692 Civilbaukunst
drirch die Briten unter Wellington am 8. Zan. 1812, und die Belagerungsarbeitenhatten einen so raschen Fortgang, daß die Stadt schon in der Nacht vom 19. ausden 20. d. M. durch Sturm überging, obgleich die tapfere Besatzung sich bis zu ihrerGefangennehmung von Haus zu Haus vertheidigte. Die CorteS erhoben Welling-ton zum Herzog von Ciudad-Rvdrigo und Grande von Spanien erster Classe.
Civilbaukunst (bürgerliche Baukunst) begreift Alles in sich, was zurAnlage wohnlicher und aufbewahrender Räume für die Bedürfnisse und Zwecke desbürgerlichen Gesammtlcbens gehört, sowol in Rücksicht auf Familienleben undGeselligkeit als auf die verschiedenen Gewerbe, Verhältnisse und Lebensweisender Einzelnen. Sie zerfällt: 1) In die schöne Baukunst, insofern sie beab-sichtigt, Alles, was irgend ein Bedarferfodert, so anzulegen und auszuführen, daßes scheinen muß, als habe nur das Gesetz der Anmuth und Schönheit geherrscht.
2) In die städtische Baukunst, insofern sie aufzweckgemäßeste Anlage undinnere wie äußere Anordnung von städtischen Gebäuden aller Art gerichtet ist.
3) In die Land baukunst, insofern sie in gleicher Art die Anlage ländlicher undlandwirthschaftlicher Gebäude im Auge hat. Das Erste, was in Betracht gezogenwerden muß, ist da« Baulocak (Baustelle). Der Bauherr lasse sich, da aufdem Papier und im kleinern Maße sowol Figur als Verhältniß sicherer und klarervor Augen steht, eine genaue Zeichnung von dem gesammten Local nach verjüng-tem Maßstabe anfertigen (Planzeichnung), damit er sowol die Nachtheile als Vor-theile des ihm vergönnten Raums in Rücksicht auf seinen Bedarf genau prüfenlind danach die ihm wünschenswertheste Stellung und Eintheilung des beabsichtig-ten Gebäudes machen könne. Die Lage nach den verschiedenen Himmelsgegendenmuß bei Bauanlagen jeder Art sorgfältig erwogen werden, damit nicht allein den«Hause die günstigste Lage gegen die Wetterseite gegeben, sondern auch den einzel-nen Gemächern die jedem einzelnen voriheilhastesie SLonnenzeit gewährt werdenkönne. Wer hätte nicht schon den Vorzug der Morgenseite für Schlafzimmer undBibliotheken, der Mittagsseike für Wohnzimmer, der Abendseite für Arbeitszim-mer, und der Mitternachtseite für Gesellschaftszimmer und Kunstgalerie» empfun-den! Der Küchen, Vorrathskammern w. nicht zu gedenken. Den Vortheil desvergönnten Raums möglichst für den Hauptzweck zu benutzen und den Nachtheildesselben möglichst zu beseitigen, ist bei jeder Bauanlage unstreitig die wichtigsteKunst. Ruhiges, von Zeit zu Zeit wiederholtes Überlegen nach allen Seiten hinkann hier Manches entdecken, was beim ersten Blicke unmöglich zu beseitigen oderzu erreichen schien. II. Bauzeichnung (Grund- und Aufrisse und Durch-schnitte). Jedem Bauherrn ist es unerläßlich, das Alphabet der Bauzeichnungs-kunst sich zu eigen zu machen, damit er im Stande sei, jeden Bauriß deutlich zulesen. Es erfodert dies kein langwieriges Studium. Jeder Maurer - und Zini-mermeister ist im Stande, darüber Auskunft zu geben. Diese Fertigkeit eröffnetdas Verständniß nicht nur für architektonische Kunstwerke, sondern auch für dieEinzelnheiten vieler technischen Arbeiten, deren nähere Kenntniß im täglichen Le-ben nützlich und erfreulich ist. Nachdem der Raum, welchen das Gebäude einneh-men soll, bestimmt und auf dem Plane eingetragen worden ist, hat der Bauherrseinen Bedarf an Kellei räumen (;onterr»i»s) zu überlegen und zugleich die An-ordnung des Erdgeschosses, » wie der übrigen Gestocke, im Allgemeinen festzusetzen,weil danach die Bogenstcllungen und Grundmauern der Keller angelegt werdenmüssen, um dem ganzen Gebäude die nöthige Festigkeit zu geben. Es ist rathsam,hier mit größter Genauigkeit zu verfahren, da von dem zweckmäßigen Unterbaudie größere oder geringere Kostspieligkeit des ganzen Baues abhängt. Es kannhier gleich im Voraus leicht zu viel oder zu wenig geschehen, was bei spätern Abän-derungen in den obern Geschossen zu großem Nachtheil gereicht, den Fortbau ent-weder lästig beengend oder bedingend. Sparsamkeit beim Kellergeschoß ist nur mit