. s. w., sondern daß sie Stillstand, Fortschritt und überhauptdie Bewegung, Ton, Modulation, Nachdruck und Affekt dem jedesmaligen In-halte der Darstellung aufs genaueste anpasse. Denken wir hierbei wieder an denSchauspieler, so erscheint uns die Schwierigkeit der Kunst in ihrem ganzen Um-fänge ; denn wie er in Hinsicht auf mimischen Ausdruck mit dem bildende» Künst-ler verwandt ist, so ist er es in Hinsicht auf Deklamation mit dem Tonkunstler; dieWahrheit seines Mienen- und Gebärdenspiels soll er auch durch die Wahrheit sei-nes SprachauSdruckS beglaubigen und so der Poesie von alle» Seiten Leben undSeele geben. — Endlich darf die Baukunst ebenso wenig als eine andere schöneKunst den Charakter vernachlässigen, welcher durch die Wirksamkeit gewisser For-men auf unser Gefühl bestimmt wird. Die Werke der schönen Baukunst müssensich charakterisiren als erhabene, prächtige, schauerliche, schöne, romantische. Erha-ben bis zum Feierlichen sind Tempel; prächtig, Eindruck von Größe und Würdeerregend Paläste; schauerlich Gefängnisse, Zeughäuser u. a.; reizend, wenigstensso weit cS durch Symmetrie und Eurythmie erreichbar ist, Privatwohnunge», dieländliche Baukunst u. s. w. Das Romantische ist vornehmlich der gothischen Bau-kunst eigen, von deren mannigfaltiger Anwendung zu unserer Zeit wol kaum eineErinnerung nöthig ist. Vgl. die „Untersuchung über den Charakter der Gebäude,über die Verbindung der Baukunst mit den schönen Künsten, und die Wirkungen,welche durch diese hervorgebracht werden sollen" (Leipzig 1788, von v. Erdmannü-dorf). Die Gartenkunst is. d.) bedarf der Charakteristik bei ihren Darstellun-gen ebenfalls wesentlich. — Das Resultat aller dieser Untersuchungen ist: keine