Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Civilbauklinst 693

höchster Vorsicht zu berücksichtigen. Die Anordnung dieser beabsichtigten verschie-denen Räume für Gewerbe und Geschäfte im Erdgeschoß, sowie der Wohnungenin den übrigen Geschossen, muß vielseitig und zum öftern bedacht werden; dennnur mit dem öftern Beschauen kommt erst jene Mannigfaltigkeit der Ideen, auswelcher eine Wahl des Besten möglich ist. Die möglichst zweckmäßige EintheilungdesFlächenraumS, je nach den verschiedenen Bedürfnissen und besondern Zwecken,nimmt die Sorgfalt des Bauherrn zunächst in Anspruch; dann wird eine entfpre-cbende Höhe für jedes einzelne Geschoß bestimmt; sie kann beim Erdgeschoß »achdem Bedarf und nach ökonomischen Rücksichten festgesetzt werden, während dieder obern Gestocke nach angenehmen und gefälligen Verhältnissen angeordnet wird;die Geschosse brauchen keineswegs gleiche Höhe zu haben, vielmehr trägt es zuräußern Schönheit eines Gebäudes nicht wenig bei, wenn jedes Geschoß, der innernBestimmung gemäß, auch von Außen charakteristisch angeordnet wird. Selbst dieblos; technische Constitution veranlaßt eine solche Abstufung des Charakters der ver-scküedenen Geschosse. Wenn z. B. das Erdgeschoß einem schwierigen, vielen Kraft-aufwand oder große Festigkeit erfodernden Geschäfte gewidmet ist, so muh es vonAußen als ei» fester, massiver Unterbau des Ganzen erscheinen. Das erste Geschoß(b,'> ömgH wird sich über jenem in leichtern, schlankern Verhältnissen erheben,und das zweite über letzten» als noch leichter lastend von Außen erscheinen. So er-scheint der Bau auch technisch zweckmäßig und wird um so mehr Sinn und Augebefriedigen, je richtiger jedes Geschoß dem gemäß verziert wird. Nachdem das Erd-geschoß in alle» seinen'Abtheilungen angeordnet worden, sind die Wohnungen desersten Gestocks zu entwerfen, wobei nicht mehr bloß der Bedarf, tüchtige Baucon,struckion und Bequemlichkeit allein zu berücksichtigen sind, sondern es gilt, dieWohnungen auch heiter, anmuthig und gefällig für die verschiedenen Glieder derFamilie und Hausgenossen zu machen und sie nach dem gemeinschaftliche» odergesonderten Leben derselben anzuordnen. Vereinigung und Absonderung der ver-schiedenen Gemächer, je nach ihrer Bestimmung, erfodcrk reifliche Überlegung.Die Hausfrau verlangt zu ihrem Wirken ganz andre Zimmerverbindungen als derHausherr. DieVerbindungen müssen bequem und leicht gemacht, und hinwiederumDas, was von einander zu trennen ist, dergestalt angeordnet werden, daß sichdie verschiedene» Thätigkeiten und Lebensweisen der verschiedenen Hausgenossenund Familienglieder einander nicht störend durchkreuzen. DieFranzosen sind aner-kannte Meister in bequemer und zierlicher Anordnung der innern Theile ihrer Wohn-häuser; es ist deßhalb dasStudium ihrer Grundrisse sehr zu empfehlen. — Wasallen Wohnhäusern nicht nur zur Zierde gereicht, sondern auch zur Gesundheit bei-trägt, ist die Höhe der Zimmer und ihr entsprechendes Verhältniß zur Länge undBreite. Es ist nicht leicht, ein solches aufzufinden, da bei Bestimmung der Höhefür die einzelnen Gestecke ihr Gesammtbetrag mit der Breite des ganzen Gebäudesin einem gefälligen und guten Verhältnisse stehen muß. Nie jedoch sollte man beiNeubauen die Höhe, wenigstens des ersten Gestocks, unter 12 Fuß machen. Abwech-selung und Mannigfaltigkeit der Größe und Form der Zimmer tragen zur Schön-heit einer Wohnung nicht wenig bei. Runde, halbrunde und ovale Zimmer nebenviereckigen in ihre» vielfachen Verhältnissen überraschen auf das erfreulichste undveranlassen eine große Mannigfaltigkeit der Decorationcn. Wenn der Bau selbstes nicht gestartet, dergleichen Zimmer schon durch Umfassungsmauern oder Schei-dewände zu bilden, so kann man dies durch leicht anzubringende und gut zu benutzendeVerschläge mit wenigen Kosten bewerkstelligen. — Die Art des ersten Eindrucks imInnern eines Gebäudes hängt vorzüglich von der Anordnung des Haupteingangsder Hausflur und des Treppenraums ab. Die schönste Wohnung, wenn sie durcheinen unfreundlichen, vernachlässigten Haupreingang entstellt wird, verliert ihrenschönsten Reiz, sowie umgekehrt ein gewöhnliches HmiS durch eine lichte, heiter auf-