Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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571
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Chardin Charenton 571

schöne Kunst ist ohne Charakteristik, und ein großer Theil der Wirkungen, welchesie hervorbringt, beruht auf ihrem zweckmäßigen Gebrauche. Deßhalb dürfen wiruns in der That nicht verwundern, wenn es Ästhetiker gegeben, die geradezu dasWesen aller schönen Kunst in Charakteristik setzen. In neuesterZeit hat dies beson-ders Hirt gethan; s. zwei Aufsätze von ihm in Schiller's „Hören". Man über-sehe aber nicht, was hiergegen von Göthe in den „Propyläen", und von Fernowin den „Römischen iLtudien" erinnert worden. Schön ist des Erstem Charakteri-stik der Charakteristiker; der Untersuchung des Letztem fehlt wenig, um erschö-pfend zu sein. Er seht das Ideale dem Charakteristischen entgegen und zeigt, daßdurch den Ausdruck des Charakteristischen Kunstwahrheit bewirkt werde. Wienöthig diese sei, ist gezeigt worden; allein sie ist noch keine Schönheit, und vonschöner Kunst ist doch die Rede. Da ergibt sich denn von selbst, daß Wahrheit undCharakteristik weder der ganze, vollständige, noch der höchste Zweck der Kunst seinkönnen, sondern daß zu ihr noch Idealität der Form und Schönheit der Darstel-lung hinzukommen müsse. Schöne Darstellung des Ideals unter charakteristi-schen Bedingungen ist es, woraus hier Alles ankommt. Vgl. I dea l, und Falk'Skleine Abhandlungen über Poesie und Kunst. <lck.

Chardin (Iean^, Sohn eines protest. Iuwelenhändlers zu Paris , undselbst Iuwelenhändler, geb. d. 26. Nov. 1643, war noch nicht 22 I. alt, als seinVater ihn, um Diamanten einzukaufen, nach Ostindien schickte. Nach einem kur-zen Aufenthalt in Surate lebte C. 6 Jahre lang in Ispahan, wo er sich wenigermit kaufmännischen Geschäften als mit tiefen Studien und Untersuchungen be-schäftigte und seine Verbindungen am Hofe benutzte, um die zuverlässigsten Nach-richten über die politische und milirairische Lage PersienS zu sammeln. Er brachtetreffliche Materialien über die Alterthümer und die Geschichte zusammen. 1610kehrte er nach Frankreich zurück; da er aber sah, daß er wegen seiner Religion keineAnstellung zu hoffen hakte, nahm er eine beträchtlicheMcngevonKostbarkeitcn mitsich und reiste 1611 wieder nach Persien. Theils dort, theils in Indien blieb er10 Jahre. 1681 kam er in London an, und bald nach seiner Ankunft ertheilteihm Karl II. den Titel eines Chevaliers. C. gab den 1. Bd. seiner Reisebeschrei-bung in London 1686 heraus. Die Zeichnungen ließ C. von GmO, Ios. Grelok,einem geschickten Künstler, an Ort und Stelle aufnehmen. Die andern Bändesollten folgen, als er zum bevollmächtigten Minister des Königs von England beiden Generalstaaten von Holland und zum Agenten d r engl.-osiind. Compagnie beiebendenselben ernannt wurde. Seine neuen Pflichten entzogen ihn nicht seinemLieblingsgeschäfte, und 1111 erschienen 2 Ausgaben seiner Reisebeschreibung in 4.und in 12., beide mit 19 Kpfrn., jene in 3, diese in 10 Ddn. Letztere wird dererstem vorgezogen. Bald darauf kehrte er nach England zurück, wo er den 26. Jan.1113 starb. Alle spätere Reisende haben die Genauigkeit und Wahrbeit seinerAngaben und die Mannigfaltigkeit seiner Kenntnisse bestätigt. Die beste Ausgabevon C.'s Reise hat Langlös 1811 in 10 Octavbänden nebst einem Atlas von 81Kpfrn. in Fol. besorgt.

Charenton, Flecken, dritthalb Stunden von Paris , auf der Straße nachTroyes und Lyon, wo sich die Marne in die Seine ergießt. Diese Lage hat vieleHandlung-- und FabriketablissementS nach C. geführt, das ein sehr lebhafter undbevölkerter Ort ist. Seine Brücke über die Marne ist von dieser Seite her derSchlüssel von PariS ; daher die denkwürdigen Angriffe auf dieselbe in den innernund äußern Kriegen Frankreichs . Schon 865 bemächtigten sich die Normännerderselben und zerstörten sie. Auch 1814 wurde lebhaft um ibren Besitz gekämpft.Die Zöglinge der Thierarzneischule von dem nahegelegenen A lfort hatten sich vonder Regierung den Ehrenposten erbeten, diesen wichtigen Punkt gegen die andrin-genden Würtemberger und Östreicher vertheidigen zu dürfen. Sie erhielten ihn,