Congreve (William) 817
zu federn. Dies Alles bewog die beiden Kaiser, welche schon in Laibach einen Con-greß im Sept. 1822 zu Florenz zu halten beschlossen hatten, einen Congrefi zuVerona (s. d.) zu versammeln, welcher vom 4)ct. bis in den Dec. 1822 dauerte.Dieser hatte den Krieg Frankreichs gegen Spanien (s. d.) 1823 zur Folge. DieMerkwürdigste Erscheinung auf dem Congresse zu Verona war, das, das britische Miniüerium seit Canning'S Eintritt in dasselbe eine» von der Tontinentalpolitikabweichenden (Hang gewählt und durch den Herzog v. Wellington jedes gewaltsameEinschreiten in Spanien, wenn der König ungefährdet bliebe und Spanien seineConstitution nicht weiter zu verbreiten suche, widerrathen hatte. Aber auch inAnsehung der türkisch-russischen und der türkisch -griechischen Frage ging EnglandsPolitik dahin, jede Ergreifung der Waffen zu vermeiden. Werfen wir einen Ge-sammtblick auf alle 40 Congresse, die seit dem westfälischen Frieden in Europa ge-halten worden sind, so wird man nicht allein durch die fortgeschrittene Bildung derdiplomatischen Kunst überrascht, indem wir klüglich erlebten, daß ein östr. Inter-nuneiuS in der Audienz bei dem (Hroßwesir türkisch sprach und ein (Hros,wesir seinen(Hegengruß deutsch ausdrückte, während 1738 das östr. Cabinel nicht einmal denNamen des regierenden Sultans wußte, weil es den 1730 abgesetzten SultanAchmed noch aus dem Throne zu finden glaubte; sondern eS bietet sich auch die er-freuliche Bemerkung dar, zu sehen, -wie nach und nach der Charakter der europai -schenPolitik sich veredel'; wie die kleinlichen Interessen einseitiger Staatskunst vorden größern des allgemeinen StaatensysteniS und des Friedens von Europa zurück-weichen ; wie die Monarchen selbst durch gegenseitige Besprechung den Gang derVerhandlungen abkürzen und vereinfachen, und wie die ersten Staatsmänner im-mer mehr den Grundsatz, daß die Sicherheit der Throne eben so sehr durch das Heilder Völker, als die Völkerwohlfahrt durch die Heiligkeit des KronenrechtS und derHerrscherpffichten bedingt sei, als den wahren Angelpunkt aller Staatskunst vorAugen haben! ') X.
Congreve (William), einer der bessern dramatischen Dichter der Englän-der, stammte aus einer alten Familie in Staffordshire. Nach seinem Grabmale inder Westminsterabtei ward er 1672 geb. Er selbst nannte sich einen Engländer, obihn gleich Andre zu einem Inländer gemacht haben. Er wurde anfangs auf derSchule zu Kilkcnnv, hierauf zu Du'li» erzogen und, 16 J.alt, nach London ge-schickt, um die Rechte zu studiren, die er aber bald gegen die Dichtkunst vertauschte.C.'S erstes dramatisches Werk, die mir großem Beifall aufgenommene Komödie:,,'I'Ix' >dd NaLÜele»". wurde 1603 aufgeführt. Sie verschaffte ihm die Gunstdes Lord Halifax, der ihn zu einem der (lonninrslmxu^ lür lüuui.-üu^ cmudirs w.ernannte, „I'bv double d,>,dei". ein Lustsp., 1694, fand keine ausgezeichneteAufnahme. 1695 wurde !'<>r !<»,>" gespielt, ein Stück, welches die
Handlungen der Menschen treffender darstellte, als die vorigen. Sein Trauersp.:,,'I bc oiourun,^ bilde" (1697) gehört zu den besten Stücken der engl. Bühneund wird noeb jetzt gespielt. Sein letztes Schausp.: ,/I'bu -v.->v >ck ibe ev<>, l,I".geriet nicht, und dies veranlaßte ihn zu dem Entschlüsse, in der ?urückgezogenheit zuleben. 1710 gab er seine ,,Hü>'e!l.>u>.>ou>i heraus. AlSdie Whigs, denen
er ergeben war, 1714 emporkamen, ward er 8r,net->rv llir ein Posten,
derihm jährlich 1200 Pfund eintrug. Wie sehr er geschätzt wurde, sieht man u. a.daraus, daß Pope ihm seine „Iliade" zueignete. C. starb zu London d. 19. Jan.1729. Als Schauspieldichter war er originell. Seine Charaktere sind glücklich ge-wählt, aber nicht immer der Natur getreu nachgebildet. Er war für das Dramageboten; aber seine Kräfte verließen ihn, wenn er in eine andre Sphäre trat.